288 Zweiter Abschnitt. Die Artes
wissenschaftliche Leben, das sich im Kloster hauptsächlich zeigte, wirdhier offenbar, sondern durch die ganze Sammlung geht der Pulsschlag desgeschichtlichen Lebens der Zeit, indem sich hier der Briefwechsel zwischenweltlichen und geistlichen Fürsten, zwischen Päpsten und Kirchen aufrollt.Auch hier offenbart sich der Sammler als dem Domstift nahestehend, wo jadoch eine viel größere Anzahl wichtiger Schreiben von hochstehendenHerren einlaufen mußte als im Bereiche des Klosters. Es ist sonach mög-lich, daß Udalrich dem bischöflichen Archiv vorstand, und seine Beziehungenzu höheren Kreisen ergeben sich aus der Tatsache, daß er seine Sammlungdem Bischof Gebhard von Würzburg widmete, mit dem er in einem engerenVerhältnis stand. Er hatte das Buch durch die erfahrene Hand des Vitusschreiben lassen, und als es im Anfang 1125 vollendet war, richtete Udalriches mit poetischer Widmung an Gebhard.
Zeugnisse. Die persönlichen Verhältnisse ergeben sich aus dem Widmungsgedicht beiJaffe p.lf., dort Vs.2 Pauper Oudalricus hoc parvum dat tibi munus 1 ... 5 Tu nuncpresul Gebeharde, Queso digneris . . . clientis Qualiacumque tui munuscula sumere ...13Quisquis eris, dominus vel lectorcodicishuius, Sis memor Oudalrici Bavenbergensisalumpni,Qui collegit eum corpusque redegit in unum . . . Conscripsit Vitus sed eundem scriba peritus,Cum iam, curriculis annorum tnille peractis Cenlurn viginli, cepisset quintus haberi. DenMönch Udalrich s. im Necrol. Bamberg, bei Jaffe, Bibl. 5, 566 zu 3 Non. Ian. Oudal-ricus presbiter et monachus nostrae congregationis 1147. Hie multos libros scripsit nobis.Nach Dümmler wäre als Sammler eher der am 7. Juli 1127 verstorbene Priester undCustos Udalrich anzunehmen, vgl. Wattenbach 2,518 zu S. 185. Die Epitome derRhetorik richtet sich an Godescalcus dei servus und steht im Vindob. 2521 s. XII f. 6—21(vgl. Endlicher S. 165ff.); die Prologe gedruckt von Dümmler, Neues Archiv 19, 222 ff.Die Formeln bei Jaffe, Bibl. 5, 18—23. Zu Gebehard von Würzburg vgl. EkkehardiChron. 1122 (MG. SS. 6, 258, 19) imperator . . . Gebehardum bene quidem natum sed adhucpre studiis scolaribus nulla aecclesiastica promotione maneipatum pontificali investiturasublimavit. Ein Schreiben Gebehards bei Jaffe, Bibl. 5, 405 ff. N. 233.
Codex Udalrici. Udalrichs Sammlung, die an 225 Stücke umfaßt,ist für die Geschichte von Kaisertum und Papsttum von höchstem Werte,und es werden nicht nur Briefe, sondern auch allerhand wichtige Akten-stücke darin überliefert. Im Mittelpunkte stehen Heinrich IV. und V.,Gregor VII. sowie Paschalis IL und Galixtus IL, außerdem aber Bamber-ger Bischöfe wie Günther und Otto L, dessen Weihe durch den Papst denGegenstand einer ganzen Briefreihe bildet (N. 131 ff). 2 Neben der Korrespon-denz mit ausländischen Fürsten, wie N. 85. 129. 142 und 181, stehen dannauch einzelne Dokumente von großer Bedeutung, wie 21 das Papstwahl-dekret Nikolaus' IL, 37 die Beschlüsse der Mainzer Synode von 1071,113 dieSchrift Sigeberts von Gembloux gegen Paschalis IL, 134 der Brief Hein-richs IV. an seinen Sohn vom Juli 1106, der Erlaß Heinrichs V. an Parma überdie Ereignisse in Born 1111, 150 der Pakt zwischen Heinrich V. und Pascha-lis IL wegen der Kaiserkrone. Von literarischer Wichtigkeit 3 endlich sindzwei größere Stücke, nämlich 191 ein Auszug aus einem sonst nicht erhal-tenen Werke Widos von Osnabrück über den Streit Heinrichs IV. undGregors VII. und 199 der Bericht des Magisters Hesso über den Friedens-
1 Vs. 3 Cato dicit parvulus auetor: Exi- gegen den Kanonikus Roscelin von Com-
guum munus — Accipito placide, Catonis piegne und 160 ein Brief über den Pariser
Dist. 1, 20, lf. Studienaufenthalt eines unbekannten Kle-
a Auch sonst erscheinen ganze Sammlun- rikers, endlich N. 18 zwei Verse aus dem
gen, wie N. 201—208 auf den Utrechter Ka- Liber de virtutibus des Hermann von Rei-
nonikus Ellenhard bezüglich. chenau.
3 Zu erwähnen ist auch N. 98 ein Gedicht