E. Briefe und Brieflehren 287
der Briefsammlung ergibt sich aber deutlich die weltüberspannende PolitikGregors, die von ihm als Kardinal schon vorbereitet war. Übrigens sind auchVerträge und Eidesleistungen und sonst für die römische Kirche wichtigeAktenstücke aufgenommen worden, wie 1, 29 a ein Brief, in dem Heinrich IV.um Verzeihung wegen seiner Verfehlungen gegen die Kirche bittet, oder4 12a der von Heinrich IV. 1077 zu Canossa dem Papste geschworene Eid.Wie klein aber der Auszug ist, ergibt sich daraus, daß das dritte Buch nur21 Stücke im ganzen besitzt und daß Buch 4 erst mit dem 25. Juli 1076beginnt, also die Briefe fast eines ganzen Monats weggefallen sind. Übrigenserkennt man doch, daß man sich von Seiten der päpstlichen Notare einesetwas besseren Lateins gegenüber früheren Zeiten bediente, wenn auch einegroße Menge fester Wendungen stehen geblieben sind: die Sprache hat anKorrektheit und Klarheit zugenommen. 1
Zeugnisse. Erwähnung des Registers durch Gregor vgl. Reg. 8,54 (J äffe, Bibl.rer. Germ.2 507) nee in registro nostro huius causae litteras reperire potuimus. Bernolds Erwähnung imChron. 1085 (MG. SS. 5, 444, 8) quod illum latere non poterit quicumque eiusdem apostoliciregestumdiligenter perlegerit. Hs. von 258 Blättern im päpstlichen Archiv s. XI. Ausgaben:Epistolarum decretalium Rom. pont. 3, 549—585; von Jaffe, Bibl. rer. Germ. 2, 9—519;Gregorii VII. Rom. pont. epistolae etc. Paris 1877. Erich Caspar, MG. Episl. seleclae.2Bde. 1920. 1923. Vgl. W. Giesebrecht, De Gregorii VII. registro emendando, Bruns-vigae 1858. Pflugk-Harttung, Neues Archiv 8,229. 11,143. Wattenbach 2, 226 f.
2. DIE BRIEFSAMMLUNG UDALRIGHS VON BAMBERG
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts lebte in Bamberg der KlerikerUdalrich, ein Zögling der dortigen Schule. Jaffe hielt 2 ihn für den Michels-berger Mönch Udalrich, der für sein Kloster eine Menge Bücher schrieb undam 3. Januar 1147 starb. Doch gehörte er vielmehr dem Domstift an und hateineEpitome rhetoricae hinterlassen, die jedenfalls Schulzwecken dienen sollte.Sie besteht aus einzelnen Teilen, die mit metrischen Prologen versehen sind,in welchen die Benutzung von Horaz und Vergil stark hervortritt, und siesetzt sich aus folgenden Exzerpten zusammen: Tullius in quarto rethorico-rumlibro ad Herennium, Tullius de compositione in tercio libro de oratore,Marcianus Capeila in libro V°, Quintilianus libro Villi de differentia figura-rumettemporum, Marcianus Capella libro V de elocucione,de figuris elocutio-nis, Marcianus Capella de memoria. Die betreffenden Quellen sind sämtlichfür den Beginn des 12. Jahrhunderts aus Bamberger Bibliotheken bekannt. 3
Zu einem ähnlichen Zwecke sammelte Udalrich die ihm bekannt ge-wordenen Briefe und kleineren Aktenstücke, denn er stellte an den Anfangseiner großen Briefsammlung Formeln und formelhafte Wendungen fürden Gebrauch in der bischöflichen Kapelle, um den Notaren Vorbilder beiihrer Tätigkeit zu geben. Diese Formeln beziehen sich nämlich nicht, wieso viele in den italienischen Summae dietaminum, auf das private, sonderndurchaus auf das öffentliche Leben, und danach richtet sich denn auchdie folgende Briefsammlung. Nämlich in ihnen steht das geschichtliche undkirchenpolitische Interesse ganz im Vordergrund, Briefe von lediglich kultur-historischem Werte scheiden fast ganz aus: nicht das höhere geistige und
1 Auf Gregors I. Briefe als sprachliches 3 Vgl. Rhein. Mus. 47, Erg. S. 19. 65 und
Vorbild weist E. Caspar (Histor.Zeitschr. Becker 80, 38—40. H. Bresslau, Neues
"O• 1-30) hin. ^ Archiv 21.Bibl. rerum Germ. 5,1.