D. Novelle, Archäologie, Memorabilia, Staatsschriften 285
Die Darstellung selbst leidet meist an zu großem Wortreichtum und angekünstelter Wortstellung, doch lesen sich viele Stellen recht gut, da dieGleichmäßigkeit des Berichtes öfters durch interessante Erzählungen unter-brochen wird. 1 Seltsam berühren im 1. Buche die Beden und Gespräche, durchdie man die Liebe erwerben soll, denn die Vornehmen führen so geschraubte,unnatürliche und wortreiche Beden, daß das wirkliche Leben ganz ausge-schaltet wird. Mehr in die Wirklichkeit gehören die eindringlichen Argu-mente der keuschen Frau gegenüber dem begehrlichen hohen Kleriker. 2Literarisch zeigt sich Andreas bewandert, denn er weiß Bescheid in der Artus-sage, erwähnt Isolde und Blancheflor und ist imOvid und Horazzu Hause.Interessant ist jedenfalls ein Stückchen versprengte Karlsage, die von derleichten Anschauung von Karls des Großen Töchtern in Liebessachen rechtdeutlich Zeugnis ablegt. Sehr merkwürdig aber ist, daß der Liebeskönignach Aufzählung von zwölf Liebesvorschriften 1, 6 p. 106, 20 sagt, es gebenoch andere, und zwar unbedeutendere Vorschriften, die er nicht vorbringenwolle, da er sie in dem an Gualterius gerichteten Buche finden könne. Nunist dies ja aber das Buch, in dem diese Worte stehen, und das klingt fast, alswäre entweder das Buch De amore dem Gualterius nicht gewidmet, oder alswären jene Worte aus einem anderen Buche des Andreas in De amore hinein-interpoliert worden. Dieses Buch müßte dann auch über die Liebe gehandelthaben. Die Stelle ist aber wohl so zu verstehen, daß der König der Liebe,der hier spricht, die 31 regulae amoris (p. 310ff.) im Auge hat, die ja auchauf ihn zurückgeführt werden. Daß Epikur im gewöhnlichen Sinne erwähntwird, ist nicht zu verwundern, wohl aber, daß ein aus zwei Vergilstellenzusammengesetztes Zitat dem Martianus beigelegt wird.
Zeugnisse. Kurze Inhaltsangabe der ersten zwei Bücher p. 3 im Accessus ad amoristractatum. Die Einteilung von 1, 6 plebeius ad plebeiam, plebeius nobili, plebeius nobiliori— nobilis plebeiae, nobilis nobili, nobilior plebeiae, nobilior nobili, nobilior nobiliori. DerAbschnitt über die Liebeshöfe wird eingeleitet mit (p. 271, 2) Nunc igitur ad amoris variaprocedamus iudicia, das erste LJrteil mit (p. 273, 4) Hunc vero articulum Campaniae comi-tissa suo taliter explicavit iudicio, ausführlicher N. XIV p. 286, 12 in arbitrio Campaniecomitisse conveniunt, que hoc quidem certamen tali iudicio definivit, vgl. auch N. XVIp. 289,1 ff.; Liebeshof von Edeldamen einer Provinz vgl. N. XVIII p. 291, 4 Dominarumigitur curia in Guasconia convocata de totius curiae voluntatis assensu perpelua fuit consti-tutione firmatum. 3 Eingang zur Erzählung vom britischen Ritter vgl. p. 295, 8 Nam qui-dam Britanniae miles dum solus causa videndi Arturum silvam regiam peragraret; zu denregulae amoris vgl. p. 308,19 Hec est enim chartula, in qua regule scribuntur amoris, quasipse amoris rex ore proprio amatoribus edidit. Gleich die erste der Regeln ist zeitentspre-chend sehr freien Inhalts p. 310,1 Causa coniugii ab amore non est excusatio recta und dieletzte p. 312, 3 Unam feminam nil prohibet a duobus amari et a duabus mulieribus unum.Zu Artus vgl. p. 295, 9, zur weiteren mittelalterlichen Sage 1,6 p. 181,13 quia infinitaeet omni probitate gaudentes leguntur amasse, ut de Amphelice et Ysotta et Blanciflore etmultis aliis virginibus reperitur. Zu Ovid 4 vgl. 1, 2 p. 8, 16 Rem. 749; 1, 6 p. 15,17 Am.3,4, 17 (auch p. 348, 9); p. 16, 5 ff. Epist. 4, 75 f.; p. 24, 2 Met. 2, 846 (auch p. 323,16);2, 3 p. 245,17 f. Trist. 1, 9, 5 f. (auch p. 317,19); 3 p. 342,17 f. Amat. 1, 349 f.; p.350,9 Fast. 1,419. Zu Horaz vgl. 1,6 p. 74,18 f. Sat. 1,7, 3; 1,6 p. 121,19 Ep. 1,4,14; 1,9 p. 230,17 A. P. 476. Lucan wird angeführt 3 p. 346,19 B. C. 1, 281. Eine Stelle stammtaus dem Archipoeta, nämlich 1, 6 p. 184,11 si quis in igne positus non uratur (von derLiebe), Archip. 3, 8,1. Zur Karlsage vgl. 1, 6 p. 200, 8 Huic autem opinioni argumentumprestat validum Caroli Magni regis filia, quae ab Ugone Alverniae expressissime postulavit
\ S ° 1. 6 P- 91—108. wohnt war.
s 1, 6 p. 181—194. 4 ßj e stellen werden meist mit ,antiquum
Der Ausdruck erinnert hier an den proverbium' oder nur mit ,proverbium' ein-
Jvanzleistil, den Andreas als Kaplan ge- geführt.