284 Zweiter Abschnitt. Die Artes
uxoriationis beilegte (vgl. P. Rajna, Studj di filol. rom. 5,193ff.), ist vonTrojelp.Xffmit Recht zurückgewiesen worden, da beide Werke nicht vom gleichen Verfasser stam-men können.
De amore. Um dies Werk zu schreiben, hat Andreas jedenfalls längereStudien machen müssen. Die umfängliche Schrift ist nämlich nicht aus Stellenaus alten Autoren, etwa Ovids, zusammengesetzt, sondern vertieft sichin das Leben der Gegenwart, so daß der Leser eine Darstellung über die Liebeaus der Glanzzeit des Rittertums vor sich liegen hat, die kulturgeschichtlichvon hohem Werte ist. Andreas teilt seinen Stoff in drei Bücher, deren erstesdie Erwerbung der Liebe behandelt, das zweite ihre Erhaltung bespricht unddas dritte, weitaus kleinste, sich mit der Verwerfung der Liebe hauptsächlichvom christlichen Standpunkte befaßt. Das erste Buch setzt mit der Defini-tion der Liebe ein und erörtert, zwischen wem es zur Liebe kommen kann,das Ziel und den Erfolg der Liebe und welche Personen zu ihr geeignet sind.Höchst ausführlich ist das 6. Kapitel, in dem dargestellt wird, wie die Liebeerworben wird. Es wird hier nämlich an Beispielen erläutert, was der Mann,und zwar von dem aus dem Volke bis zum vornehmsten, für Wege einzuschla-gen und für Worte zu gebrauchen hat, um zur Liebe eines Weibes zu ge-langen, und umgekehrt, was eine Frau, von der einfachsten bis zur Edeldame,darauf zu antworten und wie sie sich zu verhalten habe. Darauf folgenkurze Abschnitte von der Liebe der Kleriker, der Nonnen, der Bauern undder Dirnen. Eingeflochten ist hier ein Abschnitt (p. 91—108) über die Stra-fen, die der Liebesgott über die nicht liebenden Weiber nach ihrem Tode ver-hängt, und jener schon oben erwähnte Briefwechsel. Das zweite Buch han-delt davon, wie der Zustand der erworbenen Liebe erhalten und wie die voll-kommene Liebe erhöht und gemindert wird und wie sie aufhört, ferner vonden Kennzeichen wechselseitiger Liebe und über den Fall, daß der eine Teildie Treue bricht. Dann kommt einer der interessantesten Teile des Ganzen.Wir sind hier nämlich in der Zeit, da sich die Liebesgerichtshöfe in Frank-reich versammelten, um über Liebessachen zu beraten und zu entscheiden.Diesen Liebeshöfen präsidierten hochgestellte Damen, wie die obenerwähn-ten Fürstinnen. Sie entschieden die streitigen Fragen und Andreas berichtetvon einundzwanzig solchen Liebesentscheiden, wozu unter UmständenEdeldamen aus einer ganzen Provinz berufen wurden. Die Entscheide wur-den wohl aufgezeichnet und auf solche Weise mögen sie dem Andreas be-kannt geworden sein, der mit besonderem Behagen bei diesen Geschichtenverweilt. Das Ende des zweiten Buches bildet eine längere Erzählung voneinem britischen Ritter, der in den Wald zieht, um König Artus zu sehen,aber vom Liebesgott einunddreißig Liebesregeln empfängt,welche hier vor-geführt werden; die letzte ist verfänglich genug, nämlich: Es hindert nichts,daß eine Frau von zwei Männern und ein Mann von zwei Frauen geliehtwird. Nachdem also hier die Sache auf die Spitze getrieben wird, erfolgt als-bald der Rückschlag. Denn das dritte Buch sammelt den Stoff, durch denGualterius der Liebe abwendig gemacht werden soll. Das geschieht zunächstmit biblischen Stellen und dann werden mit großem Fleiß alle erdenklichenVorwürfe gegen das weibliche Geschiecht zur Schau gebracht. So gibt An-dreas dem Freunde erst eingehende Belehrung über die Liebe, um ihmzum Schluß energisch von ihr abzuraten.