D. Novelle, Archäologie, Memorabilia, Staatsschriften 283
auf einen König von Ungarn 1,6 Bezug genommen wird 1 und das Andreas II.nach A. Steiner nicht sein kann, so hat dieser vermutet, 2 daß sich jenerühmenden Worte auf König Koloman beziehen. Andreas, von dessen son-stigen Verhältnissen wir nur wissen, daß er große Reisen gemacht hat, warvon seinem jungen Freund Gualterius, der seit kurzem stark verliebt war, ge-beten worden, ihn über die Liebe zu beraten; er kam der Bitte nach und schriebdies Buch. Es kann allerdings zweifelhaft sein, ob sich die Sache wirklichso verhält und ob nicht der Freund eine fingierte Person ist. Denn washätte ihm das Buch wohl genutzt, zu dessen Abfassung Andreas jedenfallslange Zeit gebraucht hat ? Es scheint allerdings, als ob Walter Fragen überLiebesverhältnisse an den erfahrenen Freund gestellt hätte, aber es ist sehrleicht möglich, daß Andreas jene als rhetorische Fragen fingiert hat, 3 umdie Darstellung zu beleben, wie er sich überhaupt, besonders in den späterenPartien, oft an seinen jungen Freund wendet. So versteht es Andreas, demBuche einen ziemlich persönlichen Eindruck zu verleihen, indem er denGualterius öfter mit Ratschlägen bedenkt. Aus dem dritten Buche aberergibt sich durch den dort ausgeführten Kampf gegen die Liebe und dieFrauen mit Sicherheit die geistliche Stellung des Verfassers.
Zeugnisse. Name und Stellung aus der Unterschrift im Laurent. Gaddianus 178Expl. liber a sapientissimo Andrea regis Francie capellano compositum ad precum instantiamGualterii nomine regis memorati nepotis (fast das gleiche in der Aufschrift von Vat. Otto-bon. 1463 s. XIII f. 31a) und aus p. 262,1 Sed non gaudeat Andreas de eo. Weitgereistvgl. p. 339, 5 Mundi namque partes plurimas circuivi. Zur Abfassungszeit vgl. G. Paris,Romania 19,623; P. Rajna, Studj di Filol. Romanza 5,193 ff. Die Königin Eleonora(Alinoria) wird erwähnt 2,7 II p.274,10. VI p.278,13. VII 279,14. XVII p.290, 13.XIX p. 292, 5. XX p. 292,11. 14. Ein Brief an die Gräfin Maria von Champagne steht1,6 p. 150 ff., die Antwort Marias darauf p. 152—155 mit dem Datum p. 155,1; beideBriefe erweisen sich aber durch ihren gesuchten Wortreichtum als Erzeugnisse von An-dreas selbst, gehen aber vielleicht auf lateinische oder französische Originale der betref-fenden Aussteller zurück. Sonst wird Maria erwähnt 2, 6 I p. 273, 4; III p. 275, 7; IVund V p. 276,19 und 277,14; XIV p. 286,12 f. XVI p. 289, 2. 6. XVII p. 290,13. XXIp. 293, 6. 8, die Vizegräfin Ermengard von Narbonne 2, 6 VIII p. 280, 6. IX p. 286,15.X p. 281,14. 282, 2. XI p. 282,12, die Gräfin von Flandern 2, 6 XII p. 283, 6 f.; XIIIp. 285, 2, endlich ein Liebesgerichtshof von gaskognischen Edeldamen 2, 6 XVIII p.291,4.Zum Ungarnkönig vgl. 1,6 p. 62, 3 Rex est in Ungaria intensa plurimum habens crura . . .Quia tarnen nimia morum invenitur probitate folgere . . . per Universum pene mundum re-sonant eins preconia laudum.* Zur Benutzung durch Albertanus vgl. Th. Sundby, Bru-netto Latinos Levnet og Skrifter (Kopenhagen 1869) p. 170 und CIV (sie geschieht unterdem Namen Gualterius); P. Rajna, Studi di filol. Romanza 5,242 und Niese, Hist.Ztschr. 101, 520.
Andreas lebte in Frankreich, vgl. 1,6 p. 89, 9 Malo igitur aere modico Franciae con-tenta adesse und 91, 3 Cum . . . die quadam in aestu magni caloris per regiam Franciaesilvam... equitarem sowie 1,6 p. 30,16 Parisius igitur exspecta erudiri. Der Widmungs-brief an Gualterius besagt p. 1 Cogit me . . . instantia, Gualteri venerande amice, ut meoUbidebeam famine propalare . . . qualiter inter amantes illaesus possit amoris Status conser-van... Asseris te namque novum amoris militem . . . nee ullum posse tibi remedium invenire■. ■ tarnen propter affectum, quo tibi annector, tuae nullatenus valeo petitioni obstare . . .tuae prout potero curabo postulationi parere. Daß Jeremias von Montagnone, 6 der Andreaszum Kanzler Innocenz' IV. gemacht hat und ihm neben De amore auch De dissuasione
p. 62, 3ff. ed. Trojel. Compendium moralium notabilium (Aus-
■ Speculum 4, 92—95. gang des 13. Jahrhunderts) unter der Be-
2, 6 p. 261, 19; 265, 6. 12. 18; 266,13. Zeichnung Andreas ad Gualterium de amore
267, 6; 269, 14; hier wechselt quaeres und oft angeführt, vgl. Trojel p. XV. Auch
quaens miteinander ab, die Fragen schei- französische Dichter von s. XIII an er-
nen mir alle erdichtet zu sein. wähnen den Andreas mehrfach, vgl. Tro-
5 Vgl. hierzu G. Paris, Romania 12, 525. jel p. XIII f.
Dieser hat den Andreas in seinem Werke