280 Zweiter Abschnitt. Die Artes
darf Lucinius reden, er berichtet seine Geschichte und die Ruchlosigkeit derKönigin kommt ans Licht; sie wird mit ihren Mädchen zur Strafe ins Feuergeworfen.
Noch in demselben Jahre starben Dolopathos und Vergil, ihre Gebeinewurden zu Palermo bzw. Mantua in goldnen Urnen beigesetzt. Lucinius aberherrschte bis in die Zeiten des Tiberius: Zu dieser Zeit kam ein Jünger Christinach Sizilien, und dieser offenbart dem König, daß Gott die Welt nicht ausder uXv) Piatons, sondern aus dem Nichts geschaffen habe. Und nun beginntder Apostel den König zum Christentum zu bekehren, wobei die HistoriaBarlaam et Josaphat benutzt wird. Auf die Einrede des Lucinius, warumGott den Menschen geschaffen, wenn er den Sündenfall vorausgewußt habe,entgegnet er mit der Lehre vom freien Willen und der Erbsünde, und erbringt dann eine ausführliche Apologie des Christentums gegenüber demHeidentum vor, wobei die griechischen Hauptphilosophen wie Aristoteles,Plato, Thaies, Epikur und die Stoiker mit ihren Ideen über die Weltelementeerwähnt werden. 1 Aberglauben, Philosophie und Tradition dienen hier alsBeweismittel; es werden sogar sibyllinische Verse angewendet, auch dieZeichen und Wunder in Christi Geburtsstunde und bei seinem Tode erwähnt.Endlich wird Lucinius durch ein Wunder bewogen, mit einem großen Teilder Stadt zum Christentum überzutreten und sich taufen zu lassen.
Diesem Werke hat Johannes eine kurze Vorrede an den Leser vorange-stellt. Hier erörtert er, daß manche moderne Autoren von allerhand Un-geheuern schrieben, während er mehr dem Alten treu bleibe und sich diewunderbare Geschichte eines Königs ins Gedächtnis gerufen habe, die vonheutigen Schriftstellern noch nicht berührt wurde, sondern ihnen vielleichtganz unbekannt blieb. Damit das Andenken an solche Taten nicht ver-schwinde, werde er die Geschichte in einfachem Prosastil wiedergeben.Und wenn sein Stil ungebildet erscheine, so möge der Leser ihm damit ver-zeihen, daß er nicht viel die Regeln Priscians studiert und daß er sich bishernoch nicht in den Gärten Quintilians und Ciceros niedergelassen habe.
Das Buch besitzt aber auch ein Nachwort: der Leser möge dem Autor nichtvorwerfen, daß seine Erzählung das Maß des Glaublichen überschreite unddaß er nur über Gehörtes und nicht über Gesehenes berichte. 2 Er habe ge-schrieben zum Vergnügen und zum Nutzen des Lesers und wenn seine Ge-schichte sich auch nicht wirklich zugetragen habe, so hätte sie sich doch zu-tragen können; außerdem zwinge er ja niemand sie zu lesen. Und wer sein Werkverurteile, der möge ihm nur mitteilen, wie die Wunder Moses' und Aarons oderdie Aufweckung Samuels oder die Verwandlung der Gefährten des Ulixesin Tiere durch die Circe vor sich gegangen seien, was doch Augustin undIsidor für wahr gehalten hätten; wer daran nicht zweifle, der müsse auchseine Geschichte ruhig hinnehmen.
Zeugnisse. Zum Stoff ed. Hilka p. 3, 5 Fuerunt eciam alii philosophantes quosmelius dixerim delirantes . . . ut quibusdam monstruosarum fabularum larvis repertis. ..monstrisque libros suos replentes . . . Ego autem dum veterum recolo Studium . . . cuiusdamregis gesta, sub quo et cui mira contigerunt, subito in memoriam devenerunt. Que quiaadhuc scriptoribus intacta vel jorsitan incognita permanebant, timens ne tanta tanti regis
1 p. 100, 3—14.
a p. 107, 29 quia non ut visa sed ut audita . . . a me scripta sunt.