D. Novelle, Archäologie, Memorabilia, Staatsschriften 275
sehört. In der Vorrede erbittet Petrus den Beistand Gottes, da dieser ihndazu getrieben, das Buch abzufassen und ins Lateinische zu übersetzen.Er habe es zusammengebracht aus den Spruchwerken der Philosophen undder Araber, aus Geschichten und Dichtungen, sowie aus den Fabeln vonTieren und Vögeln, und habe ihm den Namen Disciplina clericalis gegeben,da es dem Kleriker Unterweisung bringe. Eingeleitet wird das Werk mitSprüchen arabischer Philosophen, an erster Stelle Enochs, arabisch Edrics,einer angeblichen Sentenz des Sokrates 1 und einem Ausspruche des Ba-laam arabisch Lucaman; diese Anführungen aus der orientalischen Spruch-weisheit ■— auch der biblischen — setzen sich übrigens durch das ganzeBuch fort. Der eigentliche Inhalt des Werkes aber sind Erzählungen, diedurch eine Rahmenerzählung zusammengefaßt werden, wie die Märchen der1001 Nacht oder die Fabeln im Pantschatantra und Hitopadesa, oder dieGeschichten im Ruodlieb und im deutschen Winsbeke. Nämlich ein Araber,der dem Tode nahe war, gibt seinem Sohne, den er zu sich gerufen, Er-mahnungen und Ratschläge, aber nicht unmittelbar, sondern in einer größe-ren Anzahl von volkstümlichen, novellenartigen Geschichten, Erzählungenund Fabeln und knüpft an jede mehrere Weisheitssprüche von Philosophenan. Diese Geschichten sind öfters ineinandergeschaltet, so daß eine aus derandern hervorgeht, ganz wie in den oben erwähnten orientalischen Literatur-werken. Mehrere Erzählungen behandeln das Kapitel von der den Mannbetrügenden Frau, das später in den Fabeln Adolfs von Wien und beiPetrarka eine große Rolle spielt. Die in den Geschichten behandelten Fragensind zuweilen schwierig genug und bei ihrer Lösung springt denn auch einWeiser ein, der Auxilium egentium oder miserorum 2 genannt wird. Fernerspielt die Alexandersage hinein, indem der Brief des Aristoteles an Alexanderzweimal angeführt wird 3 und indem Petrus in einem der letzten Kapitelvon dem goldnen Grabe des Königs und den 32 Weisen erzählt, die es um-standen; 4 übrigens werden die in jenem Briefe berührten sieben freienKünste aufgezählt, wobei Grammatik und Rhetorik fehlen, die Physikeingesetzt wird und als siebente entweder die Nigromantik oder die Philo-sophie oder die Grammatik bezeichnet wird. Auch werden hier die ebenfallsin dem Briefe berührten sieben Fertigkeiten (probitates) 5 und sieben Tu-genden fi/wto^aej 6 genannt. Die Darstellungsweise ist hier noch fremdartigerals in der Schrift gegen die Juden, der Stil ist meist fast unlateinisch zunennen. Und so ist es auffällig genug, daß in Kap. 31 ein Distichon 7und Kap. 32 8 eine Grabschrift von acht Distichen eingelegt werden, dieallerdings bei ihrer verhältnismäßigen prosodiscben Reinheit nicht auf Petruszurückgehen können. Dagegen sind die zwei Doppelverse in Kap. 27 flderartig schlecht in Metrik und Prosodie, daß man Petrus als ihren Verfasserannehmen könnte. Jedenfalls aber wird es eines Arabisten bedürfen, um
Sokrates auch im Exemplum 4 (Acta stibus certare, aucupare, scaccis ludere, ver-
S0 2 c - scient. Fennicae 38 IV S. 11, 16). sificari.
Discipl. cleric. ed. Hilka u. Söder- 6 S. 11, \Nesitvorax,potator,luxuriosus,
njelm, Acta soc. scient. Fennicae 38 IV violentus, mendax, avarus et de mala con-
*>■ 23, 19 und 25, 4. versatione.
ö. 10, 1 und 34, 21. ' S. 44, 4f.
* XXXIII S.44, 26ff. s S-44) 9ff .
ö. 10, 23 Equitare, natare, saeittare, ce- 9 S. 40, 4—7.i8«