274 Zweiter Abschnitt. Die Artes
Transact. of the Royal Philol. Society of Glasgow 1909—1910. — Zu den Testimonien istübrigens De nugis 4, 4 p. 157, 17 hinzuzufügen, wo es heißt lege Aureolum Theofrastiet Medeam Nasonis (statt Jasonis) et vix pauca invenies mulieri inpossibilia. Hieraus zuschließen, daß damals die Medea Ovids noch vorhanden war, ist aber wohl ein Irrtum
5. PETRUS ALFUNSI
Der spanische Jude Moses, wohl nach 1050 geboren, trat im Jahre 1106in Huesca zum Christentum über und wurde von Stephan, dem Bischofdieser Stadt, getauft. Da der König Alfons VI. sein Taufpate war und derÜbertritt am Peter-Paulstage erfolgte, so nannte sich Moses fortan PetrusAlfunsi. Doch seine früheren Glaubensgenossen schoben ihm unlautereBeweggründe zum Glaubenswechsel unter und er sah sich daher genötigteine apologetische Schrift zu verfassen, in der er zugleich den jüdischenGlauben angreift. Er war im Gesetz und den Propheten und den Schriftender Ausleger wohl erfahren und hatte sich auch schon in den freien Künstenumgesehen, so daß er Lateinisch verstand und der christlichen Welt seinWerk vorlegen konnte.
a) In seinem Dialogus fingiert er nun ein Zwiegespräch mit seinemJugendfreund Moses, der auf die Nachricht seines Übertrittes sofort zuihm geeilt sei und ihn gebeten habe, ihm die Gründe mitzuteilen. Esentwickelt sich zwischen beiden Freunden eine ernsthafte Disputation,wobei Petrus durchaus nicht allein die Kosten des Gesprächs bestreitet.Zunächst weist Petrus die Irrtümer und Irrlehren der Juden zurück, undnachdem er auseinandergesetzt, warum er nicht zum Islam 1 übergetretensei, wendet er sich dazu, die Wahrheiten des Christentums zu erläutern undChristus als den Messias zu fassen. Und er spricht mit solcher Überzeugung,daß Moses am Schlüsse gesteht, er könne ihm nicht mehr entgegen sein;Petrus wünscht am Ende, daß der hl. Geist seine Erleuchtung auch ihmschenken werde. •— Aus dem Gebiete der Wissenschaft werden namentlichim ersten Abschnitt astronomische und philosophische Dinge näher be-rührt, 2 auch wird auf jüdische Gelehrsamkeit Bezug genommen. 3 Der ganzeTon ist übrigens ruhig und sachlich und entbehrt durchaus der Heftigkeitund der Spitzfindigkeit vieler christlicher Schriften; man befindet sich hierin der vornehmen Ruhe orientalischer Beweisführung und Überredung.Und daran nimmt auch die Sprache teil, sie vermeidet heftige und angrei-fende Worte gänzlich, freilich entbehrt sie der Frische und Lebendigkeitund man kann sagen auch des Reichtums und der feinen Differenzierung,die wir sonst im mittelalterlichen Latein finden. Und an vielen Stellenkönnte man vermuten, daß der Gedanke in einer andern Sprache gedachtund nur lateinisch wiedergegeben sei; höchst wahrscheinlich hat Hebräischund Arabisch 4 auf den Stil des Petrus eingewirkt.
b) Die Disciplina clericalis, das zweite Werk des Petrus, ist vonviel weiter gehendem Interesse, da es gewissermaßen der Weltliteratur an-
1 Ueber den Islam als Religion spricht partibus terminato. Kenntnis des Hebräi-Petrus in Tit. 5 (Migne 157, 597ff.). sehen findet sich Tit. 6 col. 611BC. 11 col.
2 Vgl. col. 544D—548D und 555D— 653C. 12 col. 669D. Der neben demmagus563 C. Vgl. 558 D Dicunt enim philosophi, Firminus (Tit. 10 col. 647 D) genannte ma-562 A Dicunt philosophi. gus Assitha (col. 648) ist wohl ein Jude.
8 Vgl. 549A Vestri doctores in doctrinae 4 Arabische Worte Tit. 10 col. 639C.libro tertio deum in loco esse asserunt sex