270 Zweiter Abschnitt. Die Artes
nach Haureaus Konjektur), dann Manerius, wohl der Lehrer des Dichters, bekanntaus einem Gedicht vom Jahr 1166 (Anz. f. Kunde d. deutschen Vorzeit 22, 312), aufwelches Johannes von Salisbury in einem Briefe (ed. Giles 2, 152ff.) vom Jahre 1168an den Mönch Randulph von Arundel anspielt -, 1 er begegnet auch in der mittelenglischenRomanze Sir Tristrem Vs. 296f. 2 Sodann Bartholomäus, wohl der spätere Bischof vonExeter, wahrscheinlich Thierry von Chartres (doctor Carnotensis), endlich ein presul Pic-taviensis. Daß der Verfasser des Gedichts mehrfach gleiches wie die Altercatio Phyllidiset Flore bringt, hat Brinkmann erwiesen, 3 aber die Gleichheit beruht, wie K. Streckerdartat, auf der Benutzung von Martianus Capeila.
Ueberlieferung im Harlei. 978 f. 121b s. XIII und St. Omer 710 s. XIV (vgl.Not. et extr. 31, 1, 146 ff.). Ausgabe von Wright, The latin poems etc. p. 21—30. Vgl.Haureau, Memoires de l'acad. des inscr. et belies lettres 28, und besonders H. Brink-mann, Ztschr. f. deutsch. Altert. 62, 27—36. Strecker daselbst 62, 180. 63, lllff.
ß) Die nächsten Gedichte tragen ebenfalls den Namen Golias an derSpitze: In einer Predigt gibt der Dichter Antwort auf die häufig an ihngerichtete Frage, warum Christus Mensch geworden sei; in einer Satire aufdie römische Habsucht wendet er sich gegen Papst und Kurie 4 und in einigenals Predigten gedachten Gedichten an Bischöfe und Priester, wie die PredigtAd terrorem omnium, die sich mehrfach auf den Hymnus Dies irae desThomas von Celano stützt. 5 Dann ein Spottgedicht auf die grauen Mönche,d. h. die Zisterzienser, das vielleicht von Walter verfaßt wurde, da wirwissen, daß er in seiner Jugend wie im Alter sowohl in Versen wie in Prosagegen diesen Orden auftrat. 6 Dann eine Klage an den Papst in Vaganten-zeilen, mit bitteren Ausfällen gegen die Prälaten; es wird an die Zeiten er-innert, da Arma vir um, Fraternas acies und Bella perEmathios (dieAnfänge von Aeneis, Thebais und des Civile bellum) noch ihren bildendenWert besaßen; das Gedicht enthält 37 Strophen, von denen acht erst durchHaureau bekannt wurden. 7 Das Gedicht Golias de infortunio suo gehörtdem Hugo Primas 8 und die Confessio Goliae ist die berühmte Beichte desArchipoeten. Sehr scharf und bissig ist das Gedicht De coniuge non du-cenda: der Dichter hat den Plan zu heiraten, doch drei Engel raten ihmdavon ab, und zwar in der Person des Petrus von Corbolio, des Laurentiusvon Durham und des Johannes Chrysostomus; ihre Gründe, ihm die Ehezu widerraten, werden mit aller Offenheit und mit sehr deutlichen und derbenAusdrücken vorgebracht, wobei die Schilderung Farben von der Messalina-szene bei Juvenal erborgt. Im Dialogus inter aquam et vinum (N. 21 p. 87)wird der Dichter in einem Traum in den dritten Himmel geführt. Hiertreten Thetis und Bacchus vor und es entspinnt sich ein Wettstreit, obWein oder Wasser besser sei. Der Streit wird meist mit biblischen Argu-menten geführt und der Wein trägt den Sieg davon. 9 Und ähnliche Wett-streite bieten die beiden folgenden Stücke Disputatio inter cor et oculumund Dialogus inter corpus et animam.
1 Vgl. Brinkmann, Ztschr. f. dtsch. examen veri = Hymn. 19ff., 75 Ut cumAltert. 60, 194ff. P. Lehmann, daselbst tandem venerit ille dies irae = Hymn. 1.61 (1924),237ff. 6 Vgl. The latin poems com. attrib. to
2 Vgl. Holthausen, Germ.-roman. Mo- Walter Mapes ed. by Thomas Wright,natsschr. 12, 48f. London 1841, p. XXXV Ap. IV.
3 Ztschr. f. deutsch. Altert. 62, 34—36. 7 Not. et extr. des quelq. mscr. 6, 299—
4 Das Stück ist auch gedruckt in Carm. 302, vgl. 302 f.
Burana ed. Schmeller N. XIX S. 19. 8 Ebenso wie p. 85 Epigramma demantello.
6 Vs. 29 p. 53 Quid dicturi miseri sumus ° Aehnlich ein Gedicht des Hugo Primas
ante thronum Ante tantum iudicem ante sum- und Carm. Bur. 173.mum bonum, 33 Cum perventum fuerit ad