260 Zweiter Abschnitt. Die Artes
scheint sich heute nichts mehr zu finden, denn die in den Drucken gegebenescheidet die 327 Briefe in zwei Hauptteile: N. 1—133 reicht bis zum Herbst1163, während die größere Masse aus der folgenden Zeit stammt und eigent-lich nur bis in die Zeit unmittelbar nach Beckets Ermordung reicht; denndie wenigen späteren Stücke erscheinen nur als zufällige Zusätze zu demgroßen Corpus. Der erste Hauptteil ist insofern weniger wichtig, als er meistSchreiben enthält, die von Johann im Namen Theobalds abgefaßt sind; siebeginnen mit den Briefen an Papst Hadrian. In ihnen fehlt natürlich daspersönliche Element, 1 das in den Stücken des zweiten Hauptteils sich sehroft geltend macht. Hier sind z. B. die Hauptdokumente für die letzten Zeitenund die Ermordung Thomas Beckets zu finden, wie auch das Verhältniszu Heinrich II. Die weit ausgebreitete Korrespondenz Johanns ist natür-lich ungemein vielseitig und berührt die meisten Kirchenfürsten Englandsund Frankreichs, vielfach auch den päpstlichen Hof. Übrigens sind wie beiallen solchen Sammlungen auch Stücke untergemischt, die entweder Ant-worten auf Johanns Briefe darstellen oder sonst in irgend welcher weiterenBeziehung zu ihm stehen. Für die Zeitgeschichte im westlichen Europa sindaber die Briefe Johanns von einem ganz außerordentlichen Werte, dochdie eigentliche Geschichte verdankt dem Johannes auch einige Werke.
e) Historia Pontificalis. Im Jahre 1162 verfaßte Johann im Anschlußan die Continuatio Gemblacensis Sigeberts ein geschichtliches Werk aus derGegenwart. Er erwähnt im Vorwort, daß auf die modernen Geschichtsdar-stellungen eines Hugo von St. Victor und eines Sigebert —■ er meint dieFortsetzung der Chronik—keine weiteren gefolgt seien, so daß über das Konzilvon Heims hinaus (1148) nichts bekannt sei, obwohl sich in den Kirchen-archiven manches Material finde. Auch verschweige Sigebert mancherleiund seinen Deutschen zuliebe schreibe er zuweilen gegen die Privilegiender römischen Kirche und gegen die Satzungen der Väter. Und so wolle ervon jener Zeit an beginnen und mit dem Konzil von Reims den Anfang zurFortsetzung Sigeberts machen. Die Schrift richtet sich an Petrus Gellensis,dem sie gewidmet ist, und enthält die Geschichte Eugens III., wobei aller-dings große Abschnitte über die zeitgenössische Theologie mit unterlaufen 2und die Erzählung sehr langsam, aber gründlich vonstatten geht, und zwarso, daß Johann vielfach auf die Vergangenheit gerät und seinen geschicht-lichen Blick rückwärts wendet. Leider ist nur ein Fragment des Werkeserhalten, das bis 1152 reicht. Johannes zeigt hier deutlich, daß er auf Quel-lenkritik keinen Verzicht leistet und daß er Universalgeschichte schreibenwill, ohne die Schicksale eines Reiches und Volkes besonders zu berücksich-tigen.
f) Biographisches. Vita Anselmi Cantuarensis. Da es im Inter-esse Thomas Beckets lag, dem großen Theologen Anselm von Canterburydie Heiligsprechung zu verschaffen, und das im Jahr 1163 unter Ale-xander III. zu Tours abgehaltene Konzil eine günstige Gelegenheit hierzubot, beauftragte dieser den Johannes, das von Eadmer verfaßte Leben An-
1 Einige Briefe, wie die an Petrus Cellen- (1,146, 3—7), wo von literarischen Dingen
sis gerichteten, sind aber von weitergehen- die Rede ist.
dem Interesse, so Ep. 75 (Giles 1, 101, 2 Vgl. c. 13 f. (MG. SS. 20, 526—530).19—24) und 96 (1, 143, 29—35) sowie 97