Druckschrift 
3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
Seite
259
Einzelbild herunterladen
 

D. Novelle, Archäologie, Memorabilia, Staatsschriften 259

gewidmet, der damals noch vor Toulouse lag. Veranlassung war der Um-stand daß in der Umgebung Johanns ein Mann lebte, der ein Gegner jederwissenschaftlichen Richtung und Johanns persönlicher Feind war; seinNamen wird im Metalogicus unterdrückt 1 und erscheint als Cornificius 2(nach Donats Vita Vergili). Die von diesem gegen ihn gemachten Angriffeweist Johann scharf zurück, indem er den Gegner widerlegt und in gewissemSinne eine Anleitung zur Logik bietet, um einen Beweis von ihrer Wichtig-keit zu geben. Hierbei werden zum ersten Male sämtliche Schriften desaristotelischen Organon nicht nur angeführt, sondern auch benutzt und ana-lysiert, so daß das Buch für die Geschichte der Wissenschaft eine großeWichtigkeit besitzt. Jedenfalls konnte Johannes von allen Zeitgenossenzuerst und allein das Organon würdigen, und er wußte sich der Argumentedes Aristoteles gegen Piatos Ideenlehre für die große Streitfrage zu bemäch-tigen, die die Realisten und Nominalisten damals entzweite. Damit erhebter sich an der Hand des Aristoteles über die Beschränktheit seiner Zeitge-nossen, und er bereitet jene weitgehende Benutzung des großen Philosophenvor, die im 13. Jahrhundert einsetzte. Da nun der Metalogicus eine Streit-schrift ist, so konnte Johannes hier auf das viele gelehrte Beiwerk aus demAltertum verzichten, das den Policraticus wie Ranken umzieht, und sichauf Aristoteles, Boethius undMartian im allgemeinen 3 beschränken. Zudemhat die Schrift keine geringe Wichtigkeit hinsichtlich der LehrmethodeBernhards von Chartres 4 sowie betreffs des Wesens von Johannes Feindenmit ihrem Haupt Cornificius. Nach der Eröffnung des Buches mit diesemletzten Gegenstand ist von der Rhetorik und Logik und den Artes liberalesdie Rede und die Grammatik wird als Grundlage für alle Teile des Wissensempfohlen. 5 Im zweiten Buche wird von der Logik gehandelt, und zwar vondem Teil, den Johannes Dialektik nennt. Bei der Streitfrage über die Uni-versalien 6 geht Johannes im dritten Buche zur Analyse des Organon über,die sich ins vierte Buch fortsetzt, welches mit der Analytik beginnt und zurDarstellung einer Erkenntnistheorie gelangt. 7 Dann wird von der Sophistikgesprochen und im Abschluß des Werkes handelt es sich nicht mehr umeine Verteidigung der Logik, sondern um den Begriff der Vernunft undWahrheit selbst, um die Anwendung der Logik in der Wissenschaft und umderen letztes Ziel. Am Ende des Buches widmet Johann dem Papste Hadrianeinen tiefgefühlten Nachruf, und er gedenkt der schweren Krankheit, indie sein Gönner Theobald von Canterbury gefallen war.

d) Brief e. In einer Exzerptensammlung der Briefe 8 findet sich die Notiz,daß Johannes seine Briefe nach dem Tode Thomas Beckets gesammeltund in vier Bände gebracht, wobei ihm der Kanonikus Guido von Merton,später Prior von Southwick 9 treulich geholfen habe. Von solcher Einteilung

1 1, 2 p. 14, 1 (Ueberschrift) Descripüo 5660).

personae suppresso nomine. 5 Vgl. 1,13 p. 34 f.

2 1, 1 p. 13, 31 et politicam vitam totam 6 2, 20 p. 96f.aggreduur Cornificius noster; 1, 3 p. 15, 32; 7 Vgl. 4, 13 p. 170,1 ff.

ä i p ; 21 - 23 etc - 8 Im Oxon. Coli. Ioan. Bapt. 126, vgl.

kr benutzt dabei allerdings häufig Ci- Giles Op. 2, 301.

cero, Plato (Chalcidius), Seneca und ° Dieser hat später die Exzerptensamm-

yumtilian. l ung angelegt.Vgl. besonders 1, 24 (Op. ed. Giles 5,