258 Zweiter Abschnitt. Die Artes
schers, wobei im Anfang die zeitgemäße Bemerkung fällt, daß der Fürstsein Schwert von der Kirche empfangen hat; 1 man sieht daraus, daß Jo-hannes den Standpunkt des Hierarchen mit dem des Philosophen wohl zuvereinen weiß. Die Gedanken, die in diesem Fürstenspiegel niedergelegtsind, stammen mehr, als es sonst bei Johannes üblich ist, aus der Bibel.Auf wesentlich antiker Grundlage, besonders auf der pseudoplutarchischenSchrift De institutione prineipis epistola ad Traianum beruht das fünfteBuch, 2 in dem, mit Anschluß des sechsten, die verschiedenen Seiten desStaatswesens betrachtet und die Pflichten der einzelnen Vertreter desselbenauseinandergesetzt werden; das geschieht mit weitschauendem Blick, derdas gesamte biblische und heidnische Altertum übersieht. Das sechste Buchwendet sich von den Dienern und Ordnungen des Staates zum Kriegs-wesen, wofür Vegetius und Frontin vielfach die Grundlage abgeben, undschließt mit einem kurzen Überblick über die Pflichten des Herrschers.
Der zweite Hauptteil will eine Anleitung zur Tugend und zur wahrenGlückseligkeit bieten und ist daher auf der Verbindung der philosophischenLehren des Altertums mit der tieferen christlichen Spekulation begründet.Im siebenten Buch behandelt Johannes zunächst die philosophischen Grund-sätze der jüngeren Akademie und geht dann zu einer Übersicht über dieantike Philosophie über, wobei er mit Pythagoras beginnt und mit Apuleius 3endet. Nachdem er die Methode und den Zweck der Philosophie berührthat, wendet er sich zu seiner Zeit und gibt eine Anleitung, wie man dieWissenschaft in sich aufnehmen müsse, deckt die Irrtümer des Epikureis-mus auf und entrollt ein höchst lebendiges, von reformatorischer Freiheitgetragenes Bild von den gegenwärtigen kirchlichen Zuständen Englands.Das achte Buch ist besonders ethischen Inhalts. Es gibt im Anfang weitereAusführungen zu schon behandelten Stoffen, verbreitet sich dann über dieSchwelgerei und Sinnenlust und deren Bekämpfung und empfiehlt demLeser nach dem wahren Glück zu trachten, das in der Erkenntnis und inder Tugend bestehe. Mit einer Ermahnung an Thomas, sich in allen Ver-lockungen des Hoflebens und der Welt selber treu zu bleiben, 4 schließt dasWerk, das also einen vorwiegend ethischen Charakter hat. Man kann eswohl mit Schaarschmi dt 5 den edelsten Ausdruck des Zeitbewußtseinsnennen; es offenbart sich als ein Weltspiegel, der das Leben der höherenStände und der gelehrten Kreise mit großer Schärfe reflektiert. Das Buch istwie kein zweites zeitgenössisches voll von großen Gedanken, die mit un-vergleichlichem Freimut, Wissen und Gelehrsamkeit vorgetragen werden.
c) Metalogicus. Hatte der Policraticus einen tieferen ethischen Ge-halt, so ist der Metalogicus, wie Johannes selbst sagt, eine Schutz- undStreitschrift für die Logik, 6 die er im Herbst 1159 herausgab; der Poli-craticus wird darin zweimal erwähnt. Auch sie ist dem Thomas Becket
1 4, 3 (1, 239, 10 ed. Webb) Hunc ergo Aristoteles bei Johannes vgl. Schaar-gladium de manu ecclesiae aeeipit prineeps. schmidt S. 117—123, über die des Plato
2 5, 1 p. 281, 9 Extat epistola Plutarchi S. 114ff.
Traianum instruentis . . . Ea dicitur esse 4 Vgl. 8, 25 (ed. Webb 2, 423, 27 ff.).huiusmodi etc. 5 Vgl. a. a. O. S. 192.
8 7, 6 tom. 2 p. 114, 7 In utraque vero s Prol. (Op. ed. Giles 5, 9, 12) Et quin
lingua Greca scilicet et Latina nobilis extitit logicae suseepi patrocinium, Metalogieon in-
Apuleius Affer. Ueber die Kenntnis des scriptus est über.