Druckschrift 
3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
Seite
257
Einzelbild herunterladen
 

D. Novelle, Archäologie, Memorabilia, Staatsschriften 257

Verfasser öfter benutzten Werke des Flavianus 1 richtet. Er widmete dieSchrift seinem Gönner Thomas Becket, als dieser mit Heinrich IL Toulousebelagerte, und zwar um seine Stellung bei dem designierten Primas vonEngland zu befestigen und diesen als denReichskanzler auf seine geistlichenPflichten aufmerksam zu machen, indem er ihn in die Grundsätze der geist-lichen Politik tiefer einweihte. Das Werk scheidet sich in zwei Hauptteile,deren erster de nugis curialium sechs Bücher umfaßt und im Haupttonkritisch gehalten ist, während der zweite aus den beiden letzten Büchernbesteht und, de vestigiis philosophorum genannt, im allgemeinen eine po-sitive Belehrung darbietet. Vorausgeschickt ist dem Werke ein poetischesVorwort von 153 Distichen, das, wie das große Gedicht den Titel Entheticusführt. Es ist ein Geleitgedicht für das Buch in Anlehnung an Ovids Tristien1 1:Begib dich lieber nicht an den Hof; gehst du aber dahin, so sage,daß du die Sprache von Poitiers 2 gebrauchen willst und gewinne dir denenglischen Kanzler durch Tugend. Sein Haus ist leicht zu finden und dumußt liebenswürdig zu ihm sein und dich zu gehöriger Zeit wieder zurück-ziehen; 3 beim Fortgehen rede spanisch oder baskisch. Dann aber sei vor-sichtig, denn überall werden die Menschen durch unnütze Dinge beherrscht.Wende dich dann nach England oder Britannien zurück und zwar nachCanterbury, wo du den Prior Odo und den Subprior Wilhelm (Brito) grüßenmagst und berichte ihnen von deiner Reise. Sonst rede wenig und sei ge-duldig; meide die Geldgierigen, denn für sie sind Bücher nicht da. Undmache dich möglichst schnell auf den Weg, sonst erhältst du noch mehrErmahnungen!"

Auch in einem längeren Prolog wendet sich Johannes an Thomas Becket,wo er die Beschäftigung mit der Literatur preist und von seinem Buche be-merkt, daß es sowohl kritisch als auch belehrend verfahre. 4 Er selbst gehöreinsofern zu der Schule der Akademiker, die in vielem dem Weisen denZweifel gestatten. 5 Im ersten Buche bespricht er die nugae, die sich am Hofebesonders breit machen, die Jagdleidenschaft, die Spielsucht, anstößigeMusik und Schauspiele und allerhand Aberglauben. Das zweite Buch be-schäftigt sich mit einem für jene Zeit sehr wichtigen Stoffe, nämlich denVorzeichen, und es untersucht, inwiefern sie entstehen können, ob sie Glau-ben verdienen und ob die göttliche Vorsehung sie in sich begreift. Im allge-meinen verfährt Johannes hier mit denkwürdigem Freimut und indem er aufdie Astrologie zu sprechen kommt, gelangt er zur Erkenntnistheorie undäußert sieh vorsichtig über die göttliche Vorherbestimmung im Verhältniszur menschlichen Willensfreiheit. Bezüglich der Erforschung der Zukunftaber dürfe nie gegen die Frömmigkeit gehandelt werden. Im dritten Buchwerden die Schwächen der Menschen im öffentlichen Leben, besonders dieSchmeichelei behandelt. Das vierte Buch bespricht die Pflichten des Herr-

2, 26 hoc autem asserit Flavianus in 3 p. 4, 11 (Webb) statua taciturnior esto

Iwro qui de vestigiis philosophorum in- nach Hör. Ep. 2, 2, 83.

scribitur (ed. Webb 1,141, 9) und 8,11 (2, 4 Vgl. Prol. (ed. Webb 1, 14, 25ff.).

294, 11) expressa sunt et congesta in li- 5 Prol. ed. Webb 1, 17, 7ff. Nee Aca-

bro qui mscribitur de vestigiis et dogmate demicorum erubesco professionein, qui in his

philosophorum und 2, 304, 19 ita tarnen ex quae sunt dubitabilia sapienti ab eorum

jo-cto aeeidisse Flavianus auetor est. vestigiis non recedo.

Die kräftiger ist als sonst.

H.d. A.IX2, 3 17