D. Novelle, Archäologie, Memorabilia, Staatsschriften 255
daß er ein Leben des Ermordeten im Legendenstil verfaßte; er war wohlauch bei der Heiligsprechung des Freundes tätig. Im Jahre 1176 aber erhielter auf Verwendung des Erzbischofs Wilhelm von Sens das Bistum in Ghartres,an welche Stadt sich jedenfalls viel teure Erinnerungen für ihn knüpften.Vier Jahre lang leitete er noch das Bistum, dann starb er am 25. Oktober1180 nachdem er dem Bistum seine reichen Bücherschätze vermacht hatte,die freilich infolge von Sorglosigkeit oder von Untreue bald genug ver-schwanden.
Zeugnisse.ZuAbstammungund Geburtetc. vgl.C. Schaarschmidt, Johannes Sares-beriensis nach Leben u. Studien etc. S. 9—60 und PRE. 9, 314ff. und R. Poole, Dictio-nary of Nation. Biography 29, 439—446. Zur Schulzeit vgl. Polier. 2, 28 (1, 164, 12—32W.). Zum Aufenthalt in Chartres Schaarschmidt a.a.O. S.13—22, zu Petrus HelieMetal. 2,10 p.80, 9 Sed eam postea a Petro Hella plenlus aeeepi. Zu Adam de Parvoponte ib, p.80, 15 Unde ad maglstrum Adam. . . famlllarltatem contraxi ulterlorem; imEntheticus 49 (Giles 5, 240) Incola sum modlcl pontls und 206 p. 245 noster Pontllianus.ZuBernhard von Clairvaux vgl. dessen Brief 361 bei Mabillon.Op.1,326 und zu TheobaldPetri Cell. ep. 115 (Migne 202, 566). Zur Stellung bei Theobald vgl. Metal. prol. p. 8, 35—9 3 und 4, 42 p.206, 22—27. Zu seinen Reisen Metal. 3 prol. p.113, 21 ff. Zur Verdächti-gung bei Heinrich II. vgl. Ep. 1151 p.164, 23 ff., Ep.108p.158, 20ff., Ep.61 p.75, 4ff.,66 p.83, 14ff., 113 p.161, 17ff., Schaarschmidt S.32L Zur Flucht nach FrankreichEp. 134 1, 187ff. (an Thomas Bocket), Rückkehr nach England Ep.300 2, 240—246.Erhebung zum Bischof Ep. 323 und 324 2, 291 f. Das Todesjahr nach dem Nekrologiumdes Klosters Josaphat bei Chartres, vgl. Schaarschmidt S. 59f. Die Bücherschätzebei Migne 199 XII, wo am Ende steht quorum maxlma pars temporum Incurla deperdltiautallquorum damnata cupldltate suffuratl fuerunt; übrigens ist die Sammlung, verglichenmit den außerordentlichen Literaturkenntnissen Johanns, nicht groß.
Zu den literarischen Kenntnissen. Daß Johannes Griechisch wirk-lich beherrscht habe, ist durch nichts zu erweisen. Nur gelang es ihm einst inApulien, eines Griechen Unterricht in dessen Muttersprache für kurze Zeitzu erhalten. 1 Aber soviel er auch Namen griechischer Schriftsteller anführt,erverdankt die Zitate doch ausschließlich lateinischen Autoren, wie Schaar-schmidt 2 und noch schärfer Webb 3 erwiesen haben. Von den römischenSchriftstellern kennt Johannes alle und zwar auch in der höheren Schulegelesenen Prosaiker und Dichter, zu denen als weniger verbreitete Autorenhinzutreten Publilius Syrus, Frontin, Martial, Petronius, Sueton, Gellius,Apuleius, Florus, Justin, Serenus Sammonicus, die Scriptores hist. Augustae,Ausonius, der Querolus und Sidonius. 4 Von späteren sind zu erwähnen deraus Paulus hist. Langob. 6, 7 bekannte Flavianus, 5 Walahfrid, JohannesScottus und Marbod sowie die meisten der als Philosophen bekanntenZeitgenossen. Hierzu kommen aus seinen der Kirche von Chartres hinter-lassenen Bücherschätzen Hraban, Sigeberts Chronik, Lanfrancs Werk gegenBerengar und Johannes von Marmoutier. Diese Listen lassen auf eine außer-ordentlich reiche Lektüre schließen, und sie dürfen noch keineswegs alsabgeschlossen gelten. Eine ähnliche Belesenheit hat kein Zeitgenosse Jo-hanns aufzuweisen, höchstens reicht sein „Nachfolger in Frankreich"Petrus von Blois etwas an ihn heran; freilich steht es von diesem fest, daßer nicht wenige von den Lesefrüchten aus Johanns Werken sich selber an-
Vgl. Metalog. 1, 15 (ed. Giles 5, 40, nes machte ich in meinen „Beiträgen zur
13ff.) und 3, 2 p. 158, 14ff. Geschichte röm. Dichter und Prosaiker"
t a. a. O. S. 108—124. (Philol. Bd. 47—59) namhaft. Vgl. beson-
Pohcraticus rec. Gl. C. J. Webb p. XXI ders den Index auetorum bei Webb Bd. 2.
aXIX. s vgl. P. Lehmann, Pseudo-antike Lit.
Line große Zahl von Zitaten bei Johan- des MA. (1927) S. 25ff.