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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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254 Zweiter Abschnitt. Die Artes

Alberich in Paris, 1 dem Hauptbekämpfer des Nominalismus, später zu Robertvon Melun. Nach Verlauf zweier Jahre ging er zu Wilhelm von Conch.esdem berühmten Grammatiker und Philosophen, den er drei Jahre wahr-scheinlich in Chartres hörte; dieser führte ihn besonders in die Fächer desQuadriviums ein, die er zum Teil schon bei einem Deutschen namens Harde-win gehört hatte. Hier las er sehr viel Autoren und wiederholte die schonfrüher bei einem Lehrer Theoderich ihm wenig verständlich gewordeneLektüre der Rhetorik (Ciceros); doch wurde er später durch Petrus Helienoch tiefer in das Werk eingeführt. 2 Da er mittellos war, mußte er übrigensSöhne von Vornehmen zum Unterricht annehmen, wie den Wilhelm vonSoissons, den er in Logik einführte und dann zu Adam de Parvo pontebrachte, mit dem ihn eine innige Freundschaft verband. Nach dreijährigerAbwesenheit von Paris kehrte er 1141 dahin zurück und hörte bei GilbertusPorretanus Logik, bei Robertus Pullus und Simon von Poissy christlicheWissenschaften. Darauf begab er sich zu seinem Freund Petrus Cellensis, 2der ihn mit Rernhard von Clairvaux bekannt machte, und dieser em-pfahl den talentvollen und unterrichteten Mann an Erzbischof Theobaldvon Canterbury. Theobald aber nahm ihn 1147 oder 1148 in seine Dienste,denn im Prolog des Policraticus (1159) steht, daß sein Verfasser nun schonzwölf Jahre im Hofleben befindlich sei. 3 Dem Petrus aber blieb Johann sehrergeben und er sandte ihm sogar den Policraticus zur Durchsicht vor derHerausgabe. Als Privatsekretär Theobalds hatte nun Johann die weitver-zweigte Korrespondenz seines Herrn zu besorgen. Außerdem wurde erwegen seiner hervorragenden Bildung oft als Gesandter benutzt; so hat ernach eigner Aussage von England kommend den Kamm der Alpen zehnmalüberstiegen, denn an den päpstlichen Hof zu Eugen III. und Hadrian IV.wurde er öfters geschickt 4 und zweimal ist er nach Apulien gekommen.Aber er wurde schließlich bei König Heinrich IL als Verfechter ultramontan-hierarchischer Ideen angeschwärzt. Er wandte sich an den ArchidiakonThomas Becket von Canterbury, der ihn auch stützte, was um so mehrins Gewicht fiel, als Thomas 1162 nach dem Tode Theobalds die Stellungals Erzbischof von Canterbury erhielt. Freilich schon nach acht Jahrenfiel Thomas dem absolutistischen Zorn Heinrichs IL zum Opfer. Ein deut-liches Zeichen dafür, wie mißliebig Thomas in kurzer Zeit am Hofe gewordenwar, ist der Rückzug Johanns nach Frankreich, denn er begab sich 1163 dort-hin, wo er im Interesse Beckets eine große Korrespondenz auf sich nahm. Undwährend Johann dem Freund und Gönner, der damals die erzbischöflicheStellung noch nicht inne hatte, im Policraticus den Maßstab für sein Han-deln und Tun vorgezeichnet hatte, ermahnt er ihn nun in häufigen Briefenzu Ruhe und zu Besonnenheit. Diese Ermahnungen hatten keinen Erfolg,schon 1170 wurde Thomas Becket mit Wissen des Königs in AnwesenheitJohanns ermordet. Wie nahe diese Tat dem Johann ging, ergibt sich daraus,

1 Daß dies nicht der in Reims tätige Leh- 3 Joh. Saresb. Policrat. prol. (ed. Webbrer gewesen sein kann, zeigt W.Meyer, 1, 14, 10) Iam enim annis fere duodecimGöttinger Nachr. 1907 S. 105f. nugatum esse taedet.

2 Abt von Moütier la Celle bei Troyes; 4 Zum Aufenthalt in Rom vgl. R. L.vgl. hierzu Joh. Saresb. Epist. 87 (ed. Gi- Poole, Engl. hist. rev. 38, 321330.les 1,117).