250 Zweiter Abschnitt. Die Artes
er einen priapischen Dornauszieher, spricht von den in einem großen Hauseuntergebrachten Statuen sämtlicher von Rom unterworfenen Völker,Salvacio civium genannt, an die eine sehr merkwürdige Sage knüpft, underzählt von der Statue des Belloforon (Bellerophon), daß sie durch einigeMagneten stets in der Schwebe gehalten werde. Dann berichtet er von demBalneum Bianei — gemeint ist Tyanei — Apollinis, das dieser selbst ausSchwefel, schwarzem Salz und Tartarus (Weinstein oder Weinsteinsäure)gemacht und angezündet habe; er habe zwar seine Hände darin gewaschen,aber nach Bezahlung des Badegeldes habe er wegen des Schwefelgestankesauf weiteres verzichtet. Als letztes Wunder in diesem Abschnitt spricht erüber das Theater in Heraclea, das ganz aus einem Marmorberge gehauen sei.
Im zweiten Abschnitt handelt Gregor über Marmorstatuen, deren eine,die nackte Venus darstellend, so außerordentlich schön sei und auf ihneinen so zauberhaften Eindruck gemacht habe, daß er sie dreimal habebesuchen müssen, obwohl ihr Standort zwei Stadien von seinem Hospiz ent-fernt gewesen sei (Rushf orthp.24ff.). Dann berichtet er von zwei Marmor-rossen, von denen die Sage gehe, daß sie die ymagines priorum conpoti-starum seien. Ferner habe er unter zwei Bögen zwei Bildsäulen alter Leutegesehen, nämlich des Salomo (?) und des Bacchus. Das palatium Gornutorumaber sei mit Bildsäulen von gehörnten Menschen angefüllt, worunter manden Jupiter arenosus zeige. 1
Dann kommt er auf die Paläste zu sprechen. Der Palast Diokletians seivon so gewaltiger Ausdehnung, daß er ihn an einem Tage nicht ganz habebesichtigen können, und seine Säulen seien so hoch, daß man mit einemSteinwurf ihr Kapital nicht erreiche; an jeder einzelnen hätten, wie ihm dieKardinäle versicherten, hundert Menschen in einem Jahre kaum mit demSchneiden, Meißeln und Aufstellen fertig werden können. Der Pallastempelsei heute eine Scheune für die Kardinäle und im Palast des Augustus seinoch ein Stück vom Throne übrig mit der Inschrift Domus divi Augusticlementissimi. Mit Staunen erwähnt er die Wasserleitung und von derMenge der Paläste sagt er, er könne sie bei weitem nicht alle beschreiben,da es ja niemand möglich sei, sie nur alle zu sehen. Nach kurzer Besprechungdes „Palastes der sechzig Kaiser" 2 bewundert er das Pantheon, quondamidolum omnium deorum, jetzt eine Allerheiligenkirche mit dem NamenMaria Rotunda. Er beschreibt den bildnerischen Schmuck des Gebäudes,dessen Breite er selbst mit 266 Fuß gemessen habe; das Dach sei ehedemgolden gewesen, die Habsucht habe aber das Gold entfernt.
Im vierten Abschnitt schildert er die Triumphbögen und Triumphsäulen.Zunächst erwähnt er den Bogen des Augustus mit der bildlichen Darstel-lung des Sieges von Aktium, der Niederlage der Kleopatra, ihres Todesdurch Schlangen und des Triumphzuges des Augustus; er habe das allesauf Bildern und Inschriften des Bogens abgelesen. 3 Dann erwähnt er den
1 Er meint aber, daß der Palast der Fa- und domus Frontoniana, die Paläste vonmilie der Cornuti gehört habe, die das Tiberius, Nero, Nerva und Oktavianus.Vaterland aufs tapferste geschirmt hätte. 3 a. a. O. p. 551 Hanc rem gestarrt ut pre-Weiter oben erzählt er, daß fast alle senti relacione docui, arcus pretaxalusMarmorstatuen durch Gregor I. zerstört sculptis ymaginibus per omnia representat.oder verstümmelt worden seien. Vgl. Rushforth p.39f.
2 Vorher erwähnt er die domus Aquilea