D. Novelle, Archäologie, Memorabilia, Staatsschriften 245
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NOVELLE, ARCHÄOLOGIE, MEMORABILIA,STAATSSCHRIFTEN
1. MIRABILIA ROMAE
Die Bedeutung Roms als Weltstadt hat schon im Altertum Beschreibungender Stadt hervorgerufen, die freilich durch die Umwandlung der Tempel undPalastbauten in Kirchen bald veralteten. Die Zerstörung großer Teile derewigen Stadt durch die Normannen unter Gregor VII. hat dann weiterestarke Veränderungen bewirkt und der jährliche Besuch von Pilgerscharenin der Stadt, die nach dem endgültigen Siege des Papsttums sich wieder inhohem Glänze erhob, machte neue Handbücher zur Orientierung in demgewaltigen Häuser- und Ruinenkomplex notwendig. So entstand um dieMitte des 12. Jahrhunderts ein kleines Werk von unbekanntem Verfasser,das wir Mirabilia Romae zu nennen gewöhnt sind, eine Bezeichnung, diewohl der Denkweise des mittelalterlichen Menschen, aber doch nur teilweisedem Inhalt des Werkes entspricht, dessen ältester Überlieferung der Titelfehlt. 1
Mirabilia Romae. Es ist H. Jordans Verdienst, den ältesten Kerndes Werkes aus seinen späteren Bearbeitungen und Umhüllungen herausge-schält zu haben. 2 Das älteste Stück, dessen Abfassungszeit unbekannt ist,begreift die Kapitel 1—12. Sie sind um das Jahr 1150 von einem unbe-kannten Verfasser neu redigiert worden. Dieser aber hat das Werk bedeutenderweitert, indem er fünf größere römische Legenden hinzufügte, deren Kernaus viel älterer Zeit zu stammen scheint, und damit den Hauptteil des Werkes,eine Periegese Roms, verband. In solcher Gestalt lag es dem ErzbischofRomoald von Salerno (1153—1181) vor, der es an die Spitze seiner Chronikvon Salerno stellte, so kannte es Albinus Diaconus in der Zeit Lucius' II.(1181—1185), der es mit Exzerpten aus dem von einem Presbyter Benediktangelegten Polipticus in das zehnte Buch seiner Digesta aufnahm, undso benutzte es der Verfasser der Graphia aureae urbis Romae, der das Werkwesentlich umstellte und es als Einleitung zu einer Darstellung eines älte-ren kaiserlichen Hofhaltes 3 verwendete; diese Graphia aber wurde gegen Endedes 13. Jahrhunderts von Martin von Troppau ausgeschrieben. Zu der älte-sten Rezension wurde unter Verwirrung ihrer Disposition später ein größererAnhang hinzugefügt, der nur Orte, Gegenstände, Gebäude und Tatsachenaus der Welt der römischen Kirche berührt. Doch hat der Verfasser in dieseÜberarbeitung auch für die älteren Teile Zusätze aus seiner Zeit gemacht,wiezup.619,17 J.die Worte (ed. Parthey p. 34,10) ubisunt fratres mino-res, die zeitlich etwa mit p.57, 12—17 P. stimmen, wo der h. Dominicus er-wähnt wird. Diese spätere Rezension kann also erst dem 13. Jahrhundertangehören.
.' Die Bezeichnung Mirabilia, die sich z.B. Lorscher Katalog (B.37, 95) de situ orbisim Vat. Reg.1446 s.XIV/XV und ander- terrarum et mirabilibus heißt.'i*''*, wird in letzter Linie auf die 2 Topographie der Stadt Rom im Mittel-alte Benennung von Solins Werk zurück- alter 2, 357—536; Ausgabe p. 607—643.genen, das schon im 9. Jahrhundert im 3 Etwa auß dem 7. oder 8. Jahrhundert.