244 Zweiter Abschnitt. Die Artes
der Altercatio Christiani cum Iudaeo des Gilbertus Crispinus von West-minster bietet N. 9. 1 Das spätest datierte Stück des eigentlichen LiberFloridus dürften die zwei Verse des Archidiakonus Herbert von Therouannesein, die dieser 1112 aus Italien mitbrachte, N. 69. Alle weiteren Stücke ge-hören nicht zur Überschrift, sondern sind Zusätze der Abschriften. Nämlichdie Vita s. Karoli Magni, deren drittes Buch mit einem Widmungsbriefedes angeblichen Turpin an den Aachener Dekan Leobrand beginnt, N. 339die Chronica de regibus Francorum des Andreas von Marchiennes N. 337ein Brief der französischen Königin Blanche vom November 1250 N. 338und endlich einige Bullen Clemens IV. und Urbans IV. sowie ein Gedichtfür die Papstwahl Gregors X (1270) N. 354—357. Endlich möge zum Schlußals N. 305 ein Stück über jüdische Häresien genannt werden.
Zu diesem literarischen Inhalt gesellen sich nun eine Menge Bildwerkeals Illustrationen. Es sind Bilder im eigentlichen Sinne, aber auch Stamm-bäume, Stadtpläne und Karten, Sternbilder und symbolische Darstellungen, 2im ganzen gegen sechzig solcher Beigaben. Das ist nicht unwesentlich, dadas Werk in der Genter Handschrift noch im Original vorliegt und alsofür diese Kunstbeigaben die Datierung gegeben ist.
Ueberlieferung. Benutzung des Werks findet sich nur bei Johann von Thilrode(t nach 1298) in der Chronica s. Bavonised. A. vanLokeren (Gent 1835) p. 7 EgofraterJohannes de Thilrode, monachus s. Bavonis Gandensis, compilavi hoc opusculum. . . exHbro nostro Florido. 3 Dies Buch ist heute Gand.92 s. XII, das Original des Liber Floridus. 4Abschriften sind Paris.8865 s.XIII. Leid. Voss, fol.31 s.XIII. Guelferb. Gud.l s.XII(aber unvollständig). Hs. des Marquis Marcello Durazzo in Genua. Chantilly, Musee Conde1596 s.XV. Hag. Y 392 s. XV. Hag. Y 407 s.XVI. Paris. 9675 s.XV. Duac. 796 s.XV.Exzerpte gaben J. deSaint-Genois im Messager des sciences hist. 1844, 473—506;1845, 264—267 = Migne 163, 1003—1031 Zacher u. Bethmann im Serapeum 1840,145. 162 und 1845, 59. 79. Nouvelle Biographie generale 29,129—131 (F. X. Tessier).Regestenartiger Ueberblick über das Ganze mit vielen Auszügen von L.Delisle, Not.etextr. 38, 577—791. Wattenbach 2, 171. Zu den Bildern im Original vgl. V. Van derHaeghen im Bulletijn der maatschappij van Geschied-en Oudheidkunde te Gent 1908,111—118.
Zu den Mirabilia mundi und Mirabilia Romae. Besonders be-merkt sei hier, daß sich beide Schriften im Liber Floridus finden. Die eine,De Septem mirabilibus mundi, allerdings wohl in verkürzter Gestalt,beginnt Primum miraculum Rome aedificatum est. Erat ibi consecratioomnium statuarum gentium und endet centum viginti octo columpne finemfaciunt mirabilis edificii. Hieran schließt sich im Gand. 92 noch ein WunderBritanniens im Lande der Pikten an, wie auch der Abschnitt 78 De mirandisBrittannie insule handelt. 5 In alten Katalogen wird die Schrift erwähnt inChieri 1261, in Rom 1295, in Avignon 1383, in Dover 1389, in CanterburySt. Augustin s. XV, in Leicester s. XV und in London 1448. 6 Die zweiteSchrift De mirabilibus Romae erscheint als N. 368 in den Zusätzeneiniger Handschriften. Sie beginnt Uno eodemque tempore Babilon cecidit elRoma surrexit und schließt revera multo magis existunt quam ipsa scrip-tura declarat.
1 Die Disputatio Odos und die Alter- 5 Dies Stück ist von der Darstellung beicatio Gilberts stehen in derselben Reihen- Nennius, Monum. hist. Britanniae verschie-folge im Berol. lat.354 s.XII f.56—72. den. Vielleicht ist es von Girald in einem
2 Aufzählung bei Delisle a.a.O. p.582f. seiner Werke benutzt worden.
3 Vgl. Delisle a.a.O. p.579. • Ist Lambeth palace 414 s.IX.
4 Vgl. hierüber Delisle a.a.O. p.583.