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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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234 Zweiter Abschnitt. Die Artes

Krankheiten und die oft noch wunderlicheren Methoden ihrer Anwendungdargelegt, wobei volkstümliche Symbolik und Aberglauben eine großeRolle spielen, Beschwörungen angewendet werden und auch vieles gänzlichin der Begriffswelt der Kirche aufgefaßt wird. Die Heilung durch die ange-gebenen Mittel wird meist fest versichert, doch begegnen auch Stellen wieEt homo iste sanabitur, aut deus eum sanari non vult". 1 Im fünften Bucheendlich handelt Hildegard über Anzeichen von Leben und Tod, gibt eineausführliche Urinlehre, spricht über Bäder und stellt das Horoskop fürden Menschen inbezug auf den Mondtag seiner Empfängnis. Der Stildes Werkes ist ganz schlicht und in seinem stark biblischen Einschlagdurchaus volkstümlich. Und dieser Eindruck wird noch vermehrt durch einegroße Anzahl eingestreuter deutscher Wörter und Bezeichnungen, was in ver-stärktem Maße dann in der Physik wiederkehrt; sie werden übrigens vielfachlateinisch wiedergegeben oder es werden auch lateinische Wörter verdeutscht.

Ueberlieferung. Richervon Senones 2 MG. SS. 25, 306 sah ein Exemplar des Werkesin Straßburg (vgl. oben), ern zweites befand sich 1393 in St. Maximin bei Trier (Jahresb.d. Ges. f. nützl. Forsch, zu Trier 1899) 54, 16 Item de medicina sancte Hildigardis in unovolumine. Und diese Hs. bildet heute die einzige Ueberlieferung, nämlich Kopenhagennye Kgl. Saml. 90b s. XIII. Einzige Ausgabe von Paulus Kaiser, Hildegardis GausaeetGurae, Leipzig 1903, vgl. Jahresb. über die Erscheinungen a. d. Gebiet d. germ. Phil.1903 S. 84. Neukollation der Hs. von P.v. Winterfeld, ZfdA.47, Anzeiger S. 292296.Fragmente gedruckt bei P i t r a, Anal.sacra 8,468482. Einiges übersetzt von P. Kaiserin Liebreichs Therapeut. Monatsbericht 1902 Heft 6. 8. 9. 11 f. und von Joh. Bühler,Schriften der hl. Hildegard v. Bingen, Leipzig 1922 S. 40126.

Physica. Das Werk, das auch Liber simplicis medicinae genanntwird, heißt in der Pariser Handschrift Liber b. Hildegardis subtilitatumdiversarum naturarum creaturarum et sie de aliis quam multis bonis. Esist weder ein Arzneibuch noch eine eigentliche Physik, sondern eine Natur-beschreibung vom ärztlichen Standpunkte aus, welche die Heilkräfte dereinzelnen Pflanzen, Steine und Tiere darstellt und zwar unter teilweisestarker Benutzung der Causae et curae. Es umfaßt, wie Matthäus vonWestminster richtig angibt, acht Bücher und nicht neun, wie die Überlie-ferung will, denn das zweite Buch hat sich als ein späterer Zusatz erwiesen;es behandelt unter dem Titel De elementis die Luft, das Wasser, einigedeutsche Flüsse, die Erde und einige Erdarten, fällt also ganz aus seinerUmgebung heraus. 3 Das erste Buch spricht in seinem Eingange in völligmystischer Weise von der Beziehung der Pflanzen zum Menschen und zähltim Inhaltsverzeichnis 213 Pflanzen auf, während das Buch 230 Kapitelhat, ein Umstand, der sich auch in anderen Abschnitten ähnlich findet.Die Pflanzen werden meist mit deutschen Namen aufgeführt und es wirdstets zuerst erwähnt, ob sie warmer oder kalter Natur seien; 4 darauf werdendie medizinischen Anwendungen gegeben. Dieses Schema der Behandlungzieht sich durch alle acht Bücher. Bei den Steinen (Buch 3) wird erklärt,daß jeder von ihnen Feuer und Feuchtigkeit in sich habe und daß derTeufel die Edelsteine hasse; dann werden 25 Edelsteine behandelt, ihr medi-zinischer Nutzen dargelegt und ihre sonstige Bedeutung erzählt. Die übri-

1 Lib. 4 p.212, 32 ed. Kaiser; ähnlich angäbe des Werkes nicht mitgezählt.p.213, 19. 212, 10. 214, 26. 4 Auf diese Unterscheidung legt die mit-

2 Er starb 1267. telalterliche Medizin sehr großen Wert

3 Es wird daher in der kurzen Inhalts-