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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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232 Zweiter Abschnitt. Die Artes

a) Visionen. Hildegard begann die Niederschrift ihrer Visionen mitdem Werke Scivias, 1 das in drei Büchern 26 Visionen enthält. Im Anfangeines jeden solchen Stückes teilt sie erst die Gesichte mit, die sie gehabthatte, und begibt sich dann zur Hauptsache, zur allegorischen Erklärungdieser wunderbaren Erscheinungen. Die Interpretationen sind durchausmoralischer Art und haben biblischen Hintergrund, der oft aus denProphetenstammt. Zuweilen trifft man auch naturphilosophischen Inhalt (1,3) unddie Mischung von Göttlichem und Menschlichem, Biblischem und Profanemläßt für viele natürliche Dinge Raum, die im Sinne der späteren medizinisch-naturwissenschaftlichen Werke Hildegards ausgeführt werden. In diesendrei Büchern beschreibt Hildegard die Pfade, die die ewige Weisheit zurErrettung des menschlichen Geschlechts einschlug und die Schlußvisionenschildern prophetisch das Ende der Welt. 2 Der Liber vitae meritorumbesteht aus sechs Visionen und hat es mit einem ungeheuer großen Mannezu tun, der erst nach je zwei Himmelsrichtungen und dann im ganzen Kreisedes Horizents sah und sich endlich mit den vier Himmelsrichtungen bewegte.Der Liber divinorum operum endlich enthält zehn Visionen.

Etwa vierzig Jahre nach Hildegards Tode wurden ihre Visionen und

Prophezeiungen durch den Cisterzienserprior Gebeno von Eberbach in

ein Kompendium gebracht, das er Speculum futurorum sive compendium

prophetiarum s. Hildegardis nannte.

Ueberlieferung. Die Visionen, meist Prophetiae genannt, fanden sich s.XIII/XIVin Canterbury, 3 s. XV daselbst, 4 1472 in Clairvaux (A.de Jubainville, Abbat, Cisterc.p.426 require visiones s. Hyldegardis sub signo H 47) und 1488 in Bordesholm (Merz-dorf, Biblioth. Unterhalt. 2, 53 N. M 21 und S.54 N. M 29). Hss. Wiesbad., Hildegardismaior s. XII und minor s.XIV. Vat. Pal. 311 s.XII. Vindob.630 s.XIII. 6 Heidelberg.Salem X 16 s.XII. Trecensis 683. Oxon. Merton Coli. 160 s.XII. Ausgaben: Paris 1513;Köln 1628; Scivias und Divinorum operum bei Migne 197, 3831038, Vitae meritorumbei Pitra, Anal, sacra 8,1244 vgl. 503517. Fragmente übersetzt bei Joh. Bühler,Schriften d. hl. Hildegard v. Bingen, Leipzig 1922, S. 169301: vollständig: Der hl.Hildegard v. Bingen Wisse die Wege Scivias übertragen und bearbeitet von MauraBöckeier O. S.B. Berlin 1928. Die Auszüge Gebenos waren s. XV in Durham (Surteessoc. publications 7, 43 Compilacio quaedam secundum Gebenonem de dictis s. Hildigar-dis). Hss. in Cheltenham 9303 s.XVf.58 Monac. 2619 s. XIII und Pitra p. XXf., dortExzerpte p. 483488.

b) Briefe. Auch Hildegards Briefe sind vielfach mit Visionen sowie mitWeissagungen angefüllt, weil sie gerade dieser Gabe wegen so häufig ange-gangen wurde. So sind Schreiben an sie erhalten von vier Päpsten (von dreienunecht ?) und von sämtlichen deutschen Erzbischöfen außer dem Magdebur-ger, von neun Bischöfen und von einer sehr großen Anzahl von Äbten, 6 Äb-tissinnen, Prälaten und Mönchen. Brief wie Antwort ist meist kurz gehaltenund die letztere im oben bezeichneten Sinne gegeben, doch es finden sich auchlängere, zum Teil sehr lange Stücke, wie Nr. 47 eine sehr ausführliche Aus-einandersetzung mit den Mainzer Prälaten wegen einer durch diese gefor-

1 Dieser Titel gehört entweder ihrer Ge- ver p. 292 N. 879.

heimsprache an oder ist imperativisch = 5 Vernichtet ist der Vindob.721 s.XIII,

wisse die Wege" zu deuten. der die Visionen ganz enthielt. Vindob.

2 Der hl. Hildegard v. Bingen Reigen 289f. 102 s.XII enthält eine Vision, die inder Tugenden (Ordo virtutum), Berlin 1927 der Ausgabe Köln 1628 fehlt (Vidi ab aqui-S. 33. lone bestias V).

3 Edwards,Memoirsof libr.l,213N.575. ° An der Spitze der Abtsbriefe steht ein4 James, The anc. libr. of Cant. and Do- Schreiben Bernhards von Clairvaux.