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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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B. Schriftsteller des Quadriviums 223

Hirschau gekommen war, die in St. Emmeram geltende Regel ein, als aberAbt Bernhard von St. Viktor in Marseille als apostolischer Legat 1077 nachHirschau kam und sich dort fast ein Jahr aufhielt, riet er Wilhelm, die stren-gere Kluniazenserregel durchzuführen, die sich dann auch mit Hilfe eines äl-teren Mönches Udalrich von Cluni im Kloster einbürgerte, nachdem Wilhelmdreimal je zwei Mönche nach Cluni selbst gesendet und Abt Hugo von Clunidem Kloster Hirschau lokale Erleichterungen von der Begel zugelassen hatte.

Mit dem Bericht über diese Verhältnisse eröffnet Wilhelm nun die Con- !suetudines Cluniacenses, d.h. die für Hirschauer Bedingungen modi-fizierte Redaktion der Kluniazenserregel, die aus zwei Büchern mit Kapiteheinteilung und Überschriften bestehen und mit der Aufnahme der Novizenim Kloster beginnen. Interessant sind hier besonders die weitläufigen Aus-lassungen über die Zeichensprache, die bei Auferlegung der Schweigepflichtstatt der wirklichen Sprache anzuwenden war. 1 Das zweite Buch fängt mitder Wahl des Abtes und mit der dem Erwählten schuldigen Hochachtungvon seiten der Mönche an. Fortan war Wilhelm mit der Ausbreitung derstrengeren Regel in Deutschland tätig, was beinahe gleichbedeutend warmit der Ausbreitung der päpstlichen Macht, wofür Wilhelm vielleicht1077 bei seinem Aufenthalt in Rom gewonnen worden war. In diesem Sinneist die Wirksamkeit Wilhelms außerordentlich bedeutend geworden, denner reformierte nicht nur Klöster, sondern begründete auch eine große Zahlneuer Stiftungen; drang doch sein Einfluß auch nach Kärnten und Thü-ringen vor, wo er St. Paul im Lavantertal, Reinhardsbrunn und St. Peterin Erfurt anlegte oder wieder errichtete. Über diese Maßnahmen und die Aus-breitung der Hirschauer unterrichtet der Codex Hirsaugiensis, der miteiner Abtsgeschichte des Klosters beginnt.

Wie sehr Wilhelm in päpstlichen Anschauungen gegenüber Heinrich IV.befangen war, ergibt sich daraus, daß der Gegenkönig Rudolf 1077 in Hirsch-au weilte und daß nach dessen Tode Gregor VII. 1081 ein Schreiben anBischof Altmann von Passau und an Wilhelm richtete, um für die Wahleines neuen Gegenkönigs zu wirken. 2 Allerdings von den dem König Hein-rich IV. feindlichen Bischöfen wollte Wilhelm nicht viel wissen, und in einemBrief, den er an Hermann von Salm richtete, mahnte er nicht nur diesenneuen König daran, die Simonie und die Unenthaltsamkeit der Priesterauszurotten und von der Investitur zu lassen, sondern auch das zügelloseLeben des sächsischen Episkopats nachdrücklich zu bessern. Diesen AngriffWilhelms, der nur von niederer Herkunft war, ließen die Bischöfe nicht aufsich sitzen, sondern Walram von Naumburg verfaßte eine geharnischteEntgegnung. Nach zweiundzwanzigjähriger, in kirchlicher Beziehung jeden-falls sehr erfolgreicher Tätigkeit als Abt ist dann Wilhelm 1091 in seinemKloster gestorben. Er selbst gehörte nicht zu den größeren literarischenCharakteren, aber seine Tätigkeit wurde jedenfalls Veranlassung für somanche gegen den rechtmäßigen deutschen König gerichtete Streitschrift.

Sein Leben, die Vita Wilhelmi Hirsaugiensis, ist von geringemWerte. Es ist nach seinem Tode angeblich vom Prior Heimo verfaßt und

1 Lib.l, 525 (Migne 150, 940957).Mansi, Collectio concil. 20, 342344. Registrum Gregorii VII. Lib. IX, 3.