220 Zweiter Abschnitt. Die Artes
Zeugnisse. Prolog (Migne 171, 1007A) Moralium dogma philosophorum per multadispersum volumina tuo quidem instinctu, vir optime atque liberalis , Henrice, contrahere medi-tabar . . . repente somnus obrepsit, et ecce vir sobrio decore laudabilis quasdam personas nonminus maturagravitatereverendas antecedebat . . . illum . . . Tulliummihiinnotuit; postquemille moralitatis eruditor elegantissimus Seneca cum quibusdam aliis . . . se agebat etcZu den Sprüchen aus Publilius Syrus vgl. c. 21 col. 1023A; 23 col. 1023C; 40 col. 1037A;42 col. 1038 C. Genannt wird die Schrift in alten Katalogen (außer in Peterboroughs. XII) in Canterbury (fünfmal), bei Gregor XII. 1411, s. XIV in Zürich, Durham undbei Johann de Scardeburgh, s. XV bei Benedikt XIII, in Canterbury St. Aug. (zweimal)und in Pavia. Die Versifikation (?) in Peterborough (Serapeum 12, Intelligenzbl. 161)Morale dogma versifice. Ueberlieferung im Paris. 2513. 13407. 17811. Douai 439Grenoble 530. Turic. civ. 58/275 s. XII f. 21b—31b. Sangall. 91. Oxon. Corp. Christ'Coli. 86. Zu der Hs. in Stams Nr. 39 s. XIII vgl. A. Zingerle, Münchner SB. 1881298f. Ausgaben bei Migne 171,1007—1056; rec. Thor Sundby, Philippi Gualteri abInsulis Morale dogma, Havniae 1869. Vgl. B. Haureau, Not. et extr. de quelquesmscr. 1, 100—108. —Vgl. Ueberweg, Grundriß d. Gesch. der Philosophie 11 2, 238ff.
BSCHRIFTSTELLER DES QUADRIVIUMS
1. WILHELM VON HIRSCHAU
Wilhelm ist in Bayern geboren und verdankt seine wissenschaftliche Aus-bildung dem Kloster St. Emmeram in Regensburg, wohin auch die Haupt-Überlieferung seiner Schriften weist. Dort scheint er schon als Knabe geweiltzu haben, doch es fehlt an jeder Handhabe, sein Geburtsjahr zu bestimmen.Der Aufenthalt in Regensburg aber brachte ihn den Wissenschaften nahe,und es ist trotz der Einwendungen Helmsdörfers 1 doch kaum daran zuzweifeln, daß der in Wilhelms Musik am Anfang genannte Othl. der berühmteMönch und Schriftsteller Otloh von St. Emmeram gewesen ist, denn wirwissen von Otloh , daß er sich in jüngeren Jahren viel mit antiker Literaturbeschäftigt hat und erst später ganz davon zurückkam. Und wenn nun derTeilnehmer des Dialogs in dem astronomischen Werke derselbe ist wie inder Musik und hier auch O. oder Otoch genannt wird, so haben wir es dochauch hier mit Otloh zu tun, besonders wenn man bedenkt, daß Otloh in derSchrift De tentatione einen Freund Wilhelm nennt. 2 Nun scheint sich leidervon Wilhelms Astronomie fast nur die Vorrede erhalten zu haben, was umsomehr zu bedauern ist, als Schriften über diese Wissenschaft in jenen Zeitennur äußerst selten erscheinen und es nach dem erhaltenen Fragment völligunsicher ist, ob sich das Werk auf Beda oder Isidor oder auf Martian oderauf Hygin 3 aufbaute. Der Inhalt der Vorrede ist in kurzem folgender.
Wilhelm hat sich in die Einsamkeit zurückgezogen und empfindetSchmerz darüber, daß er sich einst mit der Astronomie abgegeben habeund dem Wunsche vieler, die ihn in seinen Studien störten, nachgekommen sei,sie in diese Wissenschaft einzuführen. Da kommt sein teuerster Freund 0.
1 Forschungen zur Gesch. des Abtes Wil- Werk auch entweder (eine Beschreibungheim von Hirschau S. 67 f. der künstlichen Uhr und) eine Darstellung
2 Vgl. Mabillon, Vetera analecta p.118. über die Solstitien und Aequinoktien oder119. MG. SS. 11, 391. eine komputistische Arbeit gewesen sein,
3 Hygin ist in den alten Bücherverzeich- worauf der BerichtdesAnon.Mellicensisl08nissen von St. Emmeram nicht nachweis- (vgl.unten) nachBernoldl091 führenkönn-bar. ■—■ Uebrigens kann das astronomische te und der Beginn der Schrift hinweist.