A. Schriftsteller des Triviums 217
der letzte Teil seines Werkes eine Anthropologie darstellt. Und hierbei trittConstantinus Africanus als Quelle in den Vordergrund. Zuerst wird diephysische Seite des Menschen geschildert, seine Entwicklung wird darge-stellt und seine Kräfte beschrieben. Dann handelt Wilhelm über das Ge-hirn und die Sinne und geht von da zur Erkenntnistätigkeit der mensch-lichen Seele als zum Schlüsse über. Man sieht, daß die idealistische Seitedes Piatonismus keinen Einfluß auf ihn hatte, sondern er hält sich fast ganzan dessen reale Seite. Aber Wilhelm hat hier mit den besten Hilfsmitteln,die er erreichen konnte, einen ganz stattlichen Bau zusammengebracht. 1
Zeugnisse. Im Vorwort 2 gegen die ungelehrten Lehrer (Bedae op. Basil. 1563 Bd.2,311) Multos tarnen nomen magistri sibi usurpantes . . . nihil quippe de philosophia scientes,aliquid se nescire confiteri erubescentes sive imperitiae solatium quaerentes ea quae nes-ciunt esse utilitatis minus carius praedicant. . . impudentia illorum postpositade philosophiaaliquid dicere proposuimus . . . Incipientes igitur a prima creatione rerum usque ad hominemcontinuabimus tractando de ipso homine multa dicentes. Definierung der Philosophie 1p. 312 Philosophia est eorum, quae sunt et non videntur, et eorum, quae sunt et videntur,vera comprehensio. Zum hl. Geist 1 p. 313 Animo? igitur mundi secundum quosdam spiritussanctus. Im Vorwort zum zweiten Buch sagt er (p. 319) soli verilati insudamus. Malui-mus enim nudam veritatem praetendere quam palliatam falsitatem und im Prolog zumdritten spricht er davon, daß er durch sein Lehramt vielfach vom Schreiben abgehaltenwerde (p. 330) Etsi studiis docendi occupati parum spacii ad scribendum habeamus. Inalten Katalogen werden die Aufschriften dieses Werkes und des Dragmaticon 4 meistnicht unterschieden und ich gebe sie daher hier zusammen: s. XII Egmond (zwei),Prüfening, Monte Cassino (?), Corbie, s. XIII St. Genevieve, Heilsbronn, Pontigny,Canterbury (vier), Incognita; s. XIV Sorbonne; s. XV Leicester, Canterbury St. Augu-stin (acht), 5 Benedikt XIII., Amplonius, Clairvaux, Melk, Wien (zwei), Bordesholm (?),Fulda s. XVI. Hss. Paris. 6656. 16610. St. Victor 796; Monac. 18918 s. XII. 2594. 2655.15407.16103 s. XIII. Ausgaben in Bedae op. ed. Basil. 15631.2, 311—343;° als Werk desHonorius Augustodunensis in Bibl. patr. max. Lugdun. 20, 995—1020 und als WerkWilhelms von Hirschau Philosoph, et astronom. institutionum Guilelmi Hirsaug. olimabbatis, Basil. 1531. Vgl. besonders K.Werner, Wiener SB. 75, 309—403, Haureau,Singularites etc. p. 238.
b) Dragmaticon philosophiae. Dies ist, wie schon gesagt, kein neuesWerk, sondern nur die in Dialogform — zwischen Philosophus und Dis-cipulus —■ gebrachte Philosophia mundi, gewidmet einem Dux Normanno-rum et comes Andegevensium, d. h. wohl dem späteren englischen KönigHeinrich II. In der Überlieferung heißt es auch Philosophia secunda undmit diesem Namen werden auch Auszüge aus ihm bezeichnet, zu denen sichweitere als Philosophia tertia gesellen. Die Überlieferung scheint aber zwi-schen Kopien des Hauptwerkes und solchen der Ableitungen nicht sonder-lich geschieden zu haben.
Ueberlieferung im Paris. 6683. 6415. 4694 2 . Troyes 1342. Vendöme 189. Montispess.schol. med.145. Monac.2595. Berol.921 s.XIII. Amplon. 028 und 85 s.XIII. Stuttgard.H, B. VII 56 s. XII — XIII. Ausgabe: Dialogus de substantiis physicis confectus a Wilhelmoaneponymo philosopho, Straßburg 1567. Vgl. Haureau, Singularites S.246; Jourdain,Not. et extr. 20,2,42ff. Stücke aus den Auszügen (Egmond s. XII verzeichnet Excerptum
1 Vgl. 4,27 p. 340. und S.369 N.1485) die Philosophia de
3 Hier werden Anführungen aus Terenz, edicione secunda ausdrücklich erwähnt;
Cicero de invent. und Horaz gemacht. in Fulda 1552 (Beihefte zum Zentralbl. f.
3 So auch im Kommentar zu Boeth. Biblwesen 26,105 N.IX, 1,16) die Philo-
cons. phil. 3, 9 bei Jourdain, Notices et sophia magistri Wilhelmi ad comitem An-
extraits 20,2,75. degavensem; in Wien (Dominikaner) 1513
_ Diese Bezeichnung fand ich überhaupt Philosophia duplex magistri Willelmi de
in keinem Katalog. Conchis.
6 Hier wird (M.R.James, The ancient 6 Ist Migne 90, 1127—1178.libr. of Cant. and Dover S. 332 N.1175