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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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A. Schriftsteller des Triviums 215

Hugo. Benutzt wurde das Werk durch Petrus Lombardus in den Librisententiarum, woraus sich also eine direkte literarische Abhängigkeit desPetrus von Gilberts Schule ergibt. 1

Ueberlieferung im Monac. 18918 s. XII und 16063 s. XIII. Ausgabe von Bernh.Over Beitr. i. Gesch. d. Phil. d. MA. 7. Heft 2/3, 1*171*. Literatur zu Gilbert beiUeberweg, Grundr. d. Gesch. d. Philos." 2,126f.

15. WILHELM VON GONCHES

Wilhelm ist gegen Ende des 11. Jahrhunderts zu Conches 2 bei Evreuxin der Normandie geboren. Von seiner J ugend ist nichts bekannt, wahrschein-lich hat er in Paris studiert und hat hier vielleicht auch zu gleicher Zeitwie Abaelard gelehrt. Da aber seine Neigung weniger theologisch war, alssie sich auf die Philosophie erstreckte, so ging er nach Chartres und wurdehier ein Hauptvertreter der platonischen Richtung. Die Grundlage bildetebei ihm die Grammatik, und Johann von Salisbury nennt ihn als den be-deutendsten Vertreter dieser Disziplin nach Bernhard von Chartres, dessenLehrweise er auch übernahm. Drei Jahre hat Johann bei Wilhelm gelernt.Hier mag dieser sein großes Werk De philosophia mundi verfaßt haben, indem er seine Gedanken hauptsächlich auf die Naturphilosophie richtete.Die herrschende Theologie war aber mit einigen seiner Sätze nicht einver-standen und Wilhelm von Thierry zeigte ihn daher bei Bernhard von Clair-vaux an, nachdem der Prozeß gegen Abaelard sein Ende gefunden hatte.Darauf schrieb Wilhelm sein Dragmaticon, wo er allerdings von seinen An-schauungen keineswegs abstand sondern nur die Form des Dialogs einführte;wohl aber wollte er die Neuerungen des Ausdrucks und die Gedanken, die sichmit der allgemeinen Kirche nicht vertrügen, zurücknehmen. Schon früherhatte er einen Kommentar zum platonischen Timaeus verfaßt, eine Arbeit,die ihm wohl besonders am Herzen lag, und eine umfängliche Erklärung zuBoethius De consolatione philosophiae. Von seinen grammatischen Ergän-zungen zu Priscian, die er ebenfalls vor der Philosophia mundi und für seineLehrtätigkeit verfaßte, scheint sich nichts erhalten zu haben, dagegen hatein kleines philosophisches Werk, das meist Moralium dogma philosophorumgenannt wird und ethischen Inhalts ist, eine große Verbreitung erlangt.Gestorben ist Wilhelm in Paris, ob man aber 1154 als sein Todesjahr be-zeichnen kann, dürfte doch sehr zweifelhaft sein.

Zeugnisse. Zum Leben Wilhelms vgl. M. A. Charma, Guillaume de Conches,Caen 1857. R. Seeberg, PRE. 21, 294ff. Cl. Bäumker in Wetzer und Weites Kirchen-lexikon 12, 1599ff. R. L. Poole, Illustrations of the hist. of medieval thought (London1884) S. 124ff. Zu Joh. Saresberiensis vgl. dessen Metalogicus 1, 5 (Opera ed. Giles5, 21) utpote . . . Willelmus de Conchis grammalicus post Bernardum Carnotensem opulen-tissimus; 1, 24 p. 60 Ad huius (seil. Bern. Carnotensis) magistri formam preeeptores meiin grammatica Guilelmus de Conchis; 2, 10 p. 79 Deinde reversus in me et metiens viresmeas . . . consulto me ad grammaticum de Conchis transtuli ipsumque triennio docentemaudivi. 3 Zum philosophischen Werke und Wilhelm von Thierry vgl. dessen Brief anBernhard von Clairvaux bei Migne 180, 333A Etenim post theologiam Petri AbaelardiGuilelmus de Conchis novam infert philosophiam; (B) venu enim nuper ad nos frater

* Vgl. B. Geyer a.a.O. S.22. 3 Johannes benutzt auch eine Stelle aus

Denn danach nennt ihn Johann von Wilhelms Timaeuskommentar im Poli-

balisbury und er führt die Bezeichnung craticus 7, 5 (2,108, 18f. ed. Webb).de Conchis in den Handschriften.