214 Zweiter Abschnitt. Die Artes
über die Ursache desMehr oder Weniger bei den Dingen (De causa suscipiendi
magis et minus). Ein wesentlicher Gewinn an sich für die Logik scheint das
Werkchen nicht zu sein, aber seine Verbreitung ist sehr groß gewesen und
bildete mit des Porphyrius Isagoge, mit Aristoteles' Kategorien und Peri-
ermenias und Boethius' De divisione und De differentiis topicis später die
Logica vetus, während die beiden Analytiken, dieTopik und die Sophi-
stici elenchi die Logica nova genannt wurden. Übrigens verweist Gilbert
auch auf die Analytik. 1 Die Schrift begegnet später im Unterrichtsplan
der Pariser Universität 2 und erhielt Erklärungen durch Albert den Großen,
Robert Kilwardby, Walter Burleigh u. a. Ein anonymer Kommentar zu
der Schrift steht im Paris. 15131 s. XIII f. 75—96. In humanistischer Zeit
wurde sie durch Hermolaus Barbarus in besseres Latein gebracht und diese
Umarbeitung liegt der Ausgabe bei Migne zugrunde.
Ueberlieferung. Trotz der großen Verbreitung habe ich das Werk nur in zweialten Katalogen s. XV gefunden, bei Amplonius und in Urbino. Hss. Amplon. F 39.Q 20. 267. 310. 340. Paris. 2577. 2579. 2580. 2581. Ausgabe von Migne 188, 1255ff.Vgl. Haureau, Hist. delaphilos. scolast. 1, 452—458. Zu Gilbert als Philosoph Ueber-weg, Grundriß d. Gesch. d. Philosophie 11 2, 238 ff.
c) Bibelkommentare. Gilbert verfaßte außerdem Kommentare zuden Psalmen und zu den paulinischen Briefen, die noch ungedruckt sind.D och hat H. D e n i f 1 e auf die Wichtigkeit des 1 etzteren gebührend hingewiesenund die angebliche Autorschaft Gilberts von St. Amand widerlegt. DieErklärung zu den Paulusbriefen findet sich in alten Katalogen s. XII inSt. Amand und Lyre, s. XIII in Pontigny, also in Hinsicht auf die großeZahl der Handschriften nur selten erwähnt. Dagegen wird der Psalmen-kommentar häufiger erwähnt, nämlich s. XII inBec, St. Amand (zweimal),Limoges, Lincoln, Lyre, Durham, Corbie, und s. XIII in Pontigny undSt. Martin des Champs.
Ueberlieferung der Pauluserklärung im Paris. 656. 2580. 2581. 12028. 12029.14441, Arsen. 61, Mazar. 258. Valentian. 89. Lips. 427. 428. Casin 235, alle aus s. XII;weitere bei H. Denifle, Die abendländ. Schriftausleger bis Luther etc. (Mainz 1905)S. 30f. Der Psalmenkommentar im Paris. 439. 12004. 14418. 14419. Mazar. 202 s. XII.Rouen 118. Valentian. 44 s. XII. Aniens 46. 47. Reims 145. Tours 93. Vgl. zur Paulus-erklärung H. Denifle a.a.O. S. 334—366.
Die Sententiae divinitatis, 3 die Gilbert beigelegt wurden, stammenaus seiner Schule und sind nach der Synode von Sens (1141) und vor demAuftreten Bernhards gegen Gilbert und vor dem Konzil von Reims (1148)verfaßt. Sie sind wohl anonym erschienen, die Handschriften geben keinenAutor an. Vielleicht sind sie identisch mit dem auf dem Reimser Konzilals Sententiae Gilberti verurteilten Buche. Merkwürdig ist, daß sie den Stoffin einer Reihenfolge geben, die von der der anderen Sentenzenwerke völligverschieden st. Der Verfasser 4 spricht zuerst über das Studium der Theo-logie und über deren Verhältnis zu den Artes liberales, dann über die Schöp-fung nach Hugo von St. Viktors Sentenzen und nach Bernhard De liberoarbitrio und über die Erbsünde, über die Ghristologie nach Hugo, über dieSakramentslehre und schließt mit der Gottes- und Trinitätslehre wieder nach
1 Migne 188, 1268A qui cetera desiderant Paris. 1, 278 n.246, 228 n.201.
ad librum qui Analytica inscribitur remit- 3 Vgl. hierüber Bernh. Geyer, Beitr. z.
tendi sunt. Gesch. d. Philosophie desMA. 7,2/3 S.l-62.
8 Vgl. H. Denifle, Chartularium univers. 4 B. Geyer a.a.O. S.10—47.