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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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210 Zweiter Abschnitt. DieArtes

14. GILBERTUS PORRETANUS

Gilbert ist etwa im Jahre 1080 zu Poitiers geboren, 1 wo er die Schule desHilarius (wohl die Domschule) besuchte. Er begab sich dann zudemPlato-niker Bernhard nach Chartres, dessen Lehre er sich völlig aneignete. InParis hörte er Wilhelm von Champeaux, sowie dessen Schüler Abaelard 2und später in Laon die beiden Theologen Anselm und Radulf. Dann wurdeer selbst Lehrer in Chartres, wo er von 11261136 im Bistum die Kanzler-würde bekleidete. 3 Im Jahre 1137 aber ist er wieder in Paris und zwar alsLehrer der Dialektik und der Theologie. Zu seinen hiesigen Schülern ge-hörte Johann von Salisbury, der ihn in seiner Hist. pontificalis mit den ehrend-sten Ausdrücken belegt, und vielleicht auch Otto von Freising, dessen Hoch-achtung vor dem in echt wissenschaftlichem Geist lebenden Manne eine un-begrenzte ist. Beide Schüler sind bemüht das Andenken Gilberts von allenFlecken zu säubern, die die Orthodoxie seiner Zeit auf den Philosophengebracht hatte, und Otto verwendete an mehreren Stellen seiner beidenhistorischen Werke den Boethiuskommentar Gilberts, ja sogar in seinerTodesstunde noch gedachte er des ausgezeichneten Mannes, wenn er auchvielleicht bereute, daß er so furchtlos und frei in den Gesta Friderici für die-sen eingetreten war.

Als nämlich Gilbert 1141 in seine Vaterstadt zum Leiter der Domschuleberufen und ihm 1142 das Bistum der Stadt übertragen worden war, spracher gelegentlich einer Diözesansynode 1147 vor seinem Klerus in einer Predigtauch über den Trinitätsglauben. Jedenfalls waren seine Worte durch diephilosophische Auslegung beeinflußt, die er zu den christlichen Schriftendes Boethius verfaßte hatte. Sie erregten bei zweien seiner ArchidiakoneMißfallen, nämlich bei den Kanonikern Arnald mit dem Beinamen Non-ridens und bei Calo, dem späteren Bischof von Poitiers, und beide ludenihn daher nach Rom vor, damit er sich beim Papste wegen häretischer Lehrenreinige. Doch Eugen III. traf sie in Siena und ließ sie wissen, daß er dieSache in Frankreich selbst, wohin er eben reise, vornehmen wolle. Sie kehr-ten zurück und wandten sich nun an Abt Bernhard von Clairvaux, dasorthodoxe Gewissen der Zeit. Gilbert wurde zuerst 1147 in Auxerre unddann auf einer Synode, der der Papst präsidierte, vernommen, 4 doch EugenIII. scheint den Verhandlungen kein großes Interesse entgegengebracht zuhaben und jedenfalls konnten die sechs Vorwürfe, 5 die man dem Gilbert ausseinen Schriften heraus machte, nicht genügend erhärtet werden, um zuseiner Verurteilung zu führen, besonders da das Hauptwerk, der Kommentarzu Boethius, nicht zur Stelle war. So wurde die Verhandlung auf das für1148 nach Reims berufene Konzil vertagt. Dieses fand gleichfalls unter Vor-

1 Dies Jahr ist den früheren Ansätzen 3 Vgl. Berthaud a. a. O. p. 64 und n.2(1070 oder 1076) vorzuziehen nach den und p. 68.

Worten bei Johannes Saresb. Hist. pont. 4 Als Ankläger fungierten hauptsächlich

8 (MG. SS. 20, 522, 26) circiter 60 annos Adam de Parvo ponte, Kanoniker in Paris,

expenderat in legendo et tritura litterarum; und der königliche Kanzler Hugo de Campo

s. die Berechnung von Hof meist er, Neues florido, vgl. Ottonis Gesta Frid. 1,53

Archiv 37, 641 f. p. 75.

2 A. Berthaud, Gilbert de la Porree 5 Ottonis Gesta Frid. 1,52 p. 74f. Ber-(Poitiers 1894) p. 60. thaud a.a.O. p. 273f.