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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
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206
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206 Zweiter Abschnitt. Die Artes

fen. Das Buch schließt mit einer Beantwortung der Frage,woher das Lebenbei den lebendigen Geschöpfen stamme, es geht im allgemeinen auf eineDarstellung der Schönheit und der Nützlichkeit der sichtbaren Welt aus.Dabei verfährt Bernhard aber frei und ungezwungen und seine Darstellungliest sich meist recht gut, sie nähert sich in ihrer Auffassung der eines Cl.Marius Victor. Das zweite Buch besitzt ein viel ernsteres Gepräge. Hierspricht Noys zur Natur und rühmt sich der Schönheit seiner Schöpfung, undum diese zu vollenden, verspricht er ihr den Menschen zu schaffen. Er heißtsie daher die Urania, die Königin der Gestirne, und diePhysis, die alles kennt,eindringlich zu fragen. Die Natur kommt dem Befehle nach und suchtUrania in den Himmelskreisen auf, sie findet sie endlich im Gebiet der Ge-stirne. Als Urania den Zweck ihrer Ankunft erfahren hat, verspricht sieder Natur Begleitung und Hilfe. So machen sich beide auf, durcheilen dieKreise der Planeten und finden auf blühender Erde mitten unter duftigenKräutern die Physis und deren Töchter Theorika und Praktika. Sie enthüllennun ihr Vorhaben und als Noys plötzlich hinzukommt und sein Wollenoffenbart hat, fordert er sie auf, an die Schöpfung des Menschen zu gehen.Und Physis formt den Menschen aus den Resten der vier Elemente, indemsie ihn gliedweise vom Kopf bis zu den Füßen vollendet. Um dieses Ge-rippe der Erzählung wuchert nun aber die Allegorie sowohl wie der Mythusin reichlichem Maße und läßt, obwohl Biblisches nicht unerwähnt bleibt, 1nur selten einen Gedanken daran aufkommen, daß der Verfasser Christund doch wohl auch Kleriker war. Aber eine besondere Freude empfindetder Verfasser an der Naturschilderung: die Natur ersteht geradezu vor denAugen des Lesers, wobei allerdings Anlehnung an Vergil, Ovid und Isidor,vielleicht auch an Servius, nicht ausbleibt. 2

Sein Standpunkt ist nun gänzlich der Neuplatonismus: Von Gott istdie Materie geschaffen, geformt wird sie durch die Weltseele, welche derAusfluß der göttlichen Vernunft ist. Diese aber ist der Logos Gottes desVaters, und in ihr sind die Ideen, die unveränderlich beharren als ewige Be-griffe der Gattungen und Arten und Individuen. Hieraus ging durch eineEmanation als Endelechia die Seele hervor, die die Natur gestaltete. DerNoys ist dem Logos und die Endelechia oder Weltseele dem hl. Geiste gleich.Und mit dieser Konstruktion der Trinität nähert sich Bernhard wieder demChristentum.

Zeugnisse. Zu Eugen III. vgl. 1,3 p.16, 55 Munificens deitas Eugenum comnwiatorbi. Daß Bernhard in Tours schrieb, ergibt sich aus der mehrfachen Erwähnung derStadt, nämlich 1.3 p.22 Vs.261 Emicuit Ligeris,ubi Martinopolis... iacet und p. 25 Vs. 351Turonia vastem ... Gallicus orbis habet, wo mit Aenderung von vastem zu vatem die Persondes Dichters sich ergibt. Mattheus von Vendome (bei Wattenbach, Münchner SB.1872S. 582 Vs. 69) versetzt ihn, seinen Lehrer in der Dichtkunst, nach dieser Stadt Me doeuitdietare decus Turonense magistri Silvestris, studii gemma, Scolaris honor, und nennt auchbei einer Anführung das Werk den liber cosmographiae Turonensis. Widmung p.5 [Bern-ardus Silvestris Terrico salutem]. 3 Terrico veris scientiarum titulis doctori famosissimoBernardus Silvestris* Aliquamdiu, fateor, sensu mecum secretiore quaesivi, utrum opus-

1 So werden unter den Bergen im 1. Bu- (AP. 411) benutzt, desgleichen 1, 3 p. 25

che p. 20 Vs. 181 Libanus und Sina er- Vs. 332 limpha fugax Carm. 2, 3, 12.

wähnt, unter den Gewässern p. 22, 243— 3 Ob in den Handschriften?

246 Siloe und lordanis. 4 Ergeben die hauptsächlichen Hand-

3 Zu 2,4 p. 39 Vs. 13 ist auch Horaz Schriften die gleiche Form, so muß Silvestris