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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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A. Schriftsteller des Triviums 205

13. BERNARDUS SILVESTRIS

Vom Leben dieses Mannes, der nach der Richtung seines Geistes der SchulevonChartres anzugehören scheint, ist sehr wenig bekannt, da es sich heraus-gestellt hat, daß er nicht mit Bernhard von Chartres identisch ist, 1 denn sonsthätte er in der Widmung seiner Schrift De mundi universitate nicht inamicas, sondern in fraternas aures schreiben müssen. 2 Sicher ist, daß er diesWerk zur Zeit des Papstes Eugen III. schrieb, also zwischen 1145 und 1153,da er ihn als Herrn der Christenheit hier erwähnt. 3 Er befand sich damalsin Tours und widmete sein Werk dem gleichgesinnten Theodorich vonChartres, mit dem ihn wohl enge Freundschaft verband. Dies Werk stehtin der philosophischen Literatur der Zeit einzig da, es beruht fast ganz aufdem Timaeus des Chalcidius.

a) De mundi universitate. In der Widmung an Theodorich erbitteter sich in ihm einen wohlwollenden Richter und stellt es ihm anheim, obsein Buch veröffentlicht werden dürfe oder nicht. Denn allerdings seinInhalt konnte als ketzerisch gelten. Aber gerade in jener Zeit hatte man inder französischen Kirche ein weites Gewissen, und ein unbedingter AnhängerPiatos hatte auf große Naohsiohl zu hoffen. Und das war Bernard voll-ständig, so daß das Wort deus, wo es vorkommt, eher mit Gottheit als mitGott zu übersetzen ist. Die Einkleidung des Werkes ist nach Martian undBoethius in Prosa und Poesie gehalten, die Behandlungsweise ist allego-risch-mythisch. Bernhard gibt hier ein System der Naturphilosophie, wobeichristliche Dinge fast ausgeschaltet sind, und teilt seine Schrift in zwei Bü-cher, den Megakosmos und den Mikrokosmos.

Im ersten Buch wendet sich die Natur an den Noys (voüc) 4 mit der Bitte,die ungeordnete Natur zu formen. 6 Noys gewährt ihr die Bitte, scheidet dievier Elemente voneinander, nimmt die neun Ordnungen Engel im Himmelauf, heftet die Sterne ans Firmament, 6 läßt die sieben Planeten sich be-wegen und stellt die vier Hauptwinde einander gegenüber. Dann schaffter die Tiere und stellt die Erde in die Mitte der Welt und gliedert sie durchGebirge. Hierauf entstehen vor den Augen des Lesers die hauptsächlichenTiere, und die großen Flüsse beginnen ihren Lauf, wo besonders Seine undLoire hervorgehoben werden. Die Bäume wachsen empor und an ihnen dieFrüchte 7 und die kostbaren Spezereien des Südens; diese geben Veranlas-sung zu einer kurzen Schilderung des Paradieses, und in einer weiteren Ab-schweifung ergeht sich Bernhard über Haine, Quellen und Hügel, die durch dieDichtung und Philosophie berühmt geworden waren, wobei wieder fran-zösische Gegenden erwähnt werden. Es folgt die Entstehung der Gemüse,der Getreidearten und der medizinisch wichtigen Pflanzen, deren Anwendungmeist hinzugesetzt wird ; 8 endlich werden Fische und Vögel ins Leben geru-

1 Vgl. Sandys, Hermathena 12, 434f. stammt aequidialis aus Chalcid. comm.

2 Bernardi Silv. de mundi universitate in Tim. 55 oder aus einer Glosse (Goetz,ed. Barach et Wrobel p. 6, 4. Corp. gloss. lat. 6,34), 17, 87 herbipotens

3 Daselbst p. 16 Vs. 55. aus Boeth. cons. phil. 4, 3, 9; 19, 150 Pro-

4 p. 5,19 erklärt als dei Providentia und digiale rubens aus Claud.rapt. Pros. 1, 232.2 p. 9, 6 als dei ratio profundius exquisita. 7 p. 23, 289 medizinisch Cognita vissorbae

Kap. 1 p. 5 ff. ventrem retinere fluentem.

6 Der Abschnitt (p. 17, 73—19,132) ist 8 p. 27 Vs. 411 ist iuseyamo zu schreibenvielleicht aus Hygin genommen; p. 17, 72 (Bilsenkraut).