184 Zweiter Abschnitt. Die Artes
4. LAMBERTUS PULTARIENSIS
Lambert, Mönch von Pouthieres, war von einem Abt Alberich 1 um Aus-kunft über verschiedene grammatische Fragen gebeten worden, und erkommt dieser Bitte in einem Briefe nach, der berichtet, daß der Schreiberein zahnloser Greis sei. Er sei aber bereit, ihm aus dem, was er früher ge-lernt, und aus seiner Erfahrung einiges mitzuteilen. Er geht hierbei von derBetonung von usque modo aus und tadelt, daß man usque modo spreche.Dann kommt er auf andere Zusammensetzungen von modo zu sprechen undan der Hand Priscians geht er zur Aussprache einer Menge von Adverbienüber, die mit de, a, quando und ubi zusammengesetzt sind, ferner zu denKompositis von diu, magis und minus. Nachdem er über deren Betonunggesprochen, kommt er zur Betonung einiger griechischer Worte, deren Ur-form er aber falsch gibt, wodurch er bezeugt, daß er kein Griechisch kann.Dann handelt er kurz über die mit dis- zusammengesetzten Verben 2 undüber die Schreibweise von Sichern, cassia und pellecanus (nach Isidor, Et. 15,1, 21. 17, 8, 12. 12, 7, 26).
Zeugnisse. Aufschrift des Briefes (Mabillon, Annales ord. s. Benedicti 2, 744)Domno abbati Alberico et fratribus qui secum sunt jraler Lambertus s. Petri Pultariensis.Aufforderung Quod ad me misistis ut praeter spem vestram a rudi erudiremini . . . videreturquasi ironia fuisse . . . Nam misistis ut vulgo dicitur ovem ad capram mutuare lanam, utego . , . iam delirus senex . . . utpote edentulus ipsam docerem Minervam. Sed tarnen...ex his quae a magistris didici. . . vel ex longo usu retinui, quaedam . . . subnotare studui.Schluß Valete et nobis . . . orationis et consilii vestri manu subvenite. Ueberlieferung imParis. 14193 s.XII f.l07b—108b. Ausgabe bei Mabillon, Annales ord. s. Benedicti 2,744. Migne 106, 397 f. Vgl. Hist. litt. 10,251 (252). Haureau, Not. et extr. de quelq.mscr. 2, 360f.
5. PETRUS HELIE
Der Ruhm Priscians als des ausführlichsten und bedeutendsten Gram-matikers des Altertums überhaupt ist im Mittelalter ungeschwächt geblie-ben, obwohl es an Versuchen nicht gefehlt hat, ihn zu verdrängen. Derennachhaltigster ist von einem französischen Grammatiker ausgegangen.Petrus Hebe •—- von der Entstehung dieses Beinamens wie von Heimatund Jugend des Mannes ist nichts bekannt —■ lehrte gegen Ende der erstenHälfte des 12. Jahrhunderts in Paris die Grammatik. Sein Unterricht mußgesucht gewesen sein, denn Johann von Salisbury bezeugt, 3 daß er dieRhetorik Giceros bei ihm gründlich gehört habe, und Bischof Arnulf vonLisieux schreibt an ihn wegen eines Neffen: dieser solle seinem Unterrichtjetzt entzogen werden und nach Hause zurückkehren, damit er wegen seinesLeichtsinns gebührend gestraft werde, um dann wieder als Schüler bei ihmeinzutreten. Besondere Bedeutung aber erlangte Petrus durch seinen Aus-zug aus Priscian, in den er eine ganze Menge neuzeitlicher Dinge aus demGesamtgebiet der Grammatik hineingearbeitet hat und auch sonst Zutaten,und zwar aus antiken Quellen, machte. Und nur dieses Werk ist sicher vonihm bezeugt. Nämlich die Folgezeit hat nicht nur schon bald Interpolationen
1 In der Hist. litt. 10,251 (252) wird ver- geborgt, die nicht leicht wieder zu erlangen
mutet, daß es Abt Alberich von Citeaux waren, vgl. Johannis Saresb, op. ed. Giles
gewesen ist. 1,264 Ep. 168 magistri Galteri clerici domini
* Und zwar über den Wegfall des s von Remensis pro recuperandis libris, quos idem
dis. Walterus magistro Petro Heliae commen-
3 Walter von Chatillon hatte ihm Bücher daverat.