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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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A. Schriftsteller des Triviums 177

Hinsicht auf die Moral die Philosophie öfters sich nicht vom katholischenSinne unterscheide wie z. B. in der Darstellung der Tugenden; 1 freilichhabe sie sich bezüglich des menschlichen Körpers stark geirrt, da sie An-sichten aufstellte, die mit der Lehre der Auferstehung scharf in Widerspruch

treten.

Um 1086 ist dann Manegold, um Verfolgungen zu entgehen, die den schar-fen Verteidiger pästlicher Autorität treffen mußten, aus dem Elsaß nachBayern gewandert; er fand im Kloster Raitenbuch Aufnahme und wurdeDekan, wie wir durch den späteren Chorherrn Gerhoh wissen, der in seinermilderen Auffassung Manegolds Schrift gegen Wenrich als zu heftig verur-teilte und sogar mitteilt, daß sie vom Papst Gregor selbst nicht gebilligtworden sein soll. 2 Doch kehrte Manegold später in das Elsaß zurück und tratin das eben in der Gründung begriffene Kloster Marbach ein. Er wurde hierChorherr und schließlich Propst. Die ausgebreitete Wirksamkeit, die er aberim Sinne der Reformklöster entfaltete und die sich besonders in der ihm vonUrban II. übertragenen Befugnis, Exkommunizierte zu absolvieren, kund-gab, brachte ihm den Haß der kaiserlichen Partei ein, und nachdem er 1096auf der Synode von Tours von Urban II. ein Privileg über die freie Propst-wahl für Marbach erhalten hatte, wurde er zwei Jahre später von den Kaiser-lichen gefangen genommen und längere Zeit in Haft gehalten, worüber dieKirche im Elsaß weit und breit, wie Bernold erzählt, 3 in Trauer geriet.Jedenfalls kehrte er dann nach Marbach zurück und war 1103 noch amLeben, aber er ist bald darauf gestorben, da er in einem zwischen 1109 und1112 von einem Deutschen aus Paris gerichteten Briefe als tot angeführt wird.

Außer den schon besprochenen Schriften hat Manegold noch eine ganzeReihe anderer Werke verfaßt, die aber fast alle verloren oder noch nichtwiedererkannt zu sein scheinen. Der Anon. Mellicensis 105 (p. 91 Ettl.)kennt deren drei, nämlich Randglossen zu Jesaia, fortlaufende Glossen zuMatthäus und einen Kommentar zu den Psalmen. Von den zwei erstenWerken läßt sich keine Spur mehr auffinden, die Überlieferung des laut G.Morin noch erhaltenen Psalmenkommentars hingegen weist nach Frankreich,wo er s. XII in Limoges vorhanden war, 4 was vielleicht mit der von Mont-faucon in St. Allion zu Clermont genannten Handschrift 5 zusammenhängt.Aber er scheint auch eine Erklärung zu den paulinischen Briefen verfaßt zuhaben, die im Katalog zu Cremona von 1201 erwähnt wird als Expositioepistolarum secundum Manegaldum. 6 Es ist nicht mehr zu bestimmen, inwelche Lebenszeiten Manegolds diese Werke gehören, doch ist es möglich,daß sie in die Zeit seines Mönchstumes fallen. In eine frühere Periode abersind vielleicht Schriften zu setzen, die mit seiner Lehrtätigkeit in Zusammen-hang stehen mögen. Nämlich Manegold wird in dem großen grammatischen

1 Deren Einteilung nach Macr. Somn. seiner Chronik (1094.1099) von ihm zu be-

Scip. 1,8,5 erfolgt (quas politicas, purga- richten.

tonas et purgatas appellant). 4 Vgl. Neues Archiv 32, 692 Manegoldus

Vgl. Gerhohi quid distet etc. Libelli 3, super omnes psalmos.

3 2 n 7 rT 233 ' 5 Bibliothecabibl.2,1264MonigaldiTheu-

Daß er mit Bernold in Verkehr stand, tonicorum doctoris glossarium super psal-

ergibt dessen Bemerkung in Libellus XV mos secundum Augustinum cui praemitti-

(Libelh de lite 2,160,11 f.). wo es sich um tur prologus valde prolixus.

ein Buch handelt. Auch weiß Bernold in 6 Neues Archiv 32,692.

; H.d. A. 1X2, 3 12