B. Theoretische und praktische Theologie. Philosophie 77
kam und daher sind Alexander IL, Leo IX. und Gregor VII. seine wich-tigsten Gewährsmänner. 1 Zur Darstellung seihst ist zu bemerken, daß dasGespräch wie in den meisten mittelalterlichen Dialogen sehr einseitig ge-führt wird, denn Theophilus unterbricht Desiders Erzählung nur selten;gewöhnlich gibt er seine Zustimmung zu dem Berichte und zwar mit weni-gen und unbedeutenden Worten. Desider selbst flicht zwischen den Wun-dern mehrfach moralische Betrachtungen ein oder er bespricht erläuternddie Zeitverhältnisse; 2 namentlich läßt er sich eingehend im Prolog zumdritten Buche über Simonie und Priesterehe sowie über die Zerrüttungdes Papsttums durch die Simonie 2 aus. Aber auch sonst finden sich mehr-fach eingehende Berührungen mit der Zeitgeschichte. Ganz selten wird aufschriftliche Quellen aufmerksam gemacht, wie auf eine Predigt des BischofsPetrus (Damiani) von Ostia (2, 12) und 2, 20 auf ein altes Blatt, auf dem Desi-der die Vision eines Mönches in schlechtem Stil aufgeschrieben fand. Wennsich nun das Werk Dialoge über die Wunder des hl. Benedikt nennt, so istdas doch nur insofern richtig, als besonders im zweiten Teile überhauptvon Wundern die Rede ist, die sich in Klöstern zugetragen hatten. Frei-lich bricht die Überlieferung anscheinend mitten im dritten Buche ab unddas vierte ist ganz verloren. Die Darstellungsweise ist meist breit und be-haglich und der Verfasser hält sich gern länger bei seinen Gewährsmännern auf.Viele der Einzelerzählungen tragen ein novellistisches Gepräge, allerdingsist manches, was erzählt wird, töricht genug und unglaublich 4 und findetnur dadurch eine gewisse Entschuldigung, daß das ganze Werk der Erbau-ung dienen soll. Die Sprache ist gewandt, wenn auch nur auf schlichteNaturen berechnet, hält sich von aller Überladung durchaus frei und hatzuweilen Anklänge an die alte Poesie. 5
Die mächtige Stellung, die Desider als Abt und als Kardinal der Kircheeinnahm, zeigte sich besonders, als Hildebrand zum Papst erhoben wurde,und trat nach Gregors VII. Tode noch mehr hervor. Denn nachdem er sichanfänglich geweigert hatte, die päpstliche Würde anzunehmen, ließ er sich1087 endlich dazu bewegen und hat dann als Viktor III. das Papsttum inne-gehabt, freilich nur kurze Zeit, denn schon am 16. September 1087 ist ergestorben. Als Papst aber hat er nach dem Chronisten Petrus mehrereBriefe an Philipp von Frankreich und an Hugo von Cluni verfaßt. Außer-dem schreiben ihm Petrus und Amatus von Monte Cassino einen Gesangauf den hl. Maurus zu, in dem zugleich Grammatik wie Musik besonders ge-rühmt wird. Ein Epitaph auf den Abt Apollinaris von Monte Cassino, dasdem Desider beigelegt wird und aus achtzehn Versen besteht, ist inhaltlichnur eine kurze Wiederholung der von Desider in den Dialogen über diesenAbt erzählten Wunder.
1 Alexander II. vgl. 1, 5, Leo IX. vgl. etwa nach Plautus Epid. 525?
3 Prol., Gregor VII. vgl. 3, 1. 2. 5. 6 Wie 1,2 dantesque carbasa ventis recto
1, 6. 1, 13. 2, 5. 3 Prol. cursu sulcantes aequora; 1,13 p. 435 sol. . .
3 Ueber diese handelt er auch 3, 5. umbram atram . . . induceret terris. 3 Prol.
4 Wie z. B. 2, 13 die Geschichte von der p. 451 horresco referre (Verg. Aen. 2, 204).Axt (Mabillon, Acta SS. 4, 2 p. 443), 3 Prol. divina humanaque omnia misceren-wo es heißt malleus de manubrio eecidil, tur klingt an Sali. Cat. 12, 2 an.