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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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76 Erster Abschnitt. Die Theologie und Philosophie

während seiner langen Abtszeit hat er die Büchersammlung um mehr alssiebzig Bände vergrößert, welche der Geschichtschreiber des Klosters,Petrus, sorgsam aufzählt. Neben theologischen Werken sind es besondersgeschichtliche Schriften, die er abschreiben ließ, aber auch eine ganzeMenge alte Autoren, darunter namentlich Gorippus, sind in der Vermeh-rung enthalten. Da auf solche Weise vortreffliche Hilfsmittel vorbereitetwaren, so konnte sich in Monte Cassino die Betätigung mit den Wissen-schaften neu entfalten, wozu auch die Nähe Salernos wesentlich beitrug.So lebte zu Desiders Zeit im Kloster der Afrikaner Constantin, der einegroße Anzahl von medizinischen Schriften aus dem Griechischen ins Latei-nische übertrug. Ein andrer Mönch, Amatus, verfaßte eine ausführlicheGeschichte der Normannen, mit denen das Kloster seit Jahrzehnten in engeBerührung getreten war. Besonders wichtig aber ist die breit angelegteKlosterchronik, die uns über alle die berührten Verhältnisse genau unter-richtet, begonnen von Leo von Ostia, fortgesetzt von Petrus.

Aber auch Desider selbst ist literarisch tätig gewesen, obwohl er erst spätzu einer höheren Ausbildung gelangt zu sein scheint; Amatus erzählt näm-lich von ihm, daß er erst mit vierzig Jahren die Grammatik und Rhetorikerlernt habe. Auch ist seine Schriftstellerei an das Kloster insofern gebun-den, als er ein Werk von vier Büchern über die Wunder des hl. Benediktverfaßte.

Miracula s. Benedicti. Die Brüder,und zwar besondersTheophilus,hatten ihn aufgefordert, ein solches Werk abzufassen, und er war demWunsche nachgekommen. Er erwähnt im Prolog, daß er die Wunder, diesich im Kloster zu seiner Zeit ereigneten oder die er von älteren Brüdernerfahren hatte, aufzeichne, aber nicht alle, da manche vergessen seien,und weil ihm die Leitung des Klosters das nicht gestatte. So wolle er einigedarstellen und zwar zur Erbauung der Hörer. Da fällt ihm Theophilusdenn das Werk ist dialogisch abgefaßt in die Rede: Er wolle nicht nurdas hören, was sich in Monte Cassino zutrug, sondern auch die Wunderan andern Orten in der Jetztzeit. Desider antwortet, er wolle ihm folgen,und die beiden ersten Bücher sollten daher die Wunder im Kloster, diebeiden letzten die von andern Orten enthalten. Nun fragt Theophilus, war-um Paulus römischer Bürger heiße, da er doch ein Jude gewesen sei.Seiner Aufklärung hierüber fügt Desider hinzu vel etiam propterea, quiaRomanus excelsus interpretatur. 1 Er beginnt dann die eigentlichen Wunder-erzählungen mit der Zeit des Abtes Apollinaris (seit 817) und rückt allmäh-lich seiner eignen Zeit näher. Dabei verfährt er insofern mit einer gewissenGenauigkeit, als er, wie er schon im Prolog versprochen hat, bei jeder Er-zählung angibt, von wem er den Bericht erhalten habe. Manches hat er übri-gens selbst gesehen und er erzählt öfters von sich selbst. 2 Mehrfach nennter die Namen der Personen nicht, 3 von denen er Bericht erhielt, sonst sindes meist Äbte oder Mönche, auf die er sich bezieht. Bei der hohen Stellung,die er einnahm, war es natürlich, daß er mit dem Papst öfters in Berührung

1 Diese Erklärung steht nicht bei Isidor. 3 So 1, 4. 2, 5. 18.

2 So 2,1. 2, 24. 25. 3 Prol. 3, 6. 3, 9. 12.