B. Theoretische und praktische Theologie. Philosophie 71
laus' II. errang den Sieg, so daß Cadalus schließlich in Rom dem Banne
verfiel.
Im Jahre 1063 unternahm Petrus im Auftrag des Papstes eine Reise nachCluni, um den Abt Hugo gegen die Übergriffe des Bischofs Drogo vonMacon zu schützen, was ihm auch völlig gelang; darüber hat sich der Be-richt eines Mitreisenden erhalten. Schwere Zeiten aber kamen für Petrus,als die Reichspolitik mit der Kurie in Zwist geriet. An der Synode von Man-tua 1064 hat er nicht teilgenommen, aber er richtete schließlich eine Mah-nung an Heinrich IV., 1 nach Italien zu kommen und Cadalus zu vernichten,was der Kurie natürlich nicht gelegen kam. Der Widerstreit zwischen Kir-chenfürst und Eremit kam dann bei ihm so zum Austrag, daß er 1067 dieEntbindung von seinen bischöflichen Pflichten durchsetzte und in einerkleinen Schrift 2 Abschied von den Kardinälen nahm, in der er sie bezeich-nenderweise vor Geldgier und Habsucht warnt. Im Jahre 1069 erschien erin Deutschland auf der Frankfurter Synode, wo er Heinrich IV. von seinemVorhaben abbrachte, sich von seiner Gemahlin Bertha scheiden zu lassen,und kurz vor seinem Ende söhnte er noch seine Vaterstadt Ravenna, derenErzbischof Heinrich sich an Cadalus angeschlossen hatte und im Januar1072 starb, mit der Kurie wieder aus. Auf dem Rückweg von Ravenna be-griffen starb er im Februar 1072 in Faenza.
Petrus Damiani ist einer der überzeugtesten Asketen gewesen, der vor dieWelt hintrat, um das schlummernde Gewissen der Zeit zu wecken und na-mentlich der hohen Geistlichkeit einen klaren Spiegel vorzuhalten. Er, derbegeistertste Eremit, ist besonders seit seiner Erhebung zum Kardinal-bischof unausgesetzt in kirchenpolitischer Tätigkeit für die Läuterung derKirche und der Menschen überhaupt. Auf seinen Gesandtschaftsreisen inItalien, Frankreich und Deutschland verkündete er in Reden und Anspra-chen, was ihn innerlich bewegte, und in zahlreichen Schriften offenbarte erseine Gedanken. Bezüglich der Enthaltsamkeit der Priester war er der be-deutendste Streiter des 11. Jahrhunderts und er hat der Gesetzgebung derKurie in Hinsicht auf das Zölibat den Weg geebnet. Ebenso war er einHauptkämpfer im Streite gegen die Simonie, während er die Laieninvestiturzwar mißbilligte, aber nicht grundsätzlich ablehnte, denn er vertritt nochganz den Gedankenkreis Heinrichs III. Und so war es ein Glück für ihn,daß er das Papsttum Hildebrands nicht mehr erlebte, das ihn in die heftig-sten Konflikte mit sich selbst hätte bringen müssen. Jedenfalls aber hat ersich um die religiöse und sittliche Hebung des Mönchtums wie des Welt-klerus in Italien sehr große Verdienste erworben.
Zeugnisse. Wichtig für das Leben des Petrus ist sein von Johannes von Lodi um1076 verfaßtes Leben; Johann wurde 1099 Prior von Fönte Avellana und 1105 Bischofvon Gubbio, als solcher starb erll06. Die Vita Petrus DamianibeiMigne 144,113—146.Ein kurzes metrisches Leben des Petrus aus Vat. Ottob. 339 herausgegeben von Gau-denzi, Studi medievali 3, 301—312. — Zum Verlust der Eltern vgl. Vital col. 116B,zum Unterricht Vita 2 col. 117 B Quem porro licet iam grandiusculum litterarum api-cibus tradidit imbuendum nee non et studiis subinde liberalibus. 3 Zu Faenza vgl. Opusc.•51,13 (Migne 145, 762C), zu Parma Opusc. 42, 7 col.672D. Lehrer in Ravenna Vita 2
1 Epist. 7, 3 (Migne 144, 437 ff.). 3 Petrus erwähnt seinen Lehrer Ivo
2 Opusc.31(Mignel45,529ff.),vgl.531A Opusc. 45, 6 (Migne 145, 699C) magistri■Sed ecce cum militari cingulo solutus. mei scilicet Ivonis socius fuit.