66 Erster Abschnitt. Die Theologie und Philosophie
ziehen, wie 1, 20 p. 330; 27 p. 335; 69 p. 389, 15 ff. und die Zeitgenossen
haben nicht geringen Anteil daran genommen, wie die Annal. Reichers-
bergenses zum Todesjahr Gerhohs (1167) eine Menge seiner geschichtlichen
Nachrichten aus dem Antichrist bringen.
Jedenfalls war Gerhoh nicht immer vorsichtig genug in der Auswahl seiner Quellen,denn über Heinrich IV. weiß er dieselben abscheulichen Nachreden zu erzählen, wiesie bei Bruno de bello Sax. 6, bei Helmold im Chron. Slav. 1, 28 und in den Annalenvon Disibodenberg zu 1093 stehen. Man kann auch nicht sagen, daß er etwa sehr vielQuellen benutzt hat. Natürlich findet sich das Werk Adsos, Libellus de Antichristo,verwertet (1, 1—4 p. 309 f. 312), von Zeitgenossen Bernhards von Clairvaux Werk Deconsideratione 1, 49 p. 357 f.; 1, 66 p. 381, 28 ff., von früherer Literatur die Altercatiointer Urbanum et dementem 1—4 (Libelli 2, 170) in 1, 21 p. 331, 33 ff., Briefe Gre-gors VII. (1,19 p. 326, 33) und Alexanders III. (1, 53 p. 360, 30. 33) und vielleicht Bo-nitho 1, 69 p. 389, 13 ff.; 1 die alte Literatur ist nur wenig zu erkennen, wie Josephus,dessen Bell. Judaicum 1, 4 p. 313, 19 ff. und dessen Antiquitates 1, 43 p. 349, 41 ff,und 44 p. 351, 17 ff. benutzt werden. Interessant ist dagegen eine Anspielung auf geist-liche Spiele über den Antichrist und Herodes 1, 5 p. 315, 34 si et isti nunc Antichristumvel Herodem in suis ludis simulantes. Ob damit der berühmte Ludus de Antichristo 2gemeint ist, ist allerdings nach v. Zezschwitz (Vom röm. Kaisertum deutscher Na-tion etc., Leipzig 1877, S. 109 f. 129) fraglich, obwohl die Zeit stimmen könnte. Binkleines Bild aus der Schule seiner Zeit, und zwar wohl aus Reichersberg, gibt Gerhoh1, 68 p. 387, 23 ff.
Das zweite und dritte Buch beschäftigt sich mit einer Menge rein theo-logischer Fragen, die meist durch Zurückgehen auf Bibelstellen, viel wenigerdurch die Autorität der Väter gelöst werden. Bemerkenswert ist die Be-nutzung des Hilarius, aus dessen De trinitate IX (ed. Basil.1550 p .179—188)in2,43f. p.284—290(ed. Scheibelberger, GerhohiReich.op.hactenusin-edita, Linz 1875) und aus dessen Matthäuskommentar XIV eine Stelle 2, 49p. 298 angeführt wird. Sonst wird ein Irrtum des Ambrosius Autpertus imKommentar zu den Briefen Pauli 2, 34 p. 262 zurechtgewiesen. Der letzteTeil des zweiten Buches führt den Titel Tractatus contra Graecorum erroremnegantium spiritum sanctum a filio procedere und ist im Dialog zwischeneinem Latinusund einem Graecus abgefaßt. Der Beginn des nur zum kleinenTeil erhaltenen dritten Buches ist eine Recapitulatio der beiden vorher-gehenden.
Ueberlieferung im Reichersberg.VI II f. 116 s. XII. Ausgabe von R. Scheibel-berger, Linz 1875; des ersten Buches von B. Sackur, Libelli de lite 3, 305—395.Auszüge von J. Stülz, Archiv d.Wiener Akad. 20, 127. Vgl.Wattenbach 2, 311 f.
g) Commentarius in psalmos. Dies äußerst umfängliche Werk, vondem Magnus von Reichersberg acht Bände sah, ist natürlich schon in frühe-rer Zeit begonnen, aber erst nahe vor dem Tode Gerhohs vollendet worden. 3Die wichtigste Erklärung ist die zum 64. Psalm, da sie eine ausführlicheund eindringlich verfaßte Darstellung des verderbten Zustands der Kircheaufweist. Auch hier sind nicht selten Briefe und Schreiben der zeitgenössi-schen Päpste aufgenommen, wie in N. 24 von Coelestin und Lucius, inN. 64 p. 425, 25 von Innocenz II. an Konrad I. von Salzburg, p. 474 ff.Stellen aus einem Briefe Urbans II. und aus einem Traktat Paschalis IL,in N. 25 die Epistola Widonis ad Heribertum (Libelli 1, 5, 2—7, 5). Aus
1 Ein Kapitular Ludwigs des Frommen dazu Wright, Early mysteries and otherund ein Vertrag dieses Kaisers mit Pascha- poems (London 1838) p. 23—28).
lis I. werden benutzt 1,70 p. 389, 40 ff. 3 Zur Chronologie der Entstehung vgl.und 1,71 p. 390, 5 ff. Sackur, Libelli 3,412.
2 Vgl.W. Meyer, Münch. SB. 1882 S. 15,