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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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58 Erster Abschnitt, Die Theologie und Philosophie

I. Offendiculum. Anselm von Canterbury hatte ein kleines Werk ge-schrieben De presbyteris concubinariis seu offendiculum sacerdotum; esbehandelt dasselbe Thema, über das Honorius auf breiterer Grundlage sichausließ. Dieser beginnt mit einem Briefe von Brüdern, die ihn bitten, sichüber die Frage zu äußern (Lib. 3, 38, 22), si liceat presbyteris post acceptumordinem uxorem ducere vel si prosit aut liceat christianis eorum missas audirevel alia sacramenta ab eis percipere, wenn das Apostelwort 1. Kor. 7, 2 gül-tig sei. Die Eingangsworte ,Crebro cogimurad ostium tuae sapientiae pulsare %lassen auf den Wiederholungsfall schließen. Der neue Bund, meint Hono-rius, verlange die Enthaltsamkeit der Priester, die im alten Bunde vonihnen wenigstens zur Zeit des Opfers gefordert wurde. Und zwar werdesie verlangt durch das Wort und Beispiel Christi und durch die Sitte derUrkirche; der Papst wende sich daher jetzt gegen die eingerissenen Miß-bräuche. So ist die Ehe den Priestern untersagt und der unenthaltsamePriester steht außerhalb der Kirche. Seine Messe zu hören nützt nichts,und es ist nicht erlaubt, von ihm Sakramente zu empfangen, denn er kannnicht die Messe vollbringen und besitzt nicht die Kraft, Sakramente zuwirken. So vertritt Honorius also einen durchaus scharfen Standpunkt. ImAnschluß an das Offendiculum handelt er in einem Schriftchen von 23 meistsehr kleinen Kapiteln De apostatis (II) über solche, die ihrem geistlichenBeruf untreu geworden sind. Auch hier geht ein Brief mit einer Aufforde-rung voraus (Lib. 3, 57, 21) Poscimus te insinuare qualiter in Christo ma-nentes se ab huiuscemodi debeant observare. Die Antwort erfolgt c. 23 (p. 63,2)Igitur transfugae ad reversionem secreto et blande admoneantur; si non obtem-peraverint, ut contagium devitentur et ab omnibus christianis ut lupi ab ovibusdei repellantur. Also der gleiche unversöhnliche Zug wie im Offendiculum.

Ueberlieferung. Beide Schriften im Leod. 142 (333) s. XIII f. 71. Daraus Ausgabevon Nolte, Revue des sciences ecclesiast., Amiens-Paris 1877, N. 209. Sonst Monac.13105 f. 105 s.XII; Leid. Univ.Bibl. Vulcan. 100 s.XII. Ed. J. Dieterich, Libelli delite 3, 3963. Ohne Kenntnis dieser Ausgabe von J. Kelle, Wiener SB. 148 II (1904)mit Verneinung der Autorschaft des Honorius; dagegen J. A. Endres, Hist. Jahrbuch26, 783; vgl. Endres, Honorius Augustodunensis (Kempten 1906) S. 33ff.

Eine weitere Schrift (III) erhielt den Titel Summa gloria, weil die Ab-handlung die höchsten Stellen der Welt zum Gegenstand habe (Lib. 3,6323) Et quia de regno et sacerdotio eius est materia sit nomen eius Summagloria. Sie ist einem Bischof geweiht, wahrscheinlich einem Regensburger,und zwar entweder Hartwich (11051126) oder Kuno I. (11261132), wohldem letzteren, und sie würde sich der Imago mundi unmittelbar anschließen,die unter den Schriften des Honorius das größte Ansehen genossen hat. DerVerfasser fängt mit dem Beginn der Welt an, setzt aber gleich als Anfang desKapitels:Wie das Geistliche über dem Weltlichen steht, so steht dasPrie-stertum über dem Königtum." Ergeht vom geistlichen und Laienstande ausund betrachtet ihre Häupter, Priester und König, durch die jüdische Ge-schichte hindurch. In der Schenkung Konstantins wurde der Primat desPapstes vom Kaisertum anerkannt, und der Primat gipfelt in dem Satze, daßder Kaiser vom Papste zu wählen sei ( I). 1 In geistlichen Dingen ist der König

1 Kap. 21 (Lib. 3, 73, 2) Imperator Ro- prineipum et acclamatione plebis in caputmanus debet ab apostolico eligi, consensu populiconstitui,apapaconsecrarietcoronari.