A. Die kirchliche Streitschriftenliteratur 31
sidiosas cavillationes eorundem scismaticorum prudenter annichilasse videtur. Set in eis-dem scriptis nimio zelo ductus alicubi modum excessisse notatur, videlicet ubi agit de sacra-mentis scismaticorum. Einen ähnlichen Tadel spricht Sigebert de scr. eccl. 165 (p. 157ed. Miraeus) aus Bernardus monachus de gente Saxonum scripsit luculento quidem sedamaro stilo ad Harduinum 1 Magdeburgensem archiepiscopum librum contra Henricumquarlum huius nominis imperatorem, cuius solius verba sufficiunt omnibus ad intelli-sendum, quam gravis et odiosus fuerit ipse imperator Saxonibus. Ueber Bernhards Leben,der wohl nicht nur aus kirchlichen, sondern auch aus nationalsächsischen Gründendem Kaiser feind war, vgl. außer Hermanni Contracti chron. ed. Ussermann 2, 186,auch M. Sdralek a. a. O. S. 17 f. 2 In der Vorrede heißt es p. 473 Astabunt tibi . . .archiepiscopus Juvavensis et episcopi. . . Halverstadensis . . . Merseburgensis . . . Verdi-nensis . . . et . . . Paderbrunnensis. Anfang: Incipit über excerptus de decretis sanctissi-morum patrum. Bernhard starb in Corvei, vg. Catalogus abbatum et nomina fratrumCorbeiensium MG. SS. 13, 277, 3 Bernhardus.
Ueberlieferung im Gottwic. 56 f. 145—180, danach Ausgabe von Sdralek, DieStreitschriften Altmanns etc. S. 85—163, und im Admont. 257 s. XII f. 98, nach beidendie Ausgabe von F. Thaner, Lib. de lite 1, 472—516. Vgl. C. Mirbt, PublizistikS. 33 ff. Hauck 3, 845 f. M. Sdralek a. a. 0. 1 ff.
14. ANSELMI LUCENSIS EPISCOPI LIBER CONTRA WIBERTUM
Anselm IL, Neffe und Nachfolger des Bischofs Anselm I. vonLucca, standursprünglich auf königlicher Seite, wurde aber bald eine der kräftigstenStützen Gregors VII. im Kampfe, so daß ihn dieser neben anderen zuseinem Nachfolger empfahl. In nahe Berührung war er mit der GroßgräfinMathilde getreten, der er eine seiner Schriften widmete und die nachseinem Tode für die Darstellung seines Lebens sorgte, welche angeblichder Priester Bardo in Lucca übernahm. Aus dieser sogenannten Vita Bar-donis 3 erfahren wir, daß er vielfach literarisch aufgetreten ist. So verfaßteer zu den Lamentationes des Jeremias eine Erklärung, kommentierte nochvor seinem Tode auf den Wunsch Mathildens den Psalter, kam aber nurbis Psal. 128, 5, richtete, als er zu Gregor übergetreten war, ein Ermah-nungsschreiben an Heinrich IV. Ebenso wandte er sich in einer kürzerenSchrift an Wibert, um ihm seine Verirrungen ans Herz zu legen und zurUmkehr aufzufordern. Alles das, wie auch Wiberts Antwort ist verloren,doch läßt sich deren Inhalt aus der zweiten gegen Wibert gerichteten Schriftungefähr erkennen, wie K. Panzer dargelegt hat. 4 Und als Antwort aufWiberts Gegenschrift schrieb nun Anselm seinen Liber contra Wibertum,den Invasor des hl. Stuhles und den Haeresiarcha, wie er in Anselms Lebenheißt. Auch dieses Werk ist eine Ermahnungsschrift und sie ist erst nachdem Tode Gregors VII., also nach dem 25. Mai 1085, und vor dem 18. März1086, an dem Anselm starb, verfaßt worden. In der ersten „Ermahung"war Anselm in Wibert gedrungen, zum Frieden der Kirche abzudanken.Von ähnlichem Inhalt, nur auf eine breitere Grundlage gestellt und mitmehr Aufwand von angeblich beweiskräftigen Stellen aus den Dekretalenund Vätern ist die zweite Schrift, die sich erhalten hat. Eigenes wird frei-lich auch hier nicht vorgebracht, die Schrift besteht fast ganz aus Anfüh-rungen, die natürlich von jener Zeit für beweiskräftig gehalten wurden,
1 Es ist wohl Harduicum zu lesen. Tengnagel, Vet. monum. adv. schisma-
2 Im Necrolog. Bernoldi (MG. SS. 5, 391, ticos (Ingolstad. 1612) p. 84.
41) heißt es Idus Mart. Bernoldus mona- * Wido von Ferrara, De scismate Hilde-
chus obiit. brandi (Leipzig 1880) S. 57 ff. und S. 11—
3 Hrsg. von R. Wilmans, MG. SS. 12, 17, außerdem S. 48ff.1—35. Migne 148, 907 ist Abdruck von