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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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30 Erster Abschnitt. Die Theologie und Philosophie

13. BERNHARDI CONSTANTIENSIS LIBER CANONÜM CONTRAHEINRICUM QUARTUM

Bernold berichtet in seiner Chronik, daß der Konstanzer Lehrer Bern-hard, der ein Sachse von Geburt war, dem Erzbischof Hartwig vonMagdeburg ein Buch gewidmet habe, in dem alle hinterlistigen Anfein-dungen, die die Kirche durch Schismatiker jetzt erfahren, zunichte gemachtseien. Bernhard hatte dem Bernold einen Brief mit ähnlichem Inhalte wiedas Buch an Hartwig geschrieben und war 1088 gestorben. Jenes Buch aberist, wie F. Thaner nachwies, 1 mit dem Liber canonum identisch, der alsonicht mit M. Sdralek 2 dem Bischof Altmann von Passau zuzulegen ist.Ursache für diese Schrift waren die Synoden von Quedlinburg und Mainz(Anfang Mai 1085) 3 und da Bernhard von Gregor VII. als von einem Le-benden spricht, so hat er sein Buch im Mai 1085 herausgegeben. Wir habenes mit einer schroffen Verteidigungsschrift für Gregor VII. zu tun, durchdie der unbeugsame Kämpfer den Hartwig fest bei der päpstlichen Parteizu erhalten suchte. So ahmt denn der Verfasser geradezu den Augustinin dessen Epist. 76 an die Donatisten nach und spricht als die Kircheselbst in ermahnendem Tone zu ihm, wie die Mutter zum Sohne: (p. 472)mater fidelium ecclesia sui adoptivo Hfartwico] archiepiscopo hie affectummaterni sinus. Wahrscheinlich schrieb Bernhard im Auftrage der gregoria-nischen Bischöfe, denn er spricht mehrmals in ihrem Namen. 4 Er zieht alleFolgerungen aus den hochgespannten Forderungen der Kurie: Mit demExkommunizierten ist nach Bestimmung des Gerichts (der Kurie) nichtzu verkehren, denn wer das tut, verfällt selbst dem Banne. Und man darfnicht mit denen verkehren, die mit einem Gebannten Verkehr haben. Mandarf das Abendmahl nicht von Priestern empfangen, die mit Gebanntenverkehren usw. Als Resultat ergibt sich: Die Könige sind abzusetzen, diegegen die Dekrete des Papstes verstoßen. Also völlige Abwendung vomdeutschen Wesen!

Bernhard gibt wenig Eigenes und hat seine Schrift fast ganz aus denDekreten und aus den Werken der Väter genommen. Er benutzt die BriefeGregors I., Landulfs Hist. miscella, in der Vorrede ein Stück aus der VitaMartini 5 des Sulpicius Severus, c. 25 p.496, 11 Stücke aus Reginos Chro-nik (ebenso c. 38 p. 507, 42; 39 p. 509, 13 ff.). 5 Die Sprache ist schwerfälligund gesucht schwülstig.

Zeugnisse. Die Stelle bei Bernold lautet Chron.1091 (MG. SS. 5, 448, 8) BernhardusConstantiensium magister scholarum vir eruditissimus, in causa s. Petri ferventissimusin Saxonia sub monachica professione migravit ad dominum . . . (1091 p. 451, 36) multanobis sui ingenii monimenta reliquit multaque pro catholicis contra scismalicos sui tem-poris elegantissime scripsit. Et primum quidem ad suos amicos de iudicio Gregorii papae VITsuper scismaticos et de sacramentis extra aeclesiam usurpatis* Postea etiam ad venera-bilem Hartvicum Magideburgensem episcopum de eadem causa magnum librum loculen-tissime composuit ex persona s. ecclesiae, in quo testimoniis sanetorum patrum omnes in-

1 Lib. de lite 1, 471f. 8; c. 14 p. 487, 10 nach Pers. Sat. 3, 118;

2 Die Streitschriften Altmanns von Passau c. 39 p. 509, 30 nach Romulus, Fab. Aesop.und Wezilos von Mainz S. 19 f. (Pader- 3 (Thiele, Der latein. Aesop des Romulusborn 1890). S. 12), nicht nach Phädrus.

3 Vgl. c. 15 und 34. 6 Diese Schrift ist jedenfalls die an Ber-

4 Vgl. p. 483, 12 und 509, 11. nold gerichtete.

5 c. 9 p. 483, 18 nach Horat. Carm. 3, 3,