A. Die kirchliche Streitschriftenliteratur 29
Römern und die Einnahme der Stadt im März 1084 besingt. Hierin wird HildebrandStr. 11 heftig angegriffen und 13, 3 sogar behauptet sedem apostolicam quam tenebaspec'unia. Ebenso geht der Dichter scharf gegen die Großgräfin Mathilde und die anderenHelfershelfer des Papstes vor. Schluß Str. 19 Rex diu victor astitit Et Paterinos subruit,Sed gratia cum domini Sedem tenet apostoli.
Ausgaben von Sudendorf a.a.O. S. 55 und von Dümmler, Lib. de lite 1, 433.Aus derselben Zeit stammt der in drei verschiedenen Redaktionen erhaltene TraktatDicta cuiusdam de discordia papae et regis, der von den zwiespältigen Papst-wahlen der früheren Zeiten ausgeht, auf das Papstwahldekret Nikolaus' II. zu sprechenkommt und mit der Wahl Clemens' III. schließt, die als rechtmäßig anerkannt wird.Wahrscheinlich ist der Verfasser ein Deutscher, aber nicht Sigebert.
Ueberlieferung im Bruxell. 5576—£604 s. XII, daraus herausgegeben von Floto,Heinrich IV. Bd. 1, 437; Paris. 10402 s. XII f. 65, danach Ausgabe von Scheffer-Boichorst, Neuordnung der Papstwahl durch Nicolaus II. S. 134; Vindob. 2213f. 93 s.XII. Ausgabe nach allen drei Hss. von K. Francke, Lib. de lite 1, 454—460.Daß die Schrift nicht von Sigebert stammt, wies Scheffer-Boichorst a. a. O. nach,vgl. Wattenbach 2, 157 n. 1; sonst Archiv d..Wien. Akad. 54, 386 und A. Cauchie,La quereile des investitures etc. p. 106. G. Mirbt, Publizistik S. 30.
12. WIDONIS OSNABRUGENSIS DE CONTROVERSIA INTERHILDEBRANDUM ET HEINRICUM IMPERATOREM
Bei Lebzeiten Gregors VII., als Heinrich IV. schon Kaiser war, also1084 oder 1085, verfaßte der Osnabrücker Propst Wido auf Befehl derBischöfe Liemar von Bremen und Benno von Osnabrück ein Buch, indem er den Gegenpapst Wibert (Clemens III.) und dessen Inthronisationgegen Gregor VII. und dessen Anhänger nachdrücklich in Schutz nahm,wozu er sich der Sammlungen der Canones, des Liber pontificalis undCassiodors Hist. tripartita besonders bediente.' Dies Werk wurde wohl imJahre 1118 durch einen Osnabrücker Lehrer in einen Auszug gebracht,da diesem jene früheren Zeiten mit der Gegenwart ähnlich schienen; erwidmete das Exzerpt dem Propst T. — wohl dem nachmaligen BischofThiethard von Osnabrück 1 1119—1137 — und dem Konfrater H. und dieshat sich erhalten. Es beginnt mit den alten Zeiten der Kirche unter Sil-vester über die Wahl der Päpste, geht auf Gregor I. ein (nach Joh. Dia-conusVita Greg. 1, 40) und spricht dann über die Wahl der späteren Päpsteohne jede Voreingenommenheit. Mit dem zweiten Teil von Widos Schrift(vgl. unten) befaßt es sich nur kurz, im dritten Teil kommt es zu demscharfen Resultat, daß Gregor mit der Lösung des Eides, den man demKönige einst zugeschworen, nichts anderes getan habe, als den WillenGottes umzustoßen.
Zeugnisse. Lib. de lite 1, 462, 1 T. preposito venerabili et H. confratri T. Osnibur-gensis ecclesiae puerorum introduclor qualiscumque ... 3 De controversia presenti intersacerdotium et regnum . . . cupiens aliquid huic parti vel Uli consonum invenire ... 14 HecUaque cum intenderem in armariolo venerabilium conjratrum nostrorum monachorum infine cuiusdam voluminis quaterniunculum deprehendi, in quo scriptum quoddam de con-troversia inter Hildebrandum et imperalorem Heinricum habita sine auctoris nomine rep-peri. Retulit tarnen mihi prior eiusdem cenobii hoc consilio Liemari Bremensis episcopiet Pennonis Osniburgensis episcopi a Widone, qui et postea episcopus Osniburge factusest, collectum esse. Erat autem de tribus principalibus rebus: de electione et consecrationeRomani pontificis et de excommunicatione imperatoris et de absolutione iuramentorumregi fidelium. Ueberlieferung in der Bamberger Briefsammlung Udalrichs im Zwetl.283 s.XII und Vindob. 398 s.XII. Ausgabe von Eccard, Corpus historicorum 2, 183;von Jaffe, Bibl. rer. Germ. 5, 330; von L. v. Heinemann, Lib. de lite 1, 462. Vgl.C. Mirbt, Die Stellung Augustins etc. S. 39 und Publizistik 31 ff. Wattenbach 2, 30.Hauck 3,849.
1 Vgl. Jaffe, Bibl. rer. Germ. 5, 328 n.2.3. C. Mirbt, Publizistik S. 31.