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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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A. Die kirchliche Streitschriftenliteratur 27

Ueberlieferung im Bruxell. 55765604 s. XII; Vindob. 2213f. 37 s. XIIXIII.Ausgaben von Martene, Thes. anecdot. 1, 214; von K. Francke, Libelli de lite 1,284299; (3, 730). Vgl. Wattenbach 1,120. Hauck 3, 823.

9. MANEGOLDI AD GEBEHARDUM LIBER 1

Manegold von Lautenbach, über den noch an andrer Stelle zu sprechenist, hat vor Gregors VII. Tode eine Schrift begonnen, die sich gegen Wen-richs eben vorgeführten Brief richtet. Der Lautenbacher Propst Harmannund andere hatten ihn darum gebeten. War nun Wenrich in der Beurteilungder Personen und Zustände maßvoll, so geht Manegold nur darauf aus, seineGegner die Anhänger des Königs und diesen selbst zu schmähen undzu beschimpfen; ersucht zu beweisen, daß der König verjagt und dessenAnhänger getötet werden müßten. Für ihn ist der Papst der Inbegriff allerTugend und die Auflehnung gegen dessen Willen eine Rebellion gegen Gottselbst. So tief hatte sich der Parteihaß unter den nüchternen Deutschenschon eingefressen! So ist das umfängliche Werk von 77 Kapiteln nichtsanderes als eine heftige Parteischrift ohne jedes Maß und Ziel, die außer-dem recht ungenügend disponiert ist und einen sehr breiten und schwül-stigen Stil besitzt. Dagegen zeigt sie eine nicht geringe Belesenheit desVerfassers in der früheren Literatur.

Die geschichtlichen Tatsachen entnimmt Manegold aus Eusebius, Cassiodors Hist.tripartita, 2 der Vita Gregorii des Johannes Diaconus 3 und Reginos Chronik, 4 dazu ausHermann von Reichenau. 6 Von der zeitgenössischen Literatur kennt er Petrus Damiani,die Briefe Gregors VII. und Schriften Bernolds und Lanfrancs, 6 etwas weiter rücklie-gend Walahfrids Glosse 7 und eine Schrift von Hincmar. 8 Aber als Lehrer ist er auch inder alten Literatur zu Hause; so bringt er Anführungen aus Cicero (c. 46 p. 390,15De amic. 9, 32; 49 p. 398 De amic. 11, 37. 12, 40. 42), aus Horaz Praef. p. 311, 31 (A.P. 3840), aus Persius (14 p. 339, 23 Sat. 3, 118) und aus Boethius, aus dessen Inst,arithmetica er in der Vorrede Stücke anführt (p. 313,132 = Boeth. arithm. ed. Fried-lein p. 3, 24, 16. 5,1116. 2124) und zwar mit Auslassungen und Veränderungen. 9Zweimal finden sich Sprichwörter, nämlich Praef. p. 313, 27 iuxta illud vulgare pro-verbium: Bos presepis eget, canis hinc abstemius arcet (vgl. Müllenhoff u. Scherer,Denkm. 2 S. 45,19) und c. 13 p. 336, 15 nam ut proverbio vulgari utar, sicut lupum lupovel vulpeculam vulpe difficile est capere.

Verwandten Inhalts ist Manegolds Schrift Contra Wolfelmum Go-loniensem, die an eine in Lautenbach gehaltene philosophische Disputa-tion anschließt und erst nach dem Tode Gregors VII. verfaßt ist. Der Ver-fasser richtet sich hier gegen die Ansicht Wolfelms, daß die Ansichten derheidnischen Philosophen mit dem christlichen Glauben wohl zu vereinenseien. Man sieht hieraus deutlich, daß die Saat des Johannes Scottus dochnicht nur bei Berengar aufgegangen war, sondern daß auch andere Klerikerdes 11. Jahrhunderts die alte Philosophie gelten ließen. Mit solchen An-

1 Ueber das Leben und die anderen Schrif- contra Berengarium = Opera ed. Giles 2,ten Manegolds vgl. weiter unten. Gebehard 174.

ist der Brzbischof Gebhard von Salzburg. 7 c. 20 p. 344, 22 ut Walfredus Strabo in

2 Vgl. c. 34 p. 372; 52 p. 403. collectario suo testatur (Glossa in Genes. 23).

3 Vgl. c. 10 p. 331; 19 p. 343; 45 p.389; 8 c. 49 p. 396 Hincmarus Bemensis ar-58 p. 411 f. chiepiscopus in collectario suo ad Karolum

4 Vgl. c. 29 p. 362. 364 und 48 p. 393 (1, imperalorem . . . affirmavit = De divortio39ff. 2, 23). Lotharii, opp. ed. Sirmond 1, 651.

6 c. 29 p. 362. ° p. 3, 5 fehlt unquam. 3, 8 instructius est.

C. 44 p. 386 Lantfrancus in rescripto 3,14 expectet.