A. Die kirchliche Streitschriftenliteratur 25
tene, Thesaurus anecdot. 5, 629= Migne 143, 103; ed. F. Thaner, Lib. de lite 1,100—253. Vgl. 2, 701. Vgl. Mirbt S. lOf. A. Fliehe, Le cardinal Humbert, Revue hi-storique 119. F. Rukser, Cardinal Humberts Streitschrift, Greifswald 1921.
6. PSEUDO-UDALRIGI DE CONTINENTIA GLERICORUMAls Gregor VII. auf der römischen Synode von 1074 das Eheverbot für alleKleriker verkündet hatte, schrieb ein unbekannter Geistlicher fälschlich unterdem Namen des Bischofs Udalrich von Augsburg (923—973) einen Brief, 1in dem er den Papst Nikolaus angreift, daß dieser mit Gewalt alle Klerikerzur Enthaltsamkeit zwingen wollte, während er sie doch nur hätte ermahnendürfen. Weder zur Zeit Nikolaus' I. noch II. hat Ulrich gelebt, daher istsein Name hier erdichtet. Diese Schrift kann nur nach der Synode von 1074und vor der römischen von 1079 entstanden sein, in der sie von Gregor VII.mit dem Capit. Pafnutii de eadem re verdammt wurde, vgl. Bernoldi chron.1079 (SS. V, 436,2) et scriptum quod dicitur s. Oudalrici ad papam Nicolaumde nuptiis presbiterorum et capitulum Pafnutii de eadem re . . . damnavit.Benutzt werden in der Schrift Augustin und Cassiodor.
Ueberlieferung in Udalrichs von Bamberg Briefsammlung und im Vat.Pal.271f. 254 s. XII — XIII. Ausgaben von Joh. Herold, Orthodoxographa p. 1254 (Basel1555); Martene et Durand, Vett. SS. ampl. coli. 1, 449; Jaffe, Bibl. rer. Germ. 5,114 N. 56; L. v. Heinemann, Libelli de lite 1, 254; kritische Nachlese aus Erford. 43(jetzt Berlin lat. 4° 814) s. XV Lib. de lite 3, 729f. Vgl. Mirbt S.12.
7. GEBHARDS VON SALZBURG BRIEF AN HERMANN VON METZGebehard, 2 einer der eifrigsten Anhänger Gregors VII., verließ 1077 seinenErzsprengel und hielt sich bald in Schwaben, bald in Sachsen auf. AuchHermann von Metz wurde von Heinrich IV. heftig bekämpft, schließlichabgesetzt und vertrieben. Vielleicht zu der Zeit, da er sich bei BischofDietrich von Verdun aufhielt, fragte er zweimal bei Gebehard brieflich an,welche Partei er in dem großen Prinzipienstreite ergreifen solle; denn derSalzburger Erzbischof war in seinen Anschauungen maßvoll und ohneVoreingenommenheit, weshalb er von Freund und Feind hoch angesehenwurde. So antwortete er Hermann in einem Schreiben, 3 wo sich an einebescheiden gehaltene Einleitung die Ausführung anschließt, daß der Ver-kehr mit Exkommunizierten unerlaubt und daß der König nicht leichthin,sondern mit Recht gebannt sei und daß die, welche den König verlassenhätten, keinen Meineid begangen hätten; die Schuld an dem ganzen Zer-würfnisse wird auf die Gegner gewälzt. Gebehard wendet sich hier nichtgegen einzelne Feinde, sondern gegen deren Gesamtheit. Es ist zu beklagen,daß seine Gesamtdarstellung des großen Kulturkampfes nicht erhaltenblieb, von der Manegold berichtet, sie war doch wahrscheinlich für jeneZeiten möglichst vorurteilslos abgefaßt.
Vgl. Manegold. contra Wolfelmum c. 23 4 Contra quem quam impie etiam seeundumleges seculi actum sit. . . ex hystoria, b quae . . . Salseburgensis archiepiscopi esse dicitur,
1 Gegen diesen Brief richtet sich ein Halle 1890. Hauck III, 835. Mirbt S.21 f.Fragment aus Merseburg (Capit. 43 s.XII, 3 Vgl. Bruno de hello Saxonico c. 126 (ed.im Einband), das von E. Dümmler, Lib. Wattenbach p. 98). Lib. de unitate ec-de lite 3, 585—587, herausgegeben ist. clesiae conservanda2,18 (ed. Schwenken-
2 Vgl. die Vita Gebehardi MG. SS. 11, becher p. 75).
25ff. L.Spohr, TJeber die polit.u.publi- 4 Lib. de lite 1, 306, 20.
zist. Wirksamkeit Gebhards von Salzburg, 5 G. Koch, Manegold v. L. und die Volks-