22 Erster Abschnitt. Die Theologie und Philosophie
cidus von Nonantula. Veranlassung zu ihm gaben mailändische Vorgänge
und Wido nimmt in ihm den Kampf gegen die Simonie auf.
Ueberlieferung im Sangall. 676f. 91 s. XI—XII; Barberinus XII, 24 s. XI—XII;Paris. 4281 A f. 101; Lucensis archiv. cap. canon. Plut. 1, 32 s.XIII; Schlettstad. 99.Ausgaben: Baluzius, Miscellanea Lib. I p. 412; F. Thaner in MGH. Lib. de lite 1, 5—7.Vgl. C. Mirbt, Die Publizistik im Zeitalter Gregors VII. (Leipzig 1894) S. 6.
2. DE ORDINANDO PONTIFICE
Auf eine Anfrage aus dem französischen Episkopat, die auf die Neu-ordnung der Kirche durch Heinrich III. nach der Synode von Sutri ausging,stützt sich dies Schreiben eines lothringischen Klerikers, 1 das nur als Bruch-stück erhalten ist und sich in heftiger Weise gegen den Kaiser wendet, daßer es gewagt habe, auf jener Synode Päpste abzusetzen. Die Schrift ist 1048verfaßt.
Ueberlieferung im Leid. Voss. lat. 4° lOf. 94 s. XL Ausgaben von C.Beyer, For-schungen zur Deutschen Geschichte 20, 570—586; E. Dümmler, Libelli de lite 1, 8—14.Vgl. C. Beyer vor der Ausgabe und Mirbt a. a. 0. S. 6f.
3. PETRI DAMIANI LIBER GRATISSIMUS
Die Frage, was mit den durch simonistische Bischöfe geweihten Geist-lichen zu geschehen habe, wurde unter Clemens II. in der römischenJanuarsynode von 1047 und bald darauf schärfer von Leo IX. entschieden.Nach der römischen Synode von 1051 suchte nun Petrus Damiani, damalsPrior im Kloster Fönte Avellana, später Kardinalbischof von Ostia, 2 dieFrage zu lösen und schrieb etwa im Sommer 1052 den Liber gratissimus,nach der Beischrift im Audomar. 228 so benannt ,quia de his compositusest, qui gratis a simoniacis ordinati sunt' nach andrer Erklärung ,quodnimis gratum simoniacis fuerit' 3 Petrus sucht in seinem weitschichtigangelegten Buche zu erweisen, daß die von simonistischen Bischöfenohne Entgelt (gratis) geweihten Priester weder von ihrer Stelle zu ent-fernen seien noch einer zweiten Weihe bedürften. Man sieht hieraus, wiemilde Ansichten die Reformpartei damals noch hatte. Als aber PapstNikolaus II. auf der römischen Synode im April 1060 bestimmt hatte, daßdie bisher von simonistischen Bischöfen ohne Entgelt geweihten Priesterin ihren Stellen verbleiben, die in Zukunft Geweihten aber ihre Stellen ver-lieren sollten, da änderte Petrus manches in seinem Buche, ließ eine ReiheKapitel aus 4 und fügte einiges über die Synode von 1060 als 42. Kapitel hinzu.Später wurde diese zweite Redaktion durch einen unbekannten Verfasserwieder verändert, indem Kap. 38, 40 und 41 weggelassen wurden. Ein-geleitet wird das Buch durch 14 leoninische Hexameter und gerichtet ist esan den Erzbischof Heinrich von Ravenna. Es wurde später häufig benutztund angeführt, so von Kardinal Humbert adv. simoniacos 1, 7. 15, vonDeusdedit contra invasores 2, 4 ff., von Bernold de sacram. excommuni-catorum 8 und in de canonum auctoritate c. 12.
Ueberlieferung: Die ursprüngliche Fassung im Vatic. 5075 s. XI und Audomar.228s. XII ; die zweite Redaktion im Casin. 338 s. XII, die dritte im Vindob. 2177 f. 92 s. XII,
1 Nach E. Sackur, Die Cluniacenser 2, 3 Vgl. L. von Heinemann, Libelli de305 ff. lite 1, 16 und n. 2.
2 Ueber sein Leben an andrer Stelle. 4 Nämlich Kap. 16—18. 29—31.