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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
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8 Einleitung

auf der arabisches Wissen glänzte, der Hauptsitz der Medizin diesseits derAlpen. Aber die politische Vereinigung, in die der ganze Norden undWesten Frankreichs mit England getreten war, ließ auch dies Inselreichan der Blüte der Literatur Frankreichs teilnehmen. England selbst tratin den Kirchenstreit nur ganz wenig ein, wobei es sich aber gegen den Papststellte. Seine insulare Lage begünstigte eine rege Weiterbildung seiner zu-nächst etwas abgeschlossenen Literatur, doch nach der Normanneneroberungnahm seine Literatur sowohl auf englischem wie französischem Boden aufsregste Anteil an den politischen Verhältnissen nach außen wie nach innen,nämlich an den großen Ereignissen, die sich in beiden Ländern abspieltenund an den Kämpfen der niedern Geistlichkeit gegen den mehr oder wenigervon Rom abhängigen Episkopat und an den Kämpfen zwischen Königtumund Erzbischöfen; und auch die feindseligen Beziehungen, die unter derRegierung Heinrichs IL zwischen England und Irland einsetzen und damitden noch nie beschwichtigten Kampf beider Länder beginnen, haben sichliterarisch auszuwirken vermocht.

Ein ganz wesentlicher Grund für das Aufblühen der Artes liegt darin,daß in unsrer Periode das Studium des Altertums und seiner Literatur sichdurchaus als gleichberechtigt neben die christliche Wissenschaft setzte undjetzt um seiner selbst willen betrieben wurde, während in früheren Zeitendie Erforschung der Antike mehr als Durchgangsstadium für das Gesamt-studium der Bibel angesehen wurde. Man hat sich allmählich ganz auf denStandpunkt des Altertums zu versetzen gewußt, und man sieht darinnicht nur keine Schädigung des Christenglaubens, sondern es scheint sogar,daß man diesem durch offen zur Schau getragene Kenntnis der antikenMythologie Opposition machen wollte. Diese humanistischen Tendenzenhängen aber zusammen mit der Ausbreitung und Vertiefung des Unter-richts und dem weiteren Anwachsen der Bibliotheken in Klöstern undBischofssitzen, durch deren erhaltene alte Kataloge wir in den Stand ge-setzt sind, uns ein Bild von ihrer Reichhaltigkeit und Bedeutung zu machen.In Frankreich ragen während des 12. Jahrhunderts in dieser Beziehunghervor Gorbie, Cluni, Bec, St. Amand und Limoges, während in Deutsch-land Bamberg und Prüfening, in England Durham und Whitby ungemeinreichhaltig sind. Diese Kataloge erweisen aber, daß damals noch ein unddas andere Werk des Altertums erhalten war, das heute fehlt, und daß schonim 12. Jahrhundert ähnlich bedeutende Büchersammlungen vorhandenwaren, wie sie um die Mitte des 13. Jahrhunderts Richard von Fournivalund Vincenz von Beauvais benutzen konnten. Aber es ergibt sich noch einandrer Umstand, der für das Wiederaufleben der Antike wichtig ist. Längstwar es Sitte geworden, daß den fürstlichen Familien möglichst alte undhohe Abkunft angedichtet wurde, indem man sie gern von Griechen, Make-donien! und besonders von den Trojanern abstammen ließ. Brachte diesschon vielfache Beschäftigung mit der Geschichte des Altertums, so warendie künstlerischen Regungen, die sich bei den fürstlichen Familien bezüg-lich der Ausschmückung ihrer Schlösser hiermit verbanden, in mancherWeise tonangebend für Untersuchungen auf dem Gebiet der alten Literaturund Kunst. Das hängt aber zusammen mit der in jenen Zeiten noch ganz