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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
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6 Einleitung

reale Ausnützung dieser Züge auf die romanische Seite zu werfen, so daßdas Kaisertum bis zu dem verhängnisvollen Zuge Friedrichs I. ganz aus-geschaltet blieb.

Die Kreuzzüge aber wurden für das geistige Leben und Schaffen desAbendlandes von hervorragender Bedeutung. Nicht nur, daß man sichjetzt mehr mit dem Islam und dem Leben seines Stifters abgab und daßauch das Judentum von erhöhter Wichtigkeit wurde, 1 die nahe Berührungmit dem Orient und die dadurch erweiterte Kenntnis der arabischenSprache und Literatur brachte den westlichen Nationen eine reiche Füllevon orientalischer Dichtung, die in Fabeln, Märchen, Erzählungen undSagen niedergelegt war. Aber auch die Kenntnis des Griechischen nahmjetzt im Abendlande zu, denn einerseits wurden die Berührungen mit dergriechischen Welt immer häufiger, und andrerseits vermittelte das südlicheItalien den nördlichen Ländern die in ihm stets lebendig gebliebenenSchätze aus griechischem Wissen. Und hierzu kommt die erhöhte Auf-nahmefähigkeit der wissenschaftlichen Welt für Griechisches seit demBeginn des 12. Jahrhunderts. Piatons Timäus in der Bearbeitung durchChalcidius war stets den tiefer forschenden Geistern eine Quelle der Er-kenntnis gewesen und wurde seit dem 11. Jahrhundert häufiger abge-schrieben, später sogar mit einem Kommentar versehen, und ungefährzu gleicher Zeit gelangte das Abendland durch die Übersetzung der Ana-lytica in den Besitz der sämtlichen Schriften des aristotelischen Organons.Damit aber beginnt die Übersetzung der zahlreichen Werke des großenGriechen im allgemeinen und zugleich eine starke Umwandlung der Theo-logie nach der philosophischen Seite hin.

Die Theologie erhält jetzt neue Probleme. Ein Geist wie JohannesScottus hatte es zwar nicht daran fehlen lassen, in seiner neuplatonischenAuffassung die Philosophie zur Seite der Theologie treten zu lassen, undspäter hatte die Schule von Ghartres platonische Ideen aus dem Timäusdem Christentum genähert. In dem großen Kirchenstreit aber hatten dieTheologen ihre Waffen aus der Rüstkammer der Väter und des Kirchen-rechts holen müssen. Aber mit diesem Kampf schließt die alte unangefoch-tene Bedeutung der Kirchenväter für die Theologie, denn die früherekatenenartige Kommentierung der Bibel durch aneinandergestellte Stückeaus den Patres schweigt mehr und mehr, 2 Sentenzensammlungen und Sum-men treten auf und die große, nun einsetzende scholastische Bewegungknüpft sich in ihren Forschungen an philosophische Betrachtung an: dieTheologie sucht die Vereinigung mit der Philosophie. Ihre beiden Haupt-richtungen, die Realisten und die Nominalisten, suchen ihre Standpunkteres ante nomina und nomina ante res aus der aristotelischen Philosophiezu erweisen und die aristotelische Logik dient fortan als wichtiges Substratfür die Lehren des Christentums, wie die Naturkunde des großen Philo-sophen die Hauptunterlage für die naturwissenschaftlichen Schriften des

1 Islam, Judentum und die südfranzö- kundgaben,

sische Ketzerei der Waldenser regten in 2 Besonders wurden zur Kommentierung

der Theologie neue polemische Strömungen die Paulusbriefe und der Psalter sowie das

an, die sich in der Literatur mehrfach Hohelied bevorzugt.