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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
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Einleitung 5

Merkwürdig ist, daß bei diesem eine reiche Literatur fördernden Kampfeder französische und der englische Klerus sich kaum daran beteiligte, trotz-dem der Episkopat beider Länder frühzeitig auf seine Gerechtsame be-dacht war und der Kurie nur wenig Einfluß gestattete. Aber der Kampfsetzte sich fort und wurde erst in seinem späteren Verlaufe zu einem euro-päischen Gegensatz von so bedeutenden "Dimensionen, daß er noch nachJahrhunderten als die Grundlage der nationalen Zwistigkeiten unsersErdteils gelten kann. Nämlich die Spaltung zwischen Kirche und Staatwurde durch den Kampf übernommen, der zwischen den beiden Herrscher-familien der Weifen und Hohenstaufen ausbrach, und mehrmals durch denAusbruch eines Schismas verschärft. Und in diese Streitigkeiten griffennicht nur Italien, sondern auch Frankreich und England ein, und zwardie beiden letzten Mächte je nach der politischen Stellung, in der sie sichzueinander befanden.

Diese Stellung ist seltsam genug. Denn im Jahre 1066 eroberte HerzogWilhelm von der Normandie, der Lehnsmann des Königs von Frankreich,mit seinen französierten Normannen England und seine Nachfolger ge-wannen als Könige von England durch Verheiratung die Hälfte von ganzFrankreich und durch Verschwägerung mit den Weifen großen Einflußin Deutschland. Dadurch aber kam der große Austausch von Bildung undWissenschaft in Westeuropa zustande: die überlegene französische Kulturgelangte durch die Normannen nach England und die Verbindung vonangelsächsisch-normannischem Wesen erzeugte wieder viele Ausstrahlungennach Frankreich. Dadurch aber wurde nicht nur dem nordfranzösischenBildungszentrum Paris Vorschub geleistet, sondern auch der Zuzug derKleriker aus dem übrigen Europa nach den zahlreichen andern Bildungs-stätten des nördlichen und östlichen Frankreich verstärkt und an diesenStätten eine lateinische Literatur von gemischt französisch-englischemEinschlag erzeugt.

Nun waren in den großen, teils rein geistigen teils rein politischen Kämp-fen die Anschauungen der Menschen und nicht etwa bloß der Kleriker ver-ändert worden. Die frühere Ruhe war einer größeren Aufregung gewichen,die sich auch auf den meisten Gebieten der Literatur kundgab. Fortangruppierten sich die politischen Ereignisse des Abendlandes um eine Reihevon Gegensätzen, die zum Teil noch heute in Geltung geblieben sind:Kaisertum gegen Papsttum, Hohenstaufen gegen Weifen, England gegenFrankreich, Spanien gegen Kalifat Cordova, Kaisertum gegen Lombardei,England gegen Irland. Die diplomatische Überlegenheit der Romanen überdie Deutschen hatte aber nicht nur in dem Kirchenstreit gesiegt, sondernhatte sich auch gleich beim Anfang der großen abendländischen Unterneh-mungen nach dem Orient, nämlich den Kreuzzügen, glänzend gezeigt,durch die sich, auf Grundlage von Religionskämpfen, nicht nur ein weitererWeltgegensatz, Abendland gegen Morgenland, auftat, sondern auch einewenn auch langsam eintretende Veränderung des Abendlandes in geistigerund kultureller Beziehung einsetzte. Gleich anfangs gingen die Kreuzzügemehr von den romanischen Nationen, besonders von den Franzosen aus;und auch sonst gelang es dem Papsttum, das Schwergewicht und die