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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
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4 Einleitung

punkt gefunden, denn Gregor erklärte, daß die Investitur der Bischöfedurch den König, also durch Laienhand unstatthaft sei. Das Königtumaber hätte einen nicht geringen Teil seiner Macht aus den Händen gegeben,wenn es auf dies im ganzen Wesen des Lehnsstaats begründete Recht ver-zichtete.

Als nun die Kämpfe mit der Feder einsetzten, zeigte es sich, daß derromanische Klerus, der sich ganz dem Papste zur Verfügung stellte, demdeutschen in gewisser Weise überlegen war, denn die Vorbildung desGeistlichen in Italien und Frankreich beruhte doch mehr auf der Rhetorikund Dialektik und mit diesem formalen Vorteil verband der welscheKlerus eine eingehendere Kenntnis des römischen Rechts, das in Verbin-dung mit dem kanonischen Recht als eine feste Mauer gegen die Ansprüchedes Königtums gebraucht werden konnte. In der Grammatik hingegenlassen die Schriften des deutschen Klerus die nötige Sicherheit nicht ver-missen. In beiden Parteien traten nun Schriftsteller auf, die hauptsächlichan der Hand von Konzilsbeschlüssen, von Papstbriefen und Dekretensowie von Stellen aus den Werken der Väter die Richtigkeit der eigenenAnschauung und Handlungsweise zu erweisen suchten, und zur Abfassungder Streit- und Parteischriften wurden meist kenntnisreiche Männer be-stellt, die in dem zur Unterlage und Begründung nötigen Stoffe wohl zuHause waren. Allerdings wurden für diesen Stoff unterschiedslos echteund unechte Vorlagen benutzt und namentlich wurde auf der päpst-lichen (und in argloser Weise auch auf der königlichen) Seite die im9. Jahrhundert entstandne große Fälschung der Pseudoisidorischen De-kretalen aufs stärkste herangezogen, da mit ihrer Hilfe die prinzipielleStellung des Königs zugunsten des Papstes aufs schwerste gefährdetwerden konnte. 1

Als Gregor 1080 den König zum zweiten Mal gebannt und dieser alsGegenpapst Wibert von Ravenna (Clemens III.) hatte ernennen lassen,nahm der Streit an Heftigkeit zu: Heinrich zog gegen Rom, eroberte dieStadt und Gregor mußte nach Salerno entfliehen, wo er 1085 starb. Seinzweiter Nachfolger, der Franzose Urban IL, verband die päpstliche Geg-nerschaft mit der romanischen Abneigung gegen die deutsche Königs-macht und erweckte dem Kaiser eine Menge neuer mächtiger Feinde imReiche. Urbans Nachfolger setzten dessen Politik fort, die sich jetzt be-sonders zu einem gewaltigen Kampfe gegen die Laieninvestitur erhob undnun auch den anfänglich der Kurie gefügigen Heinrich V. befehdete, bisdieser 1111 Papst und Kardinäle in Rom gefangen nahm und einen gün-stigen Vergleich erzwang; erst nach elf Jahren wurde der gigantischeKampf durch das Konkordat von Worms notdürftig beendet. Heinrich V.rettete hier zwar zum Teil die königliche Investitur, aber das feste Lehns-gefüge des Reiches war aufs schwerste erschüttert und der deutsche Epi-skopat war dem Königtum entfremdet und neigte seitdem nachRom. Damitwar die Einheit im deutschen Reiche für immer dahin.

1 Allerdings hatte schon Gregor IV. im Neque ignorare debueratis maius esse regi-Jahre 833 an die fränkischen Bischöfe ge- men animarum quod est pontificale, quamschrieben (MG. Ep. Karol. aevi 3, 228, 40) imperiale quod est temporale.