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Morbidität und Mortalität bei den deutschen Heeren und bei den in Deutschland untergebrachten kriegsgefangenen Franzosen
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Morbidität und Mortalität bei dun Deutschen Heeren und bei den in Deutschland internirten kriegsgefangenen Franzosen. Band II

Die Nationalgardisten blieben bis auf 3 leichte Fälleganz verschont. Die Epidemie erlosch nach den erstenFrösten schon im Laufe des November, um im März miteinigen leichteren, aber wohl charakterisirten Fällen wiederzu beginnen.

Obgleich in der Zugangszahl die Ruhr nicht ganzerreichend, hat die Lungenentzündung doch einenwesentlich grösseren Antheil an der Sterblichkeit. Esbetrug der Zugang an Ruhr: 339 Mann,Abgang durch Tod: 29,Zugang an Lungenentzündung: 304,Abgang durch Tod: 49.

Die grosse Mehrzahl der Fälle von Lungenentzündungwurde erst gegen das Ende der Berichtszeit (Februar oderMärz) hin beobachtet. Sie befiel ebenso wie die oben be-sprochenen Infektionskrankheiten vorwiegend die Mann-schaften der regulären Armee (139 Mann = 46.8 0 % derKopfstärke), weniger die Nationalgardisten (15.2 -j^), amseltensten die Mobilen (12.i T ° D ). Ihre Bösartigkeit warbei allen drei Kategorien ziemlich die gleiche (es starben14.4, 17.i, 17.9 $ der Behandelten).

Die Höhe der Sterblichkeit wird von Claudot aufdie Härte des Winters, schlechte Ernährung, Aufenthaltin Zelten und Baracken und Unzulänglichkeit der Kleidunggeschoben.

Im Ganzen waren unter 6009 Krankheitsfällen l )3085 = 513.4^ durch Variola, Typhus und Dysenteriebedingt; unter 600 Todesfällen 2 ) *489 = 81.« j} durchInfektionskrankheiten (einschl. 3 Todesfälle an Masern,2 an Erysipelas).

Die Sterblichkeit betrug im Ganzen etwa 4().o aufTausend der durchschnittlichen Kopfstärke im Laufe von7 Monaten. Auf die einzelnen Theile der Besatzung ver-theilte sie sich folgendermaassen:

von der regulären Armee starben:

41.3 (j Q o der höchsten Kopfstärke

"e starben:

25.o -^ der höchsten Kopfstärke

in 7 Monaten: 186(4500 Mann),

' von der $in 6Vs Moj(8500 M

IRationalgarde starben:in O^pTeii: (?) 188 = 31.3/^ der höchsten Kopfstärke(6000 Tünn).

Von dem Gesammtzugange im Lazareth (6009 Mann)starben in Summa 600, d. h. 10 g aller Behandelten.

In den einzelnen Kategorien wurden folgende Sterb-lichkeitsziffern erreicht:

Reguläre Armee . ll.s g (186 von 1619 Kranken),Mobilgarde ... 7.5 {] (225 3001

Nationalgarde . . 13. 5 4} (188 1389

i) Einschl. einer unerheblichen Zahl von Verwundungen.2 ) Einschl. 18 Todesfälle an Wunden.

Die Prozentzahlen würden nach der Meinung desBerichterstatters noch ganz andere Werthe erreicht habenwenn es nicht an einem passenden Aufenthalt für leichterErkrankte (Infirmerie) gemangelt hätte.So aber warman gezwungen eine grosse Menge von Menschen mLazareth aufzunehmen, die nur von leichtem Unwohlseinbefallen waren und schon nach wenigen Tagen das Laza-reth wieder verlassen konnten."

Vorstehende Darlegungen liefern den Beweis, dagtrotz der Internirung in einemmehr als fremden Lande 1 ").desHeimwehs" und derLangeweile der Verbannung"der Gesundheitszustand der in Deutschland internirtenMannschaften der feindlichen Armeen ein besserer gewesenist, als derjenige Französischer Heerestheile im eigenenLande, selbst da, wo wie in Langres weder unmittel-barer Nahrungsmangel noch besonders angreifende psychischeEindrücke (Bombardement) zur Erhöhung der Krankenzifferbeitrugen, wo überdies die sanitäre Obhut der Leitungeines so einsichtigen, erfahrenen und thätigen Arztes, wieClaudot in seinem Berichte erscheint, unterstand.

3. Gesundheitsverhältnisse der Bewachungs-mannschaften in einigen Gefangenendepots.

Für die Beurtheilung der Morbidität und Mortalitätunter den Kriegsgefangenen sind die Kranken- und Todten-Ziffern der Wachtbataillone 2 ) um so mehr von Belang, alsletztere aus älteren Landwehrleuten bestanden, welche nichtimmer demselben Armeekorps angehörten, in dessen Bereichdas betreffende Depot lag, welche überdies Wohnung undNahrung mit den Gefangenen theilten, daher denselbenInfektionsquellen ausgesetzt waren, dabei einenäusserst anstrengenden Posten- und Patrouillendienst zu ver-sehen hatten und nur etwa hinsichtlich der Kleidung sichhygienisch unter besseren augenblicklichen Bedingungen be-fanden, im Uebrigen aber nicht wie die Gefangenen einePeriode voll Entbehrungen und Strapazen hinter sichhatten. 3 ) Allerdings zwangen dienstliche Gründe zu öfteremWechsel der Bewachungsmannschaften, so dass keiner dieserTruppentheile länger als einige Monate in einem Depotverblieb. Ob bei längerem Aufenthalte krankmachendeörtliche Einflüsse stärker zur Geltung gekommen waren.muss daher freilich dahingestellt bleiben, darf jedoch mitFug bezweifelt werden in Anbetracht der früher ausreichenddargelegten Thatsache, dass der Gesundheitszustand derInternirten sich mit der Dauer der Gefangenschaft nicltverschlechterte sondern verbesserte.

Vrtd

i) Siehe Chenu, I. S. 518.

2 ) Dieselben gehörten zu den BesatzungstruppeuS. 190 dieses Bandes, rechte Spalte, Anmerkung 3.

3) Keines der Wachtbataillone hatte der mobilen Ann«angehört.

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