Bund II.
Anhang zum III. Abschnitt: Gesundheitsverhältnisse der in die Schwein übergetretenen Franzosen u. s. w. 213
nott wiederum vor Allem die vorher auf anderem Wegedargelegte allniälige Besserung des Gesundheitszustandesund Stärkung der Widerstandsfähigkeit bei den in Deutsch-land untergebrachten Kriegsgefangenen mit der Dauer derIuteniirung.
2. Gesundheitsverhältnisse der KriegsbesatzungvonLangres während der Monate Septemberl870bis März 1871.')
Die Festung Langres hatte das seltsame Schicksal,obgleich im Bereiche der Kriegsereignisse gelegen, währenddes ganzen Feldzuges nie eng cernirt zu werden. Wenndaher auch die Verwundungen durch Kriegswaifen einengeringen Prozentsatz des Krankenzuganges bildeten unddurch das Eintreffen zahlreicher Flüchtlinge von den Feld-Armeen Gelegenheit zur Einschleppung der unter letzterenherrschenden Seuchen gegeben war, so befand sich dochim l'elirigen die dortige Besatzung unter den Verhältnisseneiner kriegsmässig verstärkten Friedensgarnison, eignet-ich daher vorzugsweise zu einem Vergleiche mit denKriegsgefangenen. Natürlich machte sich die Verstärkungder Garnison in Bezug auf die Unterbringung in sehr un-günstiger Weise geltend. Die Kasematten der Citadellesowie der Forts mussten dicht belegt werden, Zelte undBaracken den Rest der Mannschaften aufnehmen. DieBesatzung setzte sich im September nur zum geringstenTlieile (500 Mann) aus Kadres regulärer Truppen (vom50, Linien-Regiment, eine halbe Kompagnie Pioniere undeine Abtheilung des 12. Artillerie-Regiments) zusammen;den Hauptbestandtheil bildeten 6500 Mann MobilgardeWS den Departements der Meurthe und der Vogesen.Wahrend letztere im Oktober von Mobilgardisten aus demsüdlichen Frankreich (See-Alpen, Ober-Savoyen, Gard)sowie aus der Umgegend (obere Marne) abgelöst wurden,«hielt die Linie einen Zuwachs von 1800 Rekruten desJahrganges 1870. Ende Oktober traten noch 6000 älterenJahrgängen angehörende Mannschaften der Nationalgarde■ den Bestandteilen der Garnison, welche hinsichtlichihrer Kopfstärke stetem Wechsel unterworfen blieb, im«hruar vorübergehend durch Einziehung weiterer 2000Mann (im Alter von 20 bis 40 Jahren, darunter viele Ver-neirathete) vermehrt wurde, um zwischen dem 10. bisw. März definitiv aufgelöst zu werden.
Die Mobilgarde, welche allmälig bis auf 8G00 Mann^gewachsen war, erfuhr im Januar eine Verminderungdurch die Entsendung der Mobilen des Departements Gard•ad wurde zwischen dem 15. bis 25. März gänzlich in dieuenuatli entlassen. Die reguläre Armee behielt, nachdem■ le im Januar durch 2000 Rekruten des Jahrganges 1871
) Nach Ulaudot, Rapport sur le Service de sante de la ville«Langres pendant la guerre, bei Chenu, I. S. 500 bis 511.
vermehrt worden war, eine Kopfstärke von 4500 Mann bisEnde März bei.
Die vorherrschende Krankheit war während der ganzenBeobachtungszeit die Variola, welche nicht weniger als2334 Erkrankungen mit 334 Todesfällen bedingte 1 ), dem-nächst der Typhus.
Angesichts der grossen Mortalität glaubt der Franzö-sische Berichterstatter, dass trotz der Bezeichnung „Fievretyphoide et muijueuse" von den behandelnden Aerztenwohl nur ganz ausgebildete Fälle unter Ausschluss derFebricula sowie der einfachen, regelmässig verlaufendenabdominalen Formen unter dieser Rubrik verrechnet seinmögen, findet aber auch bei alledem die Zahl der Todes-fälle noch sehr hoch.' Es starben nämlich von 416 Kranken121" = 29.i §. Am gefährlichsten war cjie_Krankheit fürdie Nationalgardisten (38. 5 $ Mortalität), demnächst fürdie regulären Truppen (30.25 §), endlich für die Mobil-gardisten (27.o #)• Ihrem Auftreten nach war sie am häu-figsten bei den regulären Truppen (54. 3 „% der Kopfstärke),seltener bei der Mobilgarde (28.7 &), am seltensten beider Nationalgarde (7.8 „ 0 0 ). Das höhere Alter war für dieNationalgardisten wohl der eigentliche Schutz gegen dieInfektion (zugleich allerdings das erschwerende Momentim Erkrankungsfalle), im Gegensatz zu den Regulären undMobilen, welche, im ersten Jugendalter (etwa 20 Jahre)stehend, vom Lande weg in die infizirten Festungsräumegebracht, der Seuche viel leichter anheimfielen. Die Stei-gerung der Zugangszahlen im Februar und März bei denLinientruppen 2 ) wird von dem Berichterstatter ganz aus-drücklich auf die Ueberführung der letzteren aus den Re-douten und Vorpostenstellungen in die Kasernen der Cita-delle, welche schon seit Jahren als Typhusherde bekanntwaren, zurückgeführt. Die hohe Sterblichkeit wird ausserder schlechten Unterbringung und Ernährung der Gesundenhauptsächlich der Ueberfüllung der Lazarethe zugeschrieben.
Die Dysenterie entstand nach Ansicht des Bericht-erstatters bei den Flüchtlingen dur A_rmce von Sedan undMetz, welche reichlich in Laiigi^^k^atniueiistroniten,spontan unter dem prädisponirendeu^ ^^_von Ueber-anstrengungen und Entbehrungen.Bildung eines Infektionsherdes, derKrankheit auch bei den Mobilgarden venerlangten unter Letzteren die typhösen Erkrankungdie gleiche Ausbreitung, wie bei den regulären Truppen,noch vor Allem die gleiche Bösartigkeit, wie folgendeZusammenstellung zeigt. Es erkrankten:von den regulären Truppen 40.9^ der Durchschnittskopfstärke,„ _ Mobihrardisten 26.7 „ _ „
es starben von Ersteren 15.7 § |„ „ von Letzteren 3.g „ /
aller Behandelten.
') Näheres hierzu im VI. Bande dieses Berichtes, S. 83 ff.2) Betreffs des zeitlichen Verlaufes der Gesummt - Epidemiesiehe VI. Band dieses Berichtes, 8. 140.