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.Morbidität und Mortalität bei dun Deutschen Heeren und bei den in Deutschland internirten kriegsgefangenen Franzosen. Band II
katarrh", welcher sich oft mit Heiserkeit vergesellschaftete.Er heilte in denjenigen Fällen, in welchen er überhaupteiner Lazarethbehandlung bedurfte,innerhalb 2 bis 4 Wochen;schneller vom Eintritt milderer Witterung an. Die ent-zündlichen Affektionen, sowohl die nicht seltene Bronchitiscapillaris bezw. Bronchopneumonie als die fibrinösePneumonie traten in Rheinau, wenn sie als selbstständigeKrankheiten erschienen (recht im Gegensatz zu den obenbeleuchteten Verhältnissen in der Provinz Preussen), geradezugutartig auf. Von 4 Fällen der ersten und 5 Fällen der zweitenArt starb Keiner, obgleich ein Fall von fibrinöser Pneumoniemit Pericarditis, ein zweiter mit Peritonitis, ein drittermit Meningitis komplizirt war. Um so schlimmer, ja fastimmer tödtlich aber wirkten pneumonische Zustände, wosie sich im Verlauf anderer Krankheiten, insbesondere desTyphus, einstellten. Sie verliefen stets mit Delirien,oft mit Bronchorrhagien, „nicht selten mit sehrpiotrahirter Rekonvaleszenz oder in Phthisisübergehend".
Den Pocken erlagen von der in der Schweiz inter-nirten Armee 137 Mann = 8 % aller Gestorbenen. Aneinzelnen Orten stellte sich die Pocken-Morbidität undMortalität wie folgt:
Kopf-stärke
Behandelt
Gestorben
ab-solut
auf Tausendder
Kopfstärke
ab-solut
auf Hundert
derBehandelten
Kanton Zug . . .
635
23
36.2
3
13.o
Lazareth Rheinau .
—
4
—
1
25.o
Liestal in Baselland
1411
14
9.9
0
O.o
Kanton Freiburg .
4 246
64
15.1
12
18.75
Im Kantonbezirke
Zürich ....
4 331
91
21.0
?
?
Was die Heftigkeit dieser Erkrankungen anbetrifft,so gehörten in Zu^ beispielsweise 8 Fälle — von 23 —der schweren (einer hämorrhagisch) Form an, währenddie übrigen 15 „theils der Varioloiden-, theils selbstder Varicellen-Form" zuzutheileu waren. „An Impfungder Internirten", schreibt der Beobachter aus Zürich,„war natürlich nicht zu denken; rasche Evakuationund Vernichten des Strohes und der Bettstückewaren die einzig möglichen polizeilichen Maass-regeln."
Die Neigung zu Hämorrhagien, welche sich inallen Krankheiten, besonders aber denen der Athmungs-organe, bemerklich machte, trug auch in der Schweiz zurVerschlimmerung der Prognose nicht selten bei. So starbin Zug von zwei Scharlachkranken der eine in Folgeskarlatinöser Blutzersetzung mit Petechien in die Haut
und Schleimhäute und heftiger Entzündung der Mandeln,Gaumenbogen und Rachenschleimhaut, unter typhusartigemVerlaufe schon am zweiten Tage nach der Aufnahme.
Mit Bezug auf andere Krankheiten ist noch der hart-näckigen Intermittens-Fälle zu gedenken, welche umbei solchen Mannschaften beobachtet wurden, die ehemalsin Afrika garnisonirt hatten (fievre d'Afrique), und welch«dort entweder schon Anfälle durchgemacht oder auch nurdie Disposition zu solchen erworben hatten. 1 )
Die Häufigkeit der diarrhoischen Krankheitenist schon oben vorübergehend erwähnt worden. Es fehlteunter ihnen nicht an dysenterischen Formen, obwohldiese in Folge der Jahreszeit, um welche es sich hierhandelt, bei den Gefangenen in der Schweiz nicht entfernteine ähnliche Bolle spielten, wie bei den in Deutschlanduntergebrachten. Ihre Häufigkeit nahm mit der Herbeiführunggeordneter Wohnungs-, Kleidungs- und Ernährungsverhält-nisse sehr schnell ab. Der Verlauf war im Ganzen ein sehrgutartiger. Der Unterschied zwischen den katarrhalischenDünndarm-Affektionen und den dysenterischen machte sichvor allen Dingen in der Hartnäckigkeit der letzterenbemerkbar. Während die Kranken der ersteren Kategoriemeist in 14 Tagen genesen waren, dauerte der Lazareth-aufenthalt Ruhrkranker oft 40 Tage (im Durchschnitt23 Tage).
Der Gesundheitszustand der Französischen Ost-Armeewar zur Zeit ihres Uebertrittes in die Schweiz vielleichtein üblerer als selbst derjenige der Armee von Metz zurZeit der Kapitulation; andererseits begünstigte die Jahres-zeit bei ersterer weniger die Ausbreitung von Typhus undRuhr. Es starben aber:
im Verhältnis« zur Kopfstärkeder Gefangenen . .
im Verhältnis« zur Zahl derBehandelten.....
in der Schweizvon denwährend50 Tagen inLazarethe Auf-genommenen
.etwa 2 §
in Deutschlandvon denwährend10Monaten inLazarethe Auf-genommenen
o 2)
8.
i n
Die Sterblichkeit der Gefangenen in Deutschland W*nach dem Vorangegangenen jedesmal anmittelbar nachder Ueberführung grösserer Heeresmassen am bedeutendsten,mag daher — namentlich bei der Armee von Metz — mden ersten Wochen hinter derjenigen in der Schweiz kaumzurückgeblieben sein; die verhältnissmässig niedrigen Ge-sammt-Todtenziffern der Franzosen in Deutschland beweisen
!) Vergl. S. 203 dieses Bandes.
2 ) Verhältniss zur Durchschnittskopfstärke; im Verhältnis!zur höchsten Kopfstärke: 3.4 2. — Die in mobilen DeutschenLazarethen behandelten Franzosen können hier nicht mit in Betrachtgezogen werden, da — wie oben auseinandergesetzt — die zur Zeitdes Uebertrittes der Ost-Armee in die Schweiz vorhandenen Schw*kranken ebenfalls in Frankreich verblieben.