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Morbidität und Mortalität bei den deutschen Heeren und bei den in Deutschland untergebrachten kriegsgefangenen Franzosen
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K.iml II.

Anhang zum III. Abschnitt: Gesmidheitsverhältnisse der in die Schweiz übergetretenen Franzosen u. s. w.

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von 215 Mann) die erste Hälfte der Aufnahmen nur 8 Typhus-kranke, die zweite Hälfte aber 51 umfasste. Man erhieltden Eindruck,als ob die wilde Energie, welche in denletzten Tagen der grössten Noth in dem verzweifeltenKampfe um das Leben dem Körper die nöthige Resistenz-Shigkeit verliehen hatte, nachgelassen habe und die an ihreStelle getretene apathische Relaxation allen bereits imOrganismus angehäuften Schädlichkeiten eine fruchtbareBrutstätte biete".

Die nun sich entwickelnde Typhusepidemie, die bisauf ganz vereinzelte, später zu erwähnende zweifelhafteFälle alle Charaktere des Abdominaltyphus in aus-geprägtester Form trug, war von grosser Bösartigkeit. Inden einzelnen, genauere Berichte darbietenden Kantonenliezw. Lazarethen verhielt sich die Mortalität wie folgt:

im Militärlazareth Rheinau von 59 Typhösen gestorben 14 = 23.71 Liestal (Kanton Baselland) 26 , 9 = 34.6

im Kanton Zug 19 7 = 36.9,

» Laz. Weiermannshaus (Bern) , 99 .. 39 = 39.3

. Kanton Freiburg 216 , 91 42.o,

In letzterem Kantone erkrankten von allen Internirten424li, also 50.9 - 0 ° 0 - an Typhus, im Kanton Zug 635 ein-schliesslieh 4 leichteren (Febricula) Fällen = 36.a $% , inLiestal 1411 (nur an Typhus) = 18.4 T ° 0 .

Bezüglich der klinischen Symptome trugen die seelischenAufregungen der jüngsten Vergangenheit dazu bei, die Hirn-erecheinungen in den mannigfaltigsten Formen in denVordergrund treten zu lassen. Starke Bronchitis fehlte nie,Durchfall selten. Dagegen vermisste man oft die Puls-beschleumgung; das Exanthem gelangte nur in wenigenFällen zu grösserer Ausdehnung. Vor Allem aber fiel dieHäufigkeit aussergewohnlich hoher Temperaturen auf. Sobeobachtete man in Rheinau:

18 Fälle mit Maximaltemperaturen zwischen 40.4 40.9° C.28 , 41.o-41.9° C.

11 über 42.0° C.

Trotzdem erwiesen die Sektionen, dass der Tod nurBellen durch dietyphöse Hyperpyrexie" allein erfolgt war.Meist fanden sich entzündliche Komplikationen besondersv on Seiten der Brustorgane, deren Auftreten den letalenAufgang herbeigeführt hatte. Es starben nämlich z. B. im«olirbarackenlazareth Weiermannshaus (Kanton Bern)»on 55 an entzündlichen Komplikationen Leidenden 30 =''>5 o, von 45 nicht an entzündlichen Komplikationen Leiden-den 9 = 20.o g, darunter von 35 gar nicht komplizirten Fällen- = 5.7 g. Vom verderblichsten Einflüsse unter den Kom-plikationen waren Pleuritis und Parotitis; keiner der damitBehafteten entrann dem Tode; sodann Pneumonie und Ery-sipel, denen die Mehrzahl der Befallenen erlag; endlichheftige Bronchitis, welcher 7 mal der Tod, 15 mal Heilung'«Igte. Von weiteren Befunden der Sektionen sei erwähnt,dass der Typhusprozess im Darme nur selten zu Ver-

schorfung führte, weshalb in der überragenden Mehrzahlvon Fällen die infiltrirt gewesenen Plaques in Resolutionvorgefunden wurden. Rechnet man diese leichteren Er-krankungen den Typhusinfektionen bei, so erniedrigt sichdie Sterblichkeit natürlich an allen Orten mit Ausnahmedes Kantons Freiburg und zwar in Bezug auf Weiermanns-haus bis auf 35.8 §, in Zug bis auf 30.4, in Rheinau bis auf18.9, in Liestal sogar bis auf 12.5 $ aller Erkrankten. Be-züglich des Zeitpunktes des Todes sei hier eine Beob-achtung aus Rheinau namentlich deshalb angeführt, weil sieden in Deutschland gemachten Erfahrungen vollkommenentspricht.')

Vier von den (in Summa 7) verstorbenen Krankenkommen ins Lazareth als moribund; zwei bereits mit Ver-fallstemperatur und tödtlicher Schwäche, die dann auch schonnach zweitägigem Aufenthalt starben. Die zwei anderenstarben je am dritten und vierten Aufenthaltstage. Dieersten zwei boten bei der Sektion einen theilweis in derResolution begriffenen, theilweise resolvirten Typhusprozess,daneben frische Hepatisationen der rechten unteren Lungen-lappen. Der dritte Kranke zeigte kolossale typhöse Darm-geschwüre neben Lungenhypostase und Oedeni. Alle dreiFälle hatten schon zwischen 2 bis 3 Wochen ge-dauert und kamen in so heruntergekommenem ver-wahrlosten Zustande aus ihren Kantonnements,dass sie nicht mehr Gegenstand der Behandlung,sondern der Pflege waren."

Von Flecktyphus (?) sind zwei Fälle erwähnt ausWeiermannshaus (mit einem Todesfall), ferner zweizweifelhafte (aus Rheinau); der eine genesene Krankezeigte maserähnliches Exanthem, Krise am 9. Tage, Mangelstärkerer Intestinalerscheinungen und relativ plötzlichesErkranken, bei dem anderen am zweiten Tage gestorbe-nen wies die Sektion nicht einmal Milzschwellung auf, da-gegen Bronchopneumonie und hämorrhagischen Lungen-infarkt. Exanthem war während des Lebens nicht zubemerken; Weiterverbreitung auf Gesunde fand nichtstatt. Recurrens ist im ersten Orte einmal, im letz-teren fünfmal beobachtet worden. Dreimal war dabei kom-plizirende Pneumonie vorhanden; ein Kranker machte dreiAnfälle durch; keiner der Kranken starb. Weiterverbreitungerfolgte nach Aufhebung des Lazareths auf zwei Anstalts-wärter und einen Anstaltspflegling.

Nächst den typhösen Erkrankungen waren die Krank-heiten der Athmungsorgane die häufigsten und ge-fährlichsten. Bei 303 Mann (= 18 -jj aller Gestorbenen)führten sie den Tod herbei, abgesehen von den zahlreichenFällen, in denen sie, als Komplikation hinzutretend, denletalen Ausgang bedingten. Im Kanton Freiburg bildetenallein die der Schwindsucht Erlegenen 7.87 {j aller Ge-storbenen. Am verbreitetsten war natürlich der schonoben erwähnte (übrigens für ansteckend erklärte)Bourbaki-

*) Vergl. VI. Band dieses Berichtes, S. 196.

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