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Morbidität und Mortalität bei den deutschen Heeren und bei den in Deutschland untergebrachten kriegsgefangenen Franzosen
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Morbidität und Mortalität bei den Deutschen Heeren und bei den in Deutschland internirten kriegsgefangenen Franzosen. Band II.

Anhang zum dritten Abschnitt.

Gesundheitsyerhältnisse der in die Schweiz übergetretenen Franzosen, derKriegsbesatznng der Festung Langres, sowie der Deutschen Bewachungs-mannschaften in einigen Gefangenendepots.

1. Gesundheitsverhältnisse der in der Schweizinternirten Französischen Ost-Armee. 1 )

Die Aufgabe, die etwa 85 000 Mann starke FranzösischeOst-Armee aufzunehmen, traf die Schweiz fast gänzlich un-vorbereitet, jedenfalls sehr überraschend. Während mandaselbst am 20. Januar noch geglaubt hatte, dass es sichnur um einen Durchzug grosser Massen Kranker und Ver-wundeter durch das neutrale Gebiet nach dem südlichenFrankreich handeln würde, befanden sich am 1. Februar dieHeeressäulen schon im Marsche, um bei einer Kälte von10° R. auf drei grossen Strassen nach der Schweiz über-zutreten. Um nach Möglichkeit der Weiterverbreitung derepidemischen Krankheiten Einhalt zu thun, hatten dieSchweizer Behörden mit den Französischen Befehlshaberndas Abkommen getroffen, dass alle Truppenzüge an derGrenze von eidgenössischen Aerzten untersucht werdensollten. Dadurch war es möglich gewesen, eine grosse An-zahl, namentlich Pockenkranker, in Verrieres en Francezurückzuhalten. Trotzdem überflutheten sehr bald grosseMengen von Pflegebedürftigen die Westkantone, wo in allerKile Kirchen, Schulen, Fabriken und Staatsgebäude inLazarethe umgewandelt werden mussten.

In erster Linie war es der Kanton Neuenbürg, dem-nächst die Kantono Bern und Freiburg, welche gewisser-maassen als Filter für das Hinterland dienten, indem sieden grössten Theil der Kranken zurückhielten. In ersteremKanton hatten am 11. Februar 895, in Bern am 19. Fe-bruar 500 und in Freiburg zu derselben Zeit 388 Ma-rode oder ernster Ergriffene Aufnahme gefunden. AmS. Februar war die Internirung der Gesunden im Grossenund Ganzen beendigt (einige trafen allerdings erst am 11.in ihren Bestimmungsorten ein). Sie glich beinahe einerEinwanderung und stellte an die Behörden und die Ein-wohnerschaft schwere Anforderungen. Betrüg doch dieZahl der Gefangenen in den meisten Kantonen '/as, im

] ) Nach dem Korrespondenzblatt für Schweizer Aerzte, 1871und 1872.

Kanton Bern sogar '/äs der Einwohnerschaft, während siein Norddeutschland zur Zeit der stärksten Belegung nur'/ss ausmachte. Der Abschluss des Präliminarfriedens er-laubte schon im März wieder, mit dem Rücktransport derGesunden und der transportfähigen Kranken vorzugehen.Der letzte Zug mit Gesunden verliess die Schweiz am22. März. Von den zurückbleibenden (etwa 2000) Krankenwaren bis zum 2?>. Juni alle bis auf 25 Mann nach Frank-reich evakuirt oder gestorben. Die Zugangszahlen könnensich also über einen Zeitraum von 50 Tagen, die Todten-zahlen über einen solchen von 143 Tagen erstrecken.

Nach einem die ganze Internirungszeit umfassendenGesammtberichte sind von der Französischen Ost-Armee inSchweizerischen Spitälern behandelt worden 17 71)7 Mann,d. h. ungefähr 210 B \ K. Die Zahl der Gestorbenen(1681 Mann) betrug fast 2 g- der Mannschaft = 9.«{j derLazarethkranken.

Den hauptsächlichsten Einfluss auf die Sterblichkeit*Ziffer hatten dort wie in Deutschland:

1) die typhösen Erkrankungen mit S72 = öl £ »U*Todesfälle;

2) die Krankheiten der Athmungsorgane mit 303 =ISO aller Todesfälle;

3) die Pocken mit 137 = 8 <> aller Todesfälle.Zwar schien es im Anfange, als ob man es im Grossen

und Ganzen nur mitMaroden" zu thun habe. Alle Auf-genommenen hatten wohl den allgemein verbreitetenBour-bakihusten", die Meisten auch Diarrhöe, Viele erfroreneFüsse und Hände sowie umherziehende rheumatoideSchmerzen in allen Körpertheilen, doch waren vorherrschenddie Symptome höchster körperlicher Ermattung. Fieberbestand äusserst selten. So gingen im MilitärlazaretiiRheinau, Kanton Zürich, zu:

am S. Februar 40 Mann, darunter' Hebernd!,v 9. 42 i,

»11- 47 IG.

Sehr schnell aber sollte sich das Bild ändern, ^o" 112. Februar an kamen meist schwer akut Erkrankte, undzwar vorwiegend mit typhösem Charakter, zur Aufnahme.so dass in diesem Lazareth (mit einem Gesamuitzugange